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Wittenberger Haus feiert 100. Geburtstag : Rathaus-Zwilling nicht gefunden

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Gebäude in Dessau und Falkenstein haben aber eine gewisse Ähnlichkeit mit Wittenberger Stadthaus.

In Dessau, Falkenstein im Vogtland und auch im polnischen Olszyn (früher Allenstein) stehen attraktive Rathäuser. Zwillinge des Wittenberger Stadthauses sind es aber nicht.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Wittenberger Rathaus habe Bauzwillinge in anderen Städten. Was ist ’dran? Der „Prignitzer“ unternahm den Versuch einer Klärung, fußend auf zwei Artikel, 1989 und 1990 in den Heften 5 und 7 der „Prignitzer Heimat“ erschienen. 1989 feierte das Wittenberger Rathaus Geburtstag: seinen 75. In diesem Jahr wird es 100 Jahre alt. Ein junges Haus, gemessen an den altehrwürdigen Bauten in der Umgebung. Man denke nur an das Lenzener oder das Perleberger, die seit mehreren Jahrhunderten städtischen Stolz verkörpern.

Die Wittenberger bauten ihr damals neues Rathaus innerhalb von zwei Jahren. Am 26. Juni 1914 weihten Honoratioren und Bürger den Neubau ein.

Als Unbestritten gilt, dass vom damalige Stadtbaurat Friede Everhard Bruns die Ideen und Entwürfe für das sehr repräsentative Stadthaus stammen. Der Architekt Heinrich Mußfeldt, damals 30jährig, soll dann die Feinausführung vorgenommen haben. Als Mußfeldt 1958 in Schwerin starb, haben seine Erben der Stadt Wittenberge aus dem Architektennachlass ein Bild übergeben. Es zeigt das Rathaus. Mußfeldt soll es selbst gezeichnet haben, so geht es aus einer Aufschrift auf der Bildrückseite hervor, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Christiane Schomaker. Das Bild hängt im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass der Architekt oder gar selbst Bruns, der sich um die städtebauliche Entwicklung Wittenberges sehr verdient machte, die Pläne doppelt verwerteten oder „nachnutzten“, was woanders schon gebaut wurde. Vielmehr ist es wohl dem Zeitgeist und -geschmack geschuldet, dass sich Rathäuser, die etwa zur gleichen Zeit errichtet wurden, im gewissen Maße ähneln. So sehen es auch Sven Hertel und Sören Voigt. Die beiden Herren arbeiten in den Stadtverwaltungen von Dessau-Rosslau bzw. Falkenstein im Vogtland. In Dessau wie in Falkenstein stehen Rathäuser, die deren Altvorderen zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichten ließen. Von diesen beiden Rathäusern war in den Heften 5 und 7 der „Prignitzer Heimat“ die Rede. Es hieß, sie seien dem Wittenberger Bau sehr ähnlich. Dank des Entgegenkommens in beiden Städten kann der „Prignitzer“ an dieser Stelle auch per Bild den Beweis antreten, dass in Dessau wie in Falkenstein wirklich attraktive Rathäuser stehen. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem hiesigen Gebäude lassen sich erkennen. Zwillinge sind die Häuser aber keinesfalls, eher optisch gesehen Verwandte.

Ein Haus, das eine gewisse architektonische Ähnlichkeit mit dem Rathaus nicht leugnen kann, findet sich übrigens in Wittenberge selbst. In der Lenzener Straße kurz vor der Einmündung in den Gehrenweg steht das Wohnhaus, das Bruns für sich und seine Familie errichtete. Der Bau hat einen angedeuteten Turm, gekrönt von einer Pickelhaube, wie sie auch der Rathausturm trägt. Das Bruns-Haus ist seit Jahren unbewohnt, verfällt von Jahr zu Jahr mehr.


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erstellt am 07.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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