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Der Prignitzer

20. November 2017 | 01:35 Uhr

Rechtsextreme Gefahr aus dem Internet

vom

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2013 | 10:18 Uhr

Potsdam | Die professionelle Internetnutzung wird für märkische Rechtsextremisten immer wichtiger. "Hier koordinieren sie ihre Aktionen, vernetzen sich großflächig untereinander, verdienen Geld mit Online-Shops und können großflächig Propaganda machen, ohne dass es große Ressourcen bindet", sagte Sabine Wolf vom Verfassungsschutz gestern in Potsdam.

Der Verfassungsschutz beobachte im Land aktuell 80 Internetseiten mit neonazistischem Hintergrund. 40 weitere würden in losen Abständen immer wieder angeschaut. "Deutschlandweit gibt es schätzungsweise bis zu 60 000 Rechtsextremisten", erklärte Kai Brinckmeier. In Brandenburg sind rund 1150. Er hat sich lange Jahre wissenschaftlich mit rechtsextremistischen Auswüchsen im World Wide Web auseinandergesetzt. "Neonazis verfügen über keine großen Ressourcen und sind stets auf der Suche nach neuen Unterstützern und Sympathisanten", sagte Brinkmeier. "Junge Leute trifft man im Netz und man spricht sie mit der ästhetischen Sprache an, die sie verstehen und attraktiv finden", ergänzte Verfassungsschützerin Wolf.

"Augen auf", meint auch Anna Groß von der Amadeu-Antonio-Stiftung. "Das Internet ist Abbild der Wirklichkeit. Es ist aber um ein Vielfaches schärfer", erklärte sie. Vor allem in sozialen Netzwerken seien Neonazis unterwegs, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. "Aber Postings oder Gefällt-mir -Angaben zeigen oftmals den braunen Hintergrund." Solche Profile können aber Facebook gemeldet werden. Oftmals folge die Lösung, so Groß.

In Brandenburg habe sich auf diesem Gebiet vor allem der 2012 verbotene "Widerstand Südbrandenburg" hervorgetan. Die sogenannten "Spreelichter", die hinter nächtlichen Fakelmärschen als "Unsterbliche" stehen sollen, würden auf Emotionen setzen. "Die rechtsextremistische Gesinnung wird in martialischen Videos, die online gestellt wurden, gar nicht deutlich", sagte Sabine Wolf. Die Bilder vom Fackelmarsch im sächsischen Bautzen würden aber unter die Haut gehen, weil sie absolut professionell gedreht und vertont wurden. "Und so etwas ist gefährlich, weil es eine Erlebniswelt Rechtsextremismus suggeriert", meinte sie. In diese Kategorie passe auch die Verzahnung von Neonazis mit der Kampfsportszene.

Verfassungsschützerin Wolf glaubt, dass sich Jugendliche hiervon angezogen fühlen. "Was wir als Verfassungsschutz machen können, ist, so viel wie möglich von diesen Dingen offenzulegen, zu entmystifizieren." Wenn man sich das Fackelmarsch-Video anschaue, "dann sieht das nach wahnsinnig vielen Leuten aus, die einer Ideologie folgen". Aber das sei mitnichten so.

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