Abfall in Wittenberge : Rauer Ton am Schadstoffmobil

Batterien sindSondermüll und gehören nicht in den Hausmüll, genau wie Farbreste und Medikamente.
Batterien sindSondermüll und gehören nicht in den Hausmüll, genau wie Farbreste und Medikamente.

Diskussionen über haushaltsübliche Mengen und barsche Hinweise, was in den Restmüll gehört

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13. April 2015, 22:00 Uhr

Ein rauer Ton herrschte bei der Schadstoffannahme am Sonnabend in Wittenberge. Für manchen umweltbewussten Bürger wurde die Abgabe seines Sondermülls zu einer echten Hürde. Das Schadstoffmobil machte in Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge Station.

Gut 20 Prignitzer warteten um 11 Uhr bereits auf das Schadstoffmobil, welches kurz darauf vorfuhr. Manche hatten Flaschen und Kanister, andere Farbeimer dabei. Zwei Bürger hatten eine etwas größere Menge, sie kamen mit einem Pkw-Anhänger. Damit erregten sie sofort den Unmut der Mitarbeiter des Unternehmens Fehr Umwelt Ost GmbH, welches für die Entsorgung im Auftrag des Landkreises zuständig ist.

Das seien keine haushaltsüblichen Mengen, lautete der Kommentar. Die Info gab es aber weder sachlich noch erklärend. Sie wurde regelrecht über den Platz gebrüllt. Es begann ein Feilschen über die Anzahl der akzeptablen Eimer. Auch der Hinweis des Bürgers, er hätte für seine Nachbarn aus dem Dorf Farbreste mitgenommen, zählte nicht als Argument. Der Platz auf dem Schadstoffmobil sei begrenzt, basta. In drei Monaten könne der Bürger den Rest vorbei bringen. Der Kreis formuliert es so: „Abgegeben werden kann also, was üblicherweise im Laufe eines Jahres in einem durchschnittlichen Haushalt an gefährlichen Abfällen übrig bleibt.“

Das war nicht die einzige Erkenntnis an diesem Vormittag. Beispielsweise, dass leere Farbeimer und leere Flaschen schadstofffrei seien. Deshalb gehören sie in den Hausmüll, folgte eine weitere Erklärung im Kommandoton. Und als der Fehr-Mitarbeiter gar noch eine Flasche mit einem Grünen Punkt entdeckte, gab es einen Kommentar der sinngemäß ausdrückte: Zu blöd, den Grünen Punkt zu sehen.

Irritierte Blicke und Gemurmel unter den Bürgern, die diese Entsorgung mit ihrer Müllgebühr finanzieren. Manche scherzten und wünschten ihrem Nachbarn viel Glück bei der Abgabe seiner Farbeimer. Andere waren wütend und meinten: Das hat man jetzt davon, wenn man es nicht in die Mülltonne wirft.

Der Landkreis wird sich heute äußern, da der zuständige Mitarbeiter gestern nicht im Dienst war.

Kommentar

Der Bürger ist kein Bittsteller

von Hanno Taufenbach

„Damit unsere Prignitz sauber bleibt!“ Mit diesem Slogan wirbt der Landkreis und bittet die Bürger, ihren Müll korrekt zu entsorgen. Das große Interesse am Schadstoffmobil zeigt, dass die Bürger diese Botschaft verstanden haben. Nicht zu verstehen und inakzeptabel ist, wie sie von den Mitarbeitern behandelt werden.

Drei, neun oder zwölf Farbeimer? Wie soll eine haushaltsübliche Menge  definiert werden? Ist es die Einraumwohnung oder das große Haus mit Keller und Obergeschoss? Darf ich von meinem Nachbarn drei Farbdosen mitnehmen oder mache ich mich sofort der gewerbsmäßigen Entsorgung verdächtig? Dass es nicht genügend Platz auf dem Spezialfahrzeug gibt, taugt jedenfalls nicht als Argument, um eine Teilmenge abzulehnen. Der raue und herablassende Ton der Mitarbeiter ist völlig fehl am Platz. Ihr Unternehmen ist Dienstleister und sollte sich auch so verhalten. Und der Landkreis als Auftraggeber sollte seinen Vertragspartner daran erinnern. Der Bürger kommt nicht als Bittsteller, sondern als Gebührenzahler. Wenn er auf dem Rückweg frustriert  die restlichen Farbeimer im Wald entsorgt, ist niemandem geholfen.

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