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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 00:10 Uhr

Protest gegen Sammelverbot

vom

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2012 | 10:22 Uhr

Prig nitz | Als überzogen und völlig unverständlich reagieren unsere Leser auf die Ankündigung des Landkreises, das Altpapiersammeln auch an Grundschulen zu verbieten (wir berichteten). Die ersten Schulen haben sich bereits dieser Anordnung gebeugt, das Sammeln mit sofortiger Wirkung beendet. Entsprechende Mitteilungen an die Eltern gab es beispielsweise an der Jahnschule in Wittenberge.

Verstehen kann das Verbot kaum jemand, auch wenn es rechtlich nicht zu beanstanden sei. "Das ist ein Skandal", meint unsere Leserin Marion Goly aus Bälow. Die Schüler seien doch nicht kriminell und das Sammeln sei doch eine gute Sache. Sie war richtig aufgeregt am Telefon und fordert vom Landkreis: Die Klassen brauchen das Geld, diese Chance sollte man ihnen geben.

"Welcher Dezernent hat das verboten oder war es der vom Volk gewählte Kreistag selbst", fragt der Wittenberger Sozialpädagoge Sven Wendelmuth auf unserer Facebookseite.

Den Kindern werde die Chance genommen, sich "mit dem leidenschaftlichen Engagement beim Sammeln von Altpapier so manche Schulfahrt, so manchen Wandertag selbst zu erarbeiten, indem sie Omas, Tanten, Bekannte und Freunde bitten, für sie mit zu sammeln", schreibt Wendelmuth weiter.

Dabei würden Politiker doch in ihren Reden genau diesen Gemeinschafts- und Familienzusammenhalt als wichtig beschreiben. "Kinder erlernen dadurch soziale Kompetenz", so der Sozialpädagoge. Sie machen die Erfahrung, selbst etwas leisten zu müssen, um etwas zu bekommen.

"Warum sollte man den Kindern auch das Recyceln beibringen bzw. nahelegen. "Unfassbar", schreibt ein anderer Leser und Ronny Löwe kommentiert: "Sind die Schüler eine so große Macht, dass sie den Kreis pleite machen?"

Knapp 30 Kommentare sind es bis jetzt. Alle Schreiber vertreten im Kern die gleiche Auffassung: Der Kreis handele überzogen. Das sieht auch der Kreistags- und Landtagsabgeordnete Thomas Domres so. Er hat als bisher einziger Abgeordneter reagiert und schreibt auf Facebook: "Das Problem ist mir seit Donnerstag bekannt. Ich war überrascht und ich finde diese Regelung falsch. Auf Ebene des Landes werden wir kaum eine Lösung finden. Das müssen wir im Landkreis lösen.

Ich werde mich in dieser Woche über die Sach- und Rechtslage informieren und dann können wir gern gemeinsam überlegen, ob und wie die Situation geändert werden kann. Ich verstehe den Frust und den Ärger über diese Regelung."

In den nächsten Tagen wolle Domres mit Landrat Hans Lange (CDU) darüber sprechen, sagte er gestern. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir für Schulen und Kitas eine Ausnahmeregelung finden", so Domres. Auch mit Becker Umweltdienste als Entsorger wolle er sprechen. "Was die Kinder an Papier sammeln, sind doch nicht die großen Massen", so Domres weiter. Hinzu komme der pädagogische Aspekt.

Uns interessiert Ihre Meinung, liebe Leser. Wie sehen Sie das? Sollte der Kreis für Grundschulen eine Sondergenehmigung erteilen oder nicht? Die erzielten Einnahmen durch den Altpapierverkauf fließen in die Kalkulation der Müllgebühr, der Kreis reicht das Geld sozusagen an alle Bürger des Kreises weiter.

Schicken Sie uns eine Mail an pri@prignitzer.de oder rufen Sie uns an: 03877 / 9290 8280. Gern können Sie auch einen Leserbrief an "Prignitzer", Wilhelmstraße 4, 19322 Wittenberge, schicken. Wir freuen uns auf Ihre Meinung zu diesem Thema.

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