Ganz in Frauenhand : Pumps gegen Stiefel getauscht

pumps stiefel länderinnen landwirt reik anton
Foto:

Prignitzer Länderinnen geben Einblick in den Beruf der Landwirtin. Etwa 50 Frauen bei erstem Hofgespräch in Abbendorf dabei

von
27. April 2017, 21:00 Uhr

Ganz in Frauenhand war heute der Landwirtschaftsbetrieb Oestreich in Abbendorf. Die Prignitzer Länderinnen – eine Gruppe von zehn Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind – hatten zum ersten Hofgespräch unter dem Motto „Stiefel statt Pumps“ geladen.

Ina Oestreicher, die den Abbendorfer Traditionsbetrieb zusammen mit ihrem Mann Ulf führt, ist Mitglied der Länderinnen und gewährte den etwa 50 Gästen einen Einblick in ihre Wirtschaft. „Wir wollen Frauen aus verschiedenen Bereichen zusammen bringen und zeigen, was den Beruf ausmacht“, so Ina Oestreicher. Passend dazu gab es als Geschenk für jede Teilnehmerin ein Paar grüne Gummistiefel, die bei dem Rundgang über das Betriebsgelände gleich ausprobiert wurden.

Nachwuchs für den Beruf des Landwirts zu finden, ist schwer. Das weiß Ina Oestreicher aus eigener Erfahrung. „Dieses Jahr hatten wir keine Bewerbung auf unseren Ausbildungsplatz. Junge Frauen haben sich bei uns noch nie gemeldet“, so die Ingenieurin für Agro-Chemie. Sie kontrolliert unter anderem die verschiedenen Pflanzenkulturen in dem Betrieb und achtet darauf, dass ihnen Schädlinge nicht zusetzen. Das Zauberwort dabei ist „Precision Farming“. „Das heißt, dass wir nur so viel düngen, wie nötig. Diese Technik gibt es in jedem Fahrzeug und ermöglicht ein präzises Arbeiten“, so Ina Oestreicher.

Zu Gast war neben der Brandenburgischen Landtagspräsidentin Britta Stark auch die Jungunternehmerin Hanka Mittelstädt, die sich bei Pro Agro engagiert. Die 30-Jährige berichtete in einem Vortrag über ihre Arbeit im eigenen Familienbetrieb Ucker-Ei in Zollchow (Uckermark). „Wir haben 39 990 Legehennen in Freilandhaltung. Dazu 40 Milchkühe. Anfangs waren es mal 120, aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit haben wir das zurückgefahren“, erzählte Mittelstädt. Außerdem berichtete die Unternehmerin auch von Anfeindungen gegenüber ihrem Legebetrieb, der letztlich in einer körperlichen Attacke von Gegnern auf sie endete. „Ich wünsche mir wieder Rationalität in dieser emotionalisierten Diskussion. Wir achten sehr genau auf das Wohlergehen unserer Tiere. Alles ander wäre auch aus wirtschaftlicher Sicht unlogisch“, so Mittelstädt. Täglich kontrolliere sie die Hennen. „Wichtig ist, dass man Transparenz schafft. Unseren Betrieb kann sich jeder ansehen. Das Fernsehen war auch schon da“, so die junge Frau, die die Leitung der Wirtschaft von ihren Eltern übernommen hat.

Diese Transparenz könne auch helfen, junge Frauen und Mädchen für den Beruf der Landwirtin zu interessieren. Dass es Nachholebedarf gibt, belegte Mittelstädt damit, dass im Jahr 2013 nur sechs Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geführt wurden. Dabei sei die Perspektive in diesem Bereich gut. „Wir müssen es schaffen, dass der Beruf wegkommt von den Klischees, dass es schmutzig ist, man lange Arbeitstage hat und schlecht bezahlt wird. Vielmehr ist er gekennzeichnet durch verschiedene Betätigungsfelder wie Ökonomie, Tierhaltung, Natur, Mitarbeiterführung.“ In ihrem Betrieb beginnen die Mitarbeiter um 9 Uhr – auch, weil Mütter sich morgens noch mit um die Kinder kümmern könnten. Dass der Arbeitstag gerade im Milchviehbetrieb und im Ackerbau deutlich eher starte, schob Hanka Mittelstädt noch hinterher. Und diese Umstände sind es nach Überzeugung von Ina Oestreicher auch, die den Beruf für Frauen nicht sonderlich attraktiv machen. „Wir müssen uns nach dem Wetter richten. Und auch an Wochenenden und Feiertagen müssen wir ran. Das ist für Frauen gerade dann schwer, wenn sie Kinder haben.“ 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen