Bergbaufläche in Groß Buchholz : Recyclinganlage statt Natur pur

Blick in die Kiesgrube.
Blick in die Kiesgrube.

Groß Buchholzer plädieren für Rekultivierung ehemaliger Bergbaufläche statt der Umwandlung in ein Gewerbegebiet

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03. Juni 2016, 05:00 Uhr

Unweit von Groß Buchholz wird Kies abgebaut. Ursprünglich Mitten im Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Osergebiet bei Perleberg einschließlich Golmer Berg“. Rohstoffsicherung hat Vorrang, sagte die Regionale Planungsgemeinschaft Prignitz/Oberhavel damals. So wurde besagter Bereich 2012 aus dem LSG herausgenommen, liegt seither eingebettet in Mitten des genannten Landschaftsschutzgebietes sowie des LSG „Agrarlandschaft Prignitz-Stepenitz“, Bereich Stepenitz/Schlatbach, berichtet Nadja Schwark. Sie ist Ortsvorsteherin in Groß Buchholz und spricht an, welche Probleme die knapp 130 Groß Buchholzer jetzt aber auf sich zurollen sehen. Denn die Stadt beabsichtigt, den Flächennutzungsplan zu ändern. Warum?

Ein zur Straße gelegener Teil der Kiesgrube Groß Buchholz ist abgebaut und soll aus der Bergaufsicht entlassen werden. Auf besagter Fläche von zirka 17 000 Quadratmetern soll dann eine neue Recyclinganlage gebaut, die alte, bestehende in der Kiesgrube demontiert werden. Zudem sei die Rede von Büros, Waage und Lagerflächen, so die Ortsvorsteherin.

Glücklich mit der Kiesgrube waren sie eigentlich nie, „doch sie war da und die Zeit ihres Bestehens schon absehbar“, setzt Nadja Schwark den Gedanken fort. 2010 war in einer Bürgerversammlung schon die Rede von einem Erholungsgebiet mit Badesee, das hier entstehen soll. Insofern habe man sich mit der Situation arrangiert, zumal der neue Besitzer hier auch wie gefordert abschnittsweise abgebaut und sofort wieder rekultiviert habe. „Da gibt es wirklich nichts zu meckern“, betont die Groß Buchholzerin.

Im Ergebnis sollte vorzugsweise die Wiederherstellung der ursprünglichen Nutzung angestrebt werden, so formulierte es die Planungsgemeinschaft damals.

„Sicher ist es kein gesetzlicher Anspruch, dass hier wieder ein Wald wachsen muss“, führt Nadja Schwark den Gedanken fort. Doch aus dem Bergbau werden die 1,7 Hektar entlassen und zum Gewerbegebiet erklärt. „Damit dürfte von Rekultivierung dann keine Rede mehr, die Chance verwirkt sein, nach Ende des Kiessandabbaus wieder ein großes, zusammenhängendes Gebiet entstehen zu lassen, das für die Natur und den Menschen von unschätzbarem Wert wäre“, wie Joachim Jahrow, Ortswehrführer von Groß Buchholz, sagt. Er, wie auch die anderen Dorfbewohner befürchten, dass mit einem Gewerbegebiet hier Tatsachen auf Dauer geschaffen werden und so „nach der Beendigung des Kiesabbaus die geforderte vollständige Rekultivierung dieses ehemals im LSG gelegenen Gebietes unmöglich würde“, wie es Joachim Jahrow formuliert. Der Golmer Berg, einst 81 Meter hoch, sei schon dem Kiesabbau geopfert worden. Der See mit der entsprechenden Aufforstung könnte dafür den Ausgleich bringen, wenn nicht statt dessen ein Gewerbegebiet entstehe.

Und auch darauf machen 83 Groß Buchholzer mit ihren Unterschriften aufmerksam: In der neuen Recyclinganlage würden tagebaufremde Materialien verarbeitet: Noch mehr Lärm und Staub, so ihre Befürchtungen. Und nur noch ein Acker trenne dann das Dorf von der neuen Anlage, gab Joachim Jahrow bereits in der Stadtverordnetenversammlung im April zu bedenken.

In einer entsprechenden Stellungnahme haben die Groß Buchholzer nun im Rahmen der öffentlichen Auslegung ihre Bedenken angemeldet und die Frage gestellt, ob das Vorhaben wirklich „erforderlich und unabwendbar ist“, bringt es Joachim Jahrow auf den Punkt.  

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