Kaum Empfang in reetz : Reetz bleibt im Funkloch sitzen

Auf Empfangssuche: Der  Reetzer Tankstellenbetreiber Norbert Beckmann  muss auf seinem Grundstück in die hinterste Ecke, um überhaupt einen schwachen Empfang zu bekommen.
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Auf Empfangssuche: Der Reetzer Tankstellenbetreiber Norbert Beckmann muss auf seinem Grundstück in die hinterste Ecke, um überhaupt einen schwachen Empfang zu bekommen.

Von vernünftiger Mobilfunkversorgung kann weiter keine Rede sein. Auch in naher Zukunft ist kein Ausbau des Vodafone-Netzes in dem Bereich geplant.

svz.de von
17. Juli 2014, 08:00 Uhr

„Ich zahle seit Jahren fleißig meinen Nichtnutzerbeitrag“, übt sich Norbert Beckmann in Galgenhumor. Dem Reetzer Tankstellenbetreiber reicht es mittlerweile. „Es hat sich immer noch nichts getan. Eine Mobilfunkversorgung muss flächendeckend sein. Ein Vierteljahrhundert nach der Wende und das im Zeitalter der Technik, das kann ja wohl nicht wahr sein, dass wir hier immer noch keinen oder sehr schlechten Empfang haben“, ist Norbert Beckmann ziemlich sauer.

Er muss auf seinem Grundstück in die äußerste Ecke an einen Container gehen, um Empfang zu haben. „Ich muss mein Handy hin und her schwenken, suche nach dem Motto ,Peilsender’“, führt Norbert Beckmann beispielhaft vor und freut sich eher ironisch, als er gegenüber unserer Redaktion verkündet: „Oh, ich habe zwei Balken.“ Ein Zustand, den er seit Jahren hinnimmt, „in der Hoffnung, dass sich etwas verbessert“.

Rückblende: Bereits im Herbst 2009 wandte sich Norbert Beckmann an den „Prignitzer“, machte auf das Problem aufmerksam, dass die Mobilfunkversorgung des D2-Netzes in Reetz nicht funktioniert. Aber nicht nur dort, auch in den umliegenden Dörfern Baek, Blüthen, Wüsten Vahrnow, Wolfshagen sitzen Anwohner in Funklöchern.

Vor knapp fünf Jahren sammelte er eine Unterschriftenliste mit 360 Namen und überreichte sie dem damaligen Vodafone-Konzernsprecher Dirk Ebrecht, der persönlich damals vor Ort war. „Wir wollen ja gar nicht wechseln, da das D1-Netz auch keine Alternative ist.“ Und auch heute noch nicht ist. Aber Norbert Beckmann reichte es mittlerweile, er kündigte im November 2013 seinen D2-Vertrag, aus dem er zum Ende 2014 herauskommt. „Ich habe lange genug gewartet und auch immer versucht, beim Kundenservice jemanden zu erreichen – ohne Erfolg.“

Er habe ja Verständnis dafür, dass man nicht für zehn Hanseln einen eigenen Sendemast aufstellen kann, aber hier rede man ja von Hunderten Nutzern. Damals gab es von Ebrecht die Aussage, dass man alle sich bietenden Möglichkeiten einschließlich Festnetz bzw. Mitnutzung anderer Anlagen, Richtfunk und dergleichen unter die Lupe nehmen wolle, „möglicherweise auch eine kleine Lösung findet, um vernünftig zu versorgen. Und ich spreche da nicht von 2015.“


Kapazitäten geben Neu-Ausbau nicht her


Mittlerweile schreiben wir Mitte 2014, und es hat sich immer noch nichts getan. Und in naher Zukunft wird sich auch nichts tun. „Zumindest bis Ende des Jahres ist in dem Bereich nichts geplant. Wir befinden uns derzeit deutschlandweit in der größten Netzmodernisierung des Bestandes, da ist ein Neu-Ausbau von den Kapazitäten her nicht möglich. Aber komplett ausschließen möchte ich das nicht. Wir bleiben an dem Thema dran“, äußerste sich Konzernsprecher Bernd Hoffmann, Leiter Produkt- und Regionalpresse. „Eine zu 100 Prozent flächendenkende Versorgung ist nicht möglich, man fährt ja selbst auf Autobahnen in Funklöcher, oder in Häuserschluchten der Großstädte hat man keinen Empfang.“ Und wie überall spiele auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle.


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