Bilanz der Feuerwehren : Regen und Hagel verwüsten Ernte

Noch drei Stunden nach dem Unwetter waren die Hagelkörner riesig.
Noch drei Stunden nach dem Unwetter waren die Hagelkörner riesig.

Drei Unwetter in nur vier Wochen hinterlassen auf Äckern eine Spur der Verwüstung.

svz.de von
28. Dezember 2017, 15:09 Uhr

Regen, Regen, Regen. Hagelkörner groß wie Taubeneier. Im Juli folgte ein Unwetter auf das andere. Teilweise wurden historische Regenmengen gemessen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach den Regenfällen vom 30. Juni bilanziert: In einem Gebietsstreifen von Cottbus über Berlin bis zur Prignitz und im südlichen Mecklenburg kamen binnen 24 Stunden Wassermengen von mehr als 100 Litern pro Quadratmeter zusammen. Besonders extrem war es an der Wetterstation Berlin-Tegel – dort lag der Wert bei 197 Litern.

In der Prignitz musste die A 14 voll gesperrt werden. Teile der Böschung waren abgerutscht. Auch in der Perleberger Kreisverwaltung standen Räume unter Wasser. Betroffen waren im Haus III 650 Quadratmeter, etwa 20 Räume. Bei Vion, in der Perleberger Heinrich-Heine-Straße, in der Grundschule „Geschwister Scholl“ und im Gewerbegebiet Quitzow, wo Wasser in einem Autohaus stand, waren die Perleberger Wehren im Einsatz. In Karstädt lief das Regenwassersammelbecken am neuen Netto-Markt über.

Die Folgen spürten Landwirte in den Tagen darauf. Wasser, so weit das Auge reicht. In einigen Niederung zwischen Bernheide und Wustrow hatte das Flüsschen Löcknitz nach dem Dauerregen Felder und Wiesen überflutet. Die Böden konnten kein Wasser mehr aufnehmen. Landwirte wie Günter Lohr klagten, dass es keine Hochwasserwarnungen für die Löcknitz gibt und sie nicht saniert wird, das Wasser daher schlechter abfließen könne.

Nur eine Woche später kam das nächste Unwetter: In einem Streifen von Perleberg über Baek, Wolfshagen, Retzin, Kuhsdorf, Tüchen, Reckenthin bis Lindenberg zogen schwere Sturm- und Hagelschauer, während in anderen Bereichen des Landkreises – wie beispielsweise im Lenzener Raum – die Sonne schien.

Umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer, zerstörte Gewächshäuser, kaputte Autodächer. Manche Prignitzer froren die Hagelkörner ein, um für die Versicherung einen Beweis zu haben. Besonders hart traf es Landwirte. „Mais, Getreide, Kartoffeln, Raps und Zuckerrüben sind hinüber. Totalausfall auf mehreren hundert Hektar“, sagte Landwirt Michael Schröder aus Tüchen.

Einen Schaden in sechsstelliger Höhe habe es allein rund um Retzin gegeben. Im Schnitt sei auf den 1700 Hektar, die die Retziner Agrargenossenschaft bewirtschaftet, mit einem Ausfall von etwa 50 Prozent zu rechnen, so Dirk Huijbers, Chef der Genossenschaft. Beim Raps sei ungefähr die Hälfte dem Sturm zum Opfer gefallen. Beim Mais sind mindestens 40 Hektar von 300 komplett dahin.

Ende Juli dann das dritte Unwetter. Dauerregen in der Nacht. Hochwasseralarm an Stepenitz und Dömnitz. Die Niederschlagsmengen im Landkreis lagen in diesen Tagen zwischen 100 und 300 Litern je Quadratmeter. Der meiste Regen fiel im Bereich Lenzen. Hobbymeteorologe Günter Redlin ermittelte für Perleberg im Monat Juli: 210 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – der höchste Wert seit 1998.

Die Anfang des Monats gesperrte A 14 blieb wochenlang gesperrt. Erst Ende September wurde die erste, Ende Oktober die zweite Fahrtrichtung frei gegeben. So langen zogen sich die Arbeiten an der abgerutschten Böschung hin.

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