Raupen machen das Leben zur Hölle

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Quaddeln und Ausschlag am Hals sowie am ganzen Körper: Katrin Gottschalk leidet unter den Allergie auslösenden Härchen der Raupen.privat (2)

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15. Juni 2012, 07:18 Uhr

Lanz | Mit der Idylle im Hopfenweg am nordwestlichen Ortsrand von Lanz ist es vorbei. Grund ist eine kleine Raupe - der Eichenprozessionsspinner. Millionen von ihnen haben die Bäume befallen, fressen sie kahl und ihre giftigen Härchen wirbelt der Wind umher. Betroffen davon sind Ralf Scholz und Lebensgefährtin Rosita Schwarz sowie ihre Nachbarn.

Der Eichenprozessionsspinner mache ihnen das Leben zur Hölle, mache sie krank, sagt das Paar. Besonders schlimm traf es die Anwohner des Hopfenweges vor einer Woche, als der stürmische Wind die bereits fast kahl gefressenen Eichen auf der anderen Straßenseite kräftig durchschüttelte. "Da kam ein regelrechter Raupenregen runter", sagt Ralf Scholz.

Millionenfach lagen die Tierchen auf seinem Grundstück verstreut. Zentimeterhoch. Mit einem Industriesauger versuchte er, den Teppich so gut wie möglich zu entsorgen. "Was soll ich machen? Wir stehen hier unter Dauerbeschuss, können doch aber nicht den ganzen Tag in einem Schutzanzug rumlaufen. Draußen sitzen, ist auch nicht mehr drin", sagt Scholz wütend.

Die Folgen der giftigen und Allergie auslösenden Härchen bekam auch Nachbarin Katrin Gottschalk zu spüren. "Ich habe Ausschlag am ganzen Körper", sagt sie und deutet auf die äußerst heftig juckenden Quaddeln an Hals und Armen. "Das ist hier nicht mehr auszuhalten", schimpft sie während eines erneuten Hustenanfall: "Das kommt auch von den herumfliegenden Härchen."

Seit Wochen führen Ralf Scholz und Rosita Schwarz einen nervenaufreibenden Kleinkrieg, telefonieren mit den Behörden. Amtsverwaltung, Gesundheitsamt des Landkreises, Ministerium für Umwelt- und Gesundheitsschutz sind informiert. Doch nichts passiere. "Das ist eine Frechheit. Bisher war noch niemand außer Bürgermeister Hans Borchert hier gewesen, um sich persönlich ein Bild von unserer Situation zu machen. Die trauen sich nicht, haben wohl Angst, dass sie selbst befallen werden", mutmaßt Scholz.

Keiner fühle sich verantwortlich. Tröstende Worte gebe es, aber keine Hilfe. "Die Arroganz der Behörden schreit zum Himmel. Dabei leben wir hier in einer kontaminierten Zone." Einmal in Fahrt gekommen, wettert der ansonsten ausgeglichen wirkende 54-Jährige mit Verweis auf den vor seinem Grundstück verlaufenden Reitwanderweg Neustadt (Dosse) - Redefin weiter: "Hier wird nicht mal auf Schildern vor dem Befall und die Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner hingewiesen."

Beide Familien haben einen Anwalt eingeschaltet und argumentieren, "hier ist Gefahr in Verzug". Ihre Lebensqualität ist nicht nur eingeschränkt, "sie ist völlig weg". Es könne nicht sein, dass das Überleben von Würmern und Kröten höher bewertet werde, als die Gesundheit des Menschen, schüttelt Ralf Scholz verzweifelt den Kopf. Unterstützung bekommen sie von anderen Einwohnern. Mehr als 100 Lanzer Bürger fordern in einer Unterschriftenliste sofortige Maßnahmen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.

Unterdessen hat gestern der Landesbetrieb Straßenwesen erklärt, warum er nur in den Ortslagen Wentdorf, Cumlosen, Lenzersilge und Lanz bekämpfte: "Weder zeitlich noch wirtschaftlich können wir flächendeckend an den Straßen sprühen", erklärt Sachgebietsleiter Guido Dobler. Dass ein starker Befall droht, sei absehbar gewesen. Zum Schutz der Bürger habe man sich auf die Ortslagen konzentriert. Dass sich der Schädling außerhalb vermehren kann, sei ihnen bewusst, so Dobler.

Aktuell finden Baumschauen statt. Gegebenenfalls würden die Raupen von Bäumen abgesaugt. "Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen". Somit geht das Fressen weiter.

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