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Tafel Perleberg : Regale tageweise nur dürftig gefüllt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mehr Bedürftige müssen mit immer geringeren Lebensmittelspenden versorgt werden

von
erstellt am 22.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Äpfel, Wurst, Brot – „heute haben wir davon noch ausreichend“, sagt Marlies Müller und deutet auf die Regale. Die Vorsitzende der Tafel Perleberg e. V. verhehlt aber nicht, dass das Angebot dennoch sehr übersichtlich ist. „Es fehlt vor allem an Frischware wie Käse, Milch, Joghurt – kurzum Milchprodukte, aber auch Margarine.“ Derweil bereiten ihre Mitarbeiter die Waren für den Verkauf vor – Wurst wird geschnitten, Gemüse sortiert und geputzt, Brot und andere Backwaren in die Regale eingeräumt.

Punkt 13 Uhr öffnet der Discounter für den ganz kleinen Geldbeutel. So um die 30 Frauen und Männer, alte und jüngere und immer mehr auch Migranten, stehen täglich in der Schlange, warten geduldig, bis ihre Nummer an der Reihe ist. „Montags ist das Angebot noch relativ gut, doch es nimmt mit jedem Tag ab“, sagt die Vereinsvorsitzende und deutet auf Kisten, die halbleer sind, obwohl noch niemand eingekauft hat. „Wir sind notgedrungen dazu übergangen, dass Alleinstehende nur einmal bis zweimal die Woche hier einkaufen können und alle anderen entsprechend der zum Haushalt gehörenden Personen. Seit Anfang des Jahres bevorzugen wir Eltern mit Kindern ab vier Jahren und aufwärts. Uns geht es vor allem um den Nachwuchs, damit der versorgt werden kann. “

Mit jedem Tag der Woche wird das Angebot übersichtlicher. Ein Grund: „Als wir im Oktober 2008 als Tafel öffneten, versorgten wir 160 Bedarfsgemeinschaften mit rund 290 Bedürftigen. Heute sind es 330 Bedarfsgemeinschaften mit 683 Personen, darunter 134 Kinder und 98 Rentner“, listet die Vereinsvorsitzende auf. Die Zahl der Familien mit Kindern, die der Rentner, alleinerziehenden Mütter und Väter hat deutlich zugenommen. „Und wird weiter steigen“, ist sich Marlies Müller sicher, denn die Dunkelziffer sei hoch. „Es gibt immer noch ganz viele Menschen, die sich scheuen, das Angebot der Tafel in Anspruch zu nehmen, obwohl sie dazu berechtigt sind.“ Dazu zählen auch die sogenannten Aufstocker. Trotz Arbeit reicht das Geld nicht zum Leben.

Asylbewerber, die bei der Tafel einkaufen, vor Jahren noch die Ausnahme, heute Alltag. „Hier in Perleberg sind es allein 52 Bedarfsgemeinschaften mit 120 Personen, darunter 46 Kinder. „Wir sind für jeden offen, einzige Voraussetzung ist der Nachweis der Bedürftigkeit“, erläutert Marlies Müller. Unterschiede werden nicht gemacht.

„Wer Hilfe braucht, bekommt sie.“ Doch verteilt werden kann nur, was da ist. „Nicht alle Discounter sind uns so zugetan, wie Penny. Seit vielen Jahren ist das ein verlässlicher Partner für uns.“ Und seit Sommer auch Aldi. „Es ist nicht viel, was wir von hier bekommen, aber in einer top Qualität. Da muss nicht sortiert und geputzt werden, das kann man direkt ins Regal räumen. Es hängt eben viel davon ab, wie sozial die Verkaufsstellenleiter eingestellt sind“, weiß Marlies Müller. Bauen kann sie seit vielen Jahren auch auf die Bäckerei Eichler. „Das ist ein Miteinander, wie man es sich wünscht“. Und seit sie in Perleberg vertreten ist, ist auch die Deichbäckerei eine verlässliche Größe für die Tafel. Ebenso wie Vion und der Rinderschlachtbetrieb.

Um von Montag bis Freitag den Discounter für den kleinen Geldbeutel zu bestücken, fährt die Tafel oftmals viele Kilometer. Heute geht es zur Tafel in die Hauptstadt. Drei Paletten Cornflakes werden geholt, „und wenn noch Platz ist, packen die Berliner gewiss noch was anderes mit ins Auto. Wir holen Waren zudem aus Hamburg, Zarrentin, Bernau. Wenn wir angerufen werden, machen wir uns auf den Weg. In der Woche kommen da gut 400 Kilometer zusammen“, so die Vereinschefin. Was in Perleberg ankommt, wird auch auf die Tafeln des Sozialen Aktionsbündnisses (SAB) aufgeteilt bzw. man tauscht untereinander.


 

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