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Weihnacht international : Prosit Neujahr mit einem Glas Saft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Familie Talatov erzählt von großen Familienfeiern mit reich gedeckten Tischen in Tschetschenien

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 16:44 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Tschetschenien.

Nicht viele kommen in den Genuss, Weihnachten und dazu noch einen Ableger dieses Festes – je nach Glauben oder Gegend – innerhalb einer Woche zu feiern. Das kann die Familie Talatov. Vater Ramsan, Mutter Luise und die Kinder Liana, Mansur und Ansar lebten früher in Grosny, stammen aus Tschetschenien, der im Nordkaukasus gelegenen autonomen Republik in Russland mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern. Von dort flohen sie vor etwas mehr als drei Jahren und kamen nach einem dreimonatigem Aufenthalt in Eisenhüttenstadt am 5. Dezember 2012 nach Wittenberge.

„Wir feiern erst am Ende des Jahres, vom 30. Dezember bis 1. Januar“, erzählt Mansur Talatov. Muslime begehen dann die Jahresendfeier. Aber durchaus mit Parallelen zum christlichen Weihnachtsfest. So gibt es zum Beispiel auch einen Weihnachtsbaum.

„Die Kinder schreiben ihre Wünsche auf und hängen sie an den Baum. Dann kommt der Vater und nimmt den Wunschzettel ab“, berichtet der 14-jährige Mansur. Er boxt für den BSV Wittenberge und gewann 2015 die Landesmeisterschaft in seiner Altersklasse. Wie groß die Geschenke ausfielen, darauf hatten dort scheinbar andere Familienmitglieder Einfluss. „Vor Weihnachten mussten die Mädchen immer Gedichte vortragen“, erinnert sich Mansur.

Ähnlich wie bei uns in Deutschland gibt es eine große Feier mit der ganzen Familie. Ramsan Talatov spricht von 50 Personen und jedes Jahr wird bei einem anderen Familienmitglied gefeiert. Bruder, Schwester, Onkel – jeder sei mal an der Reihe.

Bei seinen Erzählungen leuchten die Augen des Vaters. Dieses familiäre Zusammensein hat ihn und seine Familie geprägt. Und das Quintett lebt diesen Brauch in seiner neuen Heimat. Bei ihnen fühlt sich jeder Willkommen. Es geht warmherzig zu. Der Sportlehrer, der seit drei Jahren sein Wissen als Boxtrainer an den BSV-Nachwuchs weitergibt, spricht noch etwas gebrochen deutsch, erreicht aber seinen Gegenüber.

Zur Geselligkeit gehört gutes Essen. „Es gibt viel Essen. Sehr viel Essen“, lacht Ramsan Talatov. Sohn Mansur hilft ein wenig und übersetzt. Der Abend vor dem 1. Januar ist eine einzige Party. „Viele Menschen kommen unter freiem Himmel zusammen. Sie tanzen und feiern, dazu gibt es Schaschlik. Dann wird die Neujahrsansprache des Präsidenten im Fernsehen geschaut und es gibt ein großes Feuerwerk.“ Vater Ramsan ergänzt: „Und alles ohne Alkohol. Es wird mit Saft angestoßen.“

Auch wenn sie nicht mehr in dem großen Kreis wie einst in Tschetschenien feiern, die Bräuche und den Zeitraum hat die Familie beibehalten. Und da die Talatovs in ihrer neuen Heimat aufgrund ihrer sympathischen und offenen Art schnell Freunde gefunden haben, kommen sie auch in den Genuss des christlichen Weihnachtsfestes, feiern es mit Freunden. Allerdings ohne Weihnachtsschmuck.

Bleibt noch eins: Gibt es eine Verbindung zwischen Jahresendfeier und Boxen? Box-Handschuhe als Geschenk? „Nein, aber wir haben sportliche Spiele veranstaltet“, antwortet Mansur Talatov.

 

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