Region lockt Fachkräfte mit Geld

Ulf Grünberg, Bäcker- und Konditormeister
Ulf Grünberg, Bäcker- und Konditormeister

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17. November 2010, 08:25 Uhr

Prignitz Ein ganzes Paket von Maßnahmen hat der Landkreis Prignitz geschnürt, um Arbeitslosen einen neuen Job zu vermitteln. Nahezu unbekannt ist das Teilprojekt Prignitzer Beschäftigungsperspektiven. Vorrangige Zielgruppe sind junge Prignitzer und Familien, die in ihre Heimat zurückkehren wollen.
Edelgard Schimko, zuständige Fachbereichsleiterin, spricht von einem „zusätzlichen Anreiz“. Erfahrungen zeigen, dass junge Familien ohne regionale Bindung nur schwer in die Prignitz zu locken sind. „Also setzen wir auf ehemalige Prignitzer“, sagt sie. Durch das Modell werden speziell Berufseinsteiger oder Absolventen mit beruflichen bzw. Fach- und Hochschulabschlüssen unterstützt. „Für drei Monate übernehmen wir die Lohnkosten.“

Voraussetzung sei, dass die Rückkehrer ihren Lebensmittelpunkt in der Prignitz haben werden. Die Förderung soll Betrieben die Einarbeitungszeit der neuen Kollegen erleichtern. „Wir werben dafür, informieren Unternehmen, aber bisher gibt es erst einen einzigen Fall“, so Schimko.
Bäckermeister Ulf Grünberg aus Lenzen war auf der Suche nach einem Gesellen, ein angehender Bäckermeister bewarb sich bei ihm. „Er kam aus der Prignitz, hatte in einem Großbetrieb in Hamburg gearbeitet, aber er wollte zurückkehren“, erzählt Grünberg.

Die finanzielle Unterstützung durch das Förderprogramm habe die Entscheidung erleichtert, sich positiv auf das Gehalt ausgewirkt. „Der Papierkrieg war immens, aber er hat sich gelohnt und die Unterstützung des Kreises war super“, fasst der junge Meister zusammen.

Einziger Wermutstropfen: Nach einem Jahr musste der Mann den Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. „Ich würde jederzeit wieder das Programm nutzen, rate anderen Unternehmen dazu und bei Fragen, helfe ich gern“, so Grünberg. Edelgard Schimko blickt über die spezielle Fördermöglichkeit hinaus und sieht auch Unternehmen in der Pflicht.

Wer Fachkräfte sucht, stehe im Wettbewerb mit anderen Regionen wie Hamburg, Stuttgart oder München. „Bewerber wissen, dass sie hier in der Regel weniger verdienen. Wenn Betriebe ihnen auch kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zahlen, machen sie ihnen die Entscheidung besonders schwer“, sagt sie. Tarifgehalt oder eine Anlehnung an den Branchentarif wäre aus ihrer Sicht ein wesentliche Voraussetzung, um junge Fachkräfte in die Prignitz zu holen.

Die Lohnhöhe ist ein Wettbewerbsfaktor, bestätigt auch Dr. Friedrich-Wilhelm Baumann, Betriebsleiter Prignitzer Chemie in Wittenberge. „Aber die Löhne müssen in das bestehende Gefüge passen und auch in den alten Bundesländern gibt es ein differenziertes Lohnniveau“, sagt Baumann. Sein Unternehmen sucht aktuell Personal, einige Einstellungen sei erfolgt. „Einfach ist es nicht“, sagt er.

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