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Der Prignitzer

22. November 2017 | 19:44 Uhr

PS-Kolosse kämpfen um jeden Meter

vom

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erstellt am 22.Apr.2012 | 08:55 Uhr

Perleberg | "Mein Eicher war der Beginn von allem hier", sagt Nick Schröder und blickt in die Runde. Zu dieser späten Vormittagsstunden befinden sich wahrscheinlich schon Tausende beim Perleberger Traktortreffen auf dem Gelände am Eichhölzer Weg. Und viele Leute sind im Anmarsch. Die Männer vom DSK-Sicherheitsdienst managen das Geschehen.

Wenn Nick Schröder vom Beginn spricht, meint er seinen Trecker der Marke Eicher, den er mit viel Zeit, vor allem aber auch mit viel Liebe zum Detail zu dem gemacht hat, was er heute ist Ein voll Hingucker für alle, die die robuste Technik vergangener Jahrzehnte wertschätzen.

"Wir saßen am Stammtisch zusammen, haben darüber gesprochen, wie weit man fahren muss, um überhaupt einmal zu einem Traktortreffen zu kommen. Da hat einer von uns gefragt: Warum machst du so etwas nicht?"

Ja, warum eigentlich nicht?

Nick Schröder griff die Idee auf. Am Wochenende fand das Event, das Technikfreaks ebenso anzieht wie ganze Familien, nun schon zum 7. Mal statt. Und wieder hat es an Profil gewonnen. In diesem Jahr war es der Kampf der Giganten unter den Traktoren, der die Liebhaber von vielen PS in riesigen Traktoren mitfiebern ließ. Am Eichhölzer Weg fiel Sonntag nämlich der Startschuss für diese erste norddeutsche Landesmeisterschaft im Traktor-Pulling, auch bekannt unter dem Begriff Trecker-Treck, bei der ein Traktor einen geeichten, mit einem bestimmten Gewicht ausgestatteten Bremswagen über eine möglichst lange Strecke zieht. Bis in die Abendstunden kämpften die technisch aufgerüsteten Maschinen um jeden Meter. Der Sieger stand bei Redaktionsschluss noch nicht endgültig fest.

"Wir sind gut vorbereitet, rechnen uns Chancen aus", sagt Heiko Buneß vom Blue Devil-Team aus Berge. Er steht neben seinem blau-weiß lackierten Zugtraktor, kurz ZT genannt. Die Hinterräder überragen den Mann. Buneß klopft gegen das Gummi, lächelt und sagt: "Hier ist nicht nur Luft ’drin." Eigentlich ist das noch eine Untertreibung. Die Hinterreifen sind zu einem großen Teil mit Wasser gefüllt - wegen des Gewichtes. Große Klötze hängen vorne an der Treckerschnauze. Das Standardgewicht der Zugmaschine liegt bei 5,6 Tonnen, erfährt der Laie. Die Blue Devils vom Berger Pulling-Team rüsten ihren Traktor auf über neun Tonnen hoch. Mit diesem Kampfgewicht geht es in den Kampf der Giganten. Auf die Frage, ob der Trecker denn auch noch für die normale Feldarbeit eingesetzt wird, schüttelt Buneß den Kopf. "Keine Chance. Das sind reine Wettkampfmaschinen."

PS-Zahlen interessieren auch Manfred Reineke und Klaus Hauke aus Werben in der Altmark. Bei ihnen geht es aber nicht um Hunderte und mehr, wie sie die Pulling-Trecker haben, sondern um elf oder 22 PS, die der Traktor haben könnte, den sie sich gerade anschauen. Die Männer sind zu einem kurzen Gang über die große Ausstellungsfläche aufgebrochen. "Wir wollten mal gucken", sagen die Altmärker und steuern dann aber zurück zu ihren Wagen. Sie sind als Aussteller hier. Nicht mit Traktoren. Ihre Leidenschaft gilt einem speziellen Jeeptyp. Die Wagen sind russischer Bauart. "Es ist schwer, ’ran zu kommen", sagen die Werbener. Auch wenn die Jeeps wie Armeefahrzeuge aussehen, werden sie doch für Expeditionen genutzt. Reineke und Hauke haben ihre Wagen in Polen kaufen können und sie aufgebaut. "Wir sind damit rund um Werben unterwegs", erzählen sie von dem Fahrspaß. Die beiden Jeeps fallen auf. Schnell sind die Altmärker wieder in ein Gespräch mit Interessierten verwickelt.

Überhaupt mischen sich auf dem Gelände am Eichhölzer Weg unter das schon sehr verschiedene Tuckern der Traktoren immer wieder auch andere Töne. Denn nicht nur Trecker werden hier von ihren Besitzern vorgeführt. Junge Männer sitzen stolz auf Simson-Mopeds, rollen an aufwendig gepflegten Trabis vorbei. "Die Technikvielfalt ist gewollt", sagt Nick Schröder, ebenso wie die bunte Angebotsmischung. Das Traktortreffen sei schließlich ein Familienfest. Als solches genießt es auch Familie Krüger aus Perleberg. Der vierjährige Sohn ist wie Vater Marcel von der Technik begeistert. Aber auch die zweijährige Enya kommt auf ihre Kosten. "Hier findet wirklich jeder etwas", sagt strahlend Stephanie Krüger.

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