Wittenberger Neubaugebiet im fokus : Quo vadis, Allende-Viertel?

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Heute haben noch 2000 Menschen in dem Gebiet ihr Zuhause. Stadt und Vermieter planen großräumige Abrisse.

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04. März 2014, 22:00 Uhr

Eine junge Frau macht sich Sorgen, sie hat ihre Wohnung im Allende-Viertel für viel Geld schick machen lassen. „Muss ich jetzt ’raus“, fragt sie in der Redaktion nach. Ein Mann ruft besorgt an: „Meine Mutter wohnt im Allende-Gebiet. Sie ist alt und will nicht mehr umziehen.“ Ein anderer Wittenberger sagt: „Ich möchte nicht, dass unser Haus abgerissen wird.“ Was wird aus dem Allende-Viertel? Diese Frage treibt Bewohner, die beiden Großvermieter Wohnungsgenossenschaft „Elbstrom“ (WGE) und Wohnungsbaugesellschaft (WGW) ebenso um wie die Kommune. Und es gibt, wie die oben zitierte Auswahl aus den Anrufen beim „Prignitzer“ in den letzten Wochen zeigt, Ängste.

Am 25. März will die Kommune gemeinsam mit WGW und WGE im Awo-Treff in der Schwimmhalle über die Zukunft des Allende-Gebietes informieren. Der „Prignitzer“ sprach bereits jetzt mit WGE und WGW.

Noch haben 2000 Wittenberger ihr Zuhause im Allende-Viertel. Das bleibt nicht so. Das Planungsbüro Stephan Kathke, Ernst Basler und Partner aus Potsdam hat seit Herbst 2013 im Auftrag der Stadt ein Teilraum-Konzept für das Viertel erarbeitet. Die Grundaussage: Die Perspektiven des Gebietes bestehen nicht im Wohnen.

Stadtplaner Stephan Kathke sprach bei der Konzeptvorstellung im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung angesichts des Bevölkerungsrückgangs in Wittenberge „von einer deutlichen Reduzierung der Wohnfunktion“ bei gleichzeitiger Aufwertung der Infrastruktur. Gemeint sind die Sporthalle und die Schule, aber auch Service- und Verkaufseinrichtungen, die bleiben. Ein neuer Markt an der Kyritzer Straße ist in Vorbereitung.

Karsten Korup als geschäftsführender WGE-Vorstand verweist auf die Frage, wie die Genossenschaft vorgeht, auf die in ihrem „Elbstrom“-Kurier 2012 gegebene Orientierung, welche Wohnhäuser abgerissen, welche bei weiterer Nachfrage mittelfristig Bestand und welche langfristig Bestand haben sollen. „Danach verfahren wir auch. Die Genossenschafter können sich langfristig orientieren. Wir unterstützen sie nach Kräften bei der Suche nach neuen Wohnungen und beim Umzug“, betont Korup. Dass von den Mietern aus den abgerissenen Häusern 99 Prozent bei der WGE blieben, also in andere Genossenschaftswohnungen zogen, wertet Korup als Zeichen, dass das Anliegen aufgeht. Er betont, dass es wirtschaftlich nicht zu verantworten sei, auf längere Sicht Häuser weiter zu betreiben, die zu 50 und mehr Prozent nicht vermietet sind.

Die WGW hat im Gegensatz zur WGE noch keine Neubauten im Allende-Viertel rückgebaut. Geschäftsführer Torsten Diehn sagt: „Wir werden nicht gegen den Willen der überwiegenden Zahl der Mieter ein Haus abbrechen.“ Die WGW gehe aber davon aus, dass sich „Wittenberge städtebaulich planmäßig entwickeln soll“. Diese Zukunft sieht seine Gesellschaft, so Diehn, in der Konzentration auf das Stadtzentrum. Zurück zum Allende-Gebiet. Diehn sagt: „Wer in Bezug auf seine Wohnung einen Planungszeitraum von fünf Jahren hat“, dem könne die WGW das Allende-Gebiet noch empfehlen, wer auf zehn Jahre plant, sollte das Neubaugebiet nicht ins Auge fassen. Die WGW will nach seinem Bekunden zum Ende dieses Jahrzehnts beim Rückbau ihrer Wohnblocks sein. Überzeugt ist der Geschäftsführer, dass derjenige, „der langfristig eine neue Wohnung haben will, woanders auch eine passende findet“. Diehn sagt, dass die WGW ihre Mieter dabei begleiten werde.


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