Schafe vor Verdursten gerettet : Radfahrer verhindert Tragödie

Kein Wasser bei tropischen Temperaturen. Das Tier hat aber überlebt.
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Kein Wasser bei tropischen Temperaturen. Das Tier hat aber überlebt.

Rainer Sander trifft eine verdurstende Schafherde und organisiert Hilfe. Der Landkreis hat den Halter ermittelt und ein Verfahren eingeleitet.

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07. Juli 2015, 21:00 Uhr

Kein Schatten, keine Wolke. Erbarmungslos brennt die Sonne den ganzen Tag. Das Thermometer klettert auf weit jenseits der 30-Grad-Marke. Zwischen Lenzen und Gandow ist eine gemischte Schaf- und Ziegenherde diesem Wetterextrem am Elbdeich ausgesetzt. Als Rainer Sander am vergangenen Freitagabend auf dem Fahrrad die Herde erreicht, bietet sich ihm ein Bild des Schreckens: „Einige Tiere haben bemitleidenswert laut geblökt, einige taumelten oder lagen nur noch minimal atmend auf dem Boden. Sie konnten nicht mal mehr den Kopf heben“, schildert er die Szenerie.

Mit Entspannung am Feierabend war es für Sander jedenfalls vorbei. „Was macht man in so einer Situation? Wen soll man anrufen?“, fragte er sich. Unwillkürlich musste er auf seine eigene Trinkflasche blicken. Ihm war klar, dass dieser eine Liter keine 200 bis 300 Tiere vor dem sicheren Tod retten würde. In den vor Ort befindlichen acht jeweils 80 Liter fassenden Behältern war kein Tropfen mehr. Die Sonne hatte den letzten Rest verdunsten lassen.

„Um 19.37 Uhr rief ich auf der Polizeiwache in Wittenberge an, fuhr danach mit dem Rad nach Hause und füllte sämtliche großen Behälter mit Wasser.“ Er lud sie ins Auto, kehrte an den Deich zurück. „Ich wollte zumindest so etwas wie Erste Hilfe leisten.“Aber die Menge reichte nicht. Kaum war das Wasser eingefüllt, war es auch schon ausgetrunken. Die Uhr zeigte 20.30 Uhr und noch immer erblickte Rainer Sander keine Unterstützung. Die Kavallerie wollte einfach nicht kommen. „Das Wehklagen der Tiere ging mir durch Mark und Bein. Ich musste eine andere Lösung finden.“

Wieder griff er zum Telefon, wählte die Notrufnummer – doch dieses Mal bei der Feuerwehr. „Der Kamerad in der Leitstelle war sehr freundlich und verständnisvoll“, sagt Sander. Er versprach Hilfe. Wenige Minuten später kam die freiwillige Feuerwehr aus Lenzen. Die Kameraden erkannten sofort die Situation, füllten umgehend die leeren Gefäße. Die Tiere spürten die Rettung, verloren ihre Scheu und fingen an zu trinken. Sander spricht von einem unbeschreiblich schönen Gefühl, welches sich in ihm ausbreitete. Erst recht, weil sich auch Mutterschafe mit ihren Jungtieren in der Herde befanden.

„An dieser Stelle danke ich ganz herzlich den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lenzen für ihre schnelle Hilfe.“ Zugleich appelliert Rainer Sander an Tierhalter: „Kümmern Sie sich um Ihre oder die Ihnen anvertrauten Tiere. So ein Verhalten ist unverzeihlich und muss mit allen dafür rechtlich vorgesehenen Konsequenzen geahndet werden.“

Landkreis ermittelt den Halter

„Wir haben leider erst am Sonnabendnachmittag von dem Fall erfahren“, sagte gestern Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer. Rainer Sander hatte sie informiert. „Eigentlich informiert uns die Polizei, sobald sie von so einem Fall erfährt“, sagt Kramer und dankt Sander für sein umsichtiges Handeln und der Feuerwehr für ihre Hilfe.

„Mittlerweile haben wir den Halter ermittelt und ein Verfahren eingeleitet“, sagt Dr. Kramer. Bei dieser extremen Witterung seien Tierhalter in der Pflicht, für ausreichend Wasser zu sorgen. Auch ein schattiger Bereich sollte möglichst vorhanden sein. Es genüge nicht, nur einmal am Tag nach den Tieren zu schauen. Diesen Vorwurf erhebe sie gegen den ermittelten Halter. „Die Tiere trinken mehr, es verdunstet mehr, also muss mehr Wasser zur Verfügung gestellt werden“, sagt sie.

Wer notleidende Tiere sieht, sollte den tierärztlichen Bereitschaftsdienst informieren oder die Leitstelle. Sie habe Kontakt zu Tierärzten.

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