zur Navigation springen

Polizeiirrtum? : Rätselhaftes an der Ampelkreuzung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Günter Pangowski sagt auch zwei Jahren nach einer Kontrolle noch: Ich bin nicht bei Rot gefahren.

Als Günter Pangowski dieser Tage Monteure an der Ampelanlage arbeiten sieht, steigt der Ärger wieder in ihm hoch, gepaart mit einem Gefühl der Ohnmacht. Er fühle sich falsch behandelt, sagt der Wittenberger. Eigentlich habe er den Vorfall vom 12. März 2012 längst ad acta legen wollen, „weil ich ja so wieso nichts mehr machen kann“. Aber dann gibt es eben Moment wie den beschriebenen und der Senior ärgert sich erneut und beschließt, sich zu wehren.

Was ist an jenem 12. März vor fast zwei Jahren geschehen?


Ampel schaltet zeitversetzt: Polizei sagt Nein


Pangowski erzählt: „Ich war mit dem Rad unterwegs, fuhr an die Kreuzung Perleberger Straße/Krausestraße ’ran. Unmittelbar vor der Ampel schaltete sie auf Gelb. Hätte ich gebremst, wäre ich wohl über den Lenker geflogen. Also habe ich in die Pedalen getreten.“ Kaum war die andere Seite der Kreuzung erreicht, stoppten ihn zwei Polizisten. Pangowski sagt, er erinnert sich noch genau an ihre Worte. Sie hätten gesagt: „Sie sind voll bei Rot gefahren.“ Pangowski widerspricht, erzählt, wie es aus seiner Sicht gewesen sein. Als die Polizisten ihm nicht glauben, geht er zur Wache, schildert dort noch einmal den Vorfall aus seiner Sicht. „Ich hatte keine Chance, das wurde mir immer wieder mehr oder minder unverblümt gesagt. Ich stand als betagter Bürger mit meiner Aussage ja nicht nur zwei Zeugen gegenüber, die etwas anderes sagten. Diese zwei Zeugen waren auch noch Polizisten.“

Pangowski ist aber noch heute davon überzeugt, dass er nicht bei Rot in die Kreuzung ’rein gefahren ist. Aus dieser Überzeugung heraus hat er dann auch gegen die 45 Euro Bußgeld, die er für sein von den beiden Polizisten bezeugtes Verhalten bezahlen sollte, Einspruch erhoben, der abgelehnt wurde.

Der Ampelfall landete schließlich in Perleberg vor dem Richter. Pangowski erzählt, dass er zu jener Zeit schwer erkrankt war. Als der Richter signalisiert hätte, es wäre besser, wenn das Verfahren ohne Richterspruch enden würde, „habe ich zugestimmt“, erinnert sich Günter Pangowski. Die 68,50 Euro und den einen Punkt in Flensburg, die damit auf ihn zukamen, kann er verschmerzen. „Mich ärgert aber nach wie vor die Aussage, dass ich bei Rot über die Ampel gefahren sein soll. Es stimmt nicht.“

Aber auch die beiden Polizisten seien sich ihrer Sache sehr sicher, das ist Pangowski mehrfach gesagt worden.

Ein Rätsel? Ein Irrtum?

Nichts von allem muss sein. Die Lösung des Problems könnte in der Signalanlage selbst liegen. Sie schaltet zeitversetzt. Was das bedeutet, erklärt Uwe Karger vom städtischen Ordnungsamt. Die Grünphasen sind unterschiedlich lang. Während also die Verkehrsteilnehmer aus Richtung Stadt schon das rote Ampellicht sehen, haben die in die Stadt Fahrenden noch Grün. Zur Erinnerung: Die Polizisten standen auf der Stadtseite. Pangowski wollte Richtung Stadt. Er hätte also länger Grün haben müssen.

So könnte es gewesen sein. Könnte. Denn die beiden Polizeibeamten sollen in der Gerichtsverhandlung übereinstimmend angegeben haben, dass sie die Schaltphasen der Ampelanlage vor ihrer Verkehrkontrolle überprüft hätten. Sie sagten aus, die Ampel sei gleichgeschaltet gewesen.

Nicht geklärt ist bis heute, wie es an jenem 12. März 2012 zu der von den Polizisten angegebenen Gleichschaltung gekommen sein könnte. Denn die Signalanlage ist seit Inbetriebnahme Ende der 90er Jahre mit Zeitverlängerung für die Grünphase – je nach Verkehrsaufkommen zwischen vier und neun Sekunden – programmiert, so das Ordnungsamt. Dazu habe er sich, so Pangowski, nach der Gerichtsverhandlung noch einmal informiert.

„Ich hoffte, dass das Problem noch einmal aufgerollt wird und habe deshalb am 12. April 2013 eine Dienstaufsichtsbeschwerde an die Polizeidirektion Nord gerichtet“, sagt Pangowski. Er schlussfolgert, dass die „Beamten ganz offensichtlich die Schaltphasen der Ampelanlage nicht oder nicht ausreichend kontrolliert haben“.

Wie in der Dienstaufsichtsbeschwerde von Pangowski gefordert, konnte er sich zu einem persönlichen Gespräch mit dem Leiter der Polizeiinspektion Prignitz, Peter Schröder, treffen. Pangowski sagt, das Gespräch habe nichts geändert. Der Chef der Prignitzer Polizei hätte ihm mitgeteilt, die Beamten haben ihre Aussage vor Gericht gemacht. Der „Prignitzer“ bat Schröder um eine Auskunft zu dem Vorfall. Katy Kallweit vom Führungsdienst der Polizeiinspektion teilte darauf hin in Schröders Auftrag mit: „Dazu gibt es eine richterliche Entscheidung des AG (Amtsgericht – d. Red.) Perleberg. Wir äußern uns nicht dazu.“



zur Startseite

von
erstellt am 29.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen