zur Navigation springen

Pritzwalker Bildungsgesellschaft : Projekt zur Fachkräftesicherung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Pritzwalker Bildungsgesellschaft beginnt mit „Jobstarter“ für junge Leute bis 35 Jahre, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben.

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Jobstarter heißt das neue Projekt an der Pritzwalker Bildungsgesellschaft. Träger des Projektes ist das Bundesbildungsministerium und in Pritzwalk ist man schon stolz darauf, eines von bundesweit 25 Projekten in die Prignitz geholt zu haben. „Das hat nur funktioniert weil wir seit Jahren mit vielen Partnern in Netzwerken für die Fachkräftesicherung arbeiten“, sagt Torsten Zwingelberg.

Das Projekt ist in seiner räumlichen Umsetzung für die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin vorgesehen und richtet sich an junge Leute bis 35, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. „Wir werden die Jungen und schon etwas Älteren ansprechen und uns im gleichen Atemzug auch an Unternehmen wenden, die ausbilden. Über Betriebspraktika und zahlreiche Hilfen werden wir versuchen, diese jungen Leute in Ausbildung zu bringen, um so einen Teil zur Fachkräftesicherung beizutragen“, sagt Torsten Zwingelberg bei der Projektvorstellung. Zu seinem Team gehören Gabriele Ferner, Nikol Koch, Claudia Jungbluth und Lothar Nagel, alles erfahrene Mitarbeiter der Pritzwalker Bildungsgesellschaft.

Der geförderte Projektzeitraum beträgt drei Jahre. Ziel sei es in diesen drei Jahren, Kooperationen mit 90 Unternehmen einzugehen, 120 junge Leute in Ausbildung zu bringen, 30 ältere Prignitzern zu einer Erstausbildung zu verhelfen und die Ausbildungsabbrüche um 15 Prozent zu senken. Außerdem wolle man Hilfen entwickeln für Unternehmen, die ausbilden wollen und diese praktisch unterstützen. „Es ist ein sehr lebendiges Projekt, in dem wir sehr vielfältig tätig werden können und an ganz vielen Stellen unterstützen können“, verdeutlicht Zwingelberg.

Unter den Gästen der Auftaktveranstaltung rührten sich allerdings Zweifel. „Wen wollen sie denn vermitteln? Es gibt in der Prignitz 240 Schulabgänger aus den 10. Klassen und etwa 120 Abiturienten, die jährlich die Schule verlassen. Allein für diese Schulabgänger reichen die Ausbildungsplätze aus, die die IHK in der Region anbietet. Da sind noch keine Ausbildungsstellen der Handwerkskammer, Studienplätze oder Freie Berufe berücksichtigt“, sagt Marion Talkowski vom IHK-Regionalcenter. Ähnliche Aussagen gab es vom Jobcenter. Hier gibt es bereits zahlreiche Maßnahmen wie Profilings und Beratungen wie auch konkrete Hilfen für junge Leute, die keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten. Noch hätte aber niemand mit dem Jobcenter gesprochen, obwohl das Projekt bereits seit Oktober laufe.

Sicherlich, so Mike Blechschmidt vom Verein Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse, dürfe man es sich nicht mehr erlauben, auch nur einen Jugendlichen zu verlieren und auch um die Schwächsten müsse sich gekümmert werden. Doch das Ziel muss zum Beispiel sein, auch junge Azubis aus dem Landkreis OPR in die Prignitz zu holen. Denn hier seien die Schulabgängerzahlen drei Mal so hoch wie in der Prignitz. „Deshalb haben wir auch im letzten Jahr die Jobstart-Messe in Neuruppin gemacht – und das mit Erfolg“, so Blechschmidt. Er mahnte an, dass die Bildungsgesellschaft in diesem Projekt ihr Ziel besser formulieren und ihr Profil schärfen müsse, um sich in der Vielzahl der laufenden Projekte abzugrenzen und klare Unterschiede aufzuzeigen.

Torsten Zwingelberg erklärte, dass man bei der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen stärker auf neue, zweijährige Ausbildungsberufe setzen werde. Blechschmidt machte deutlich, dass die Probleme vor allem bei älteren ungelernten Hartz IV-Empfängern oft vielschichtiger seien. „Da kommen Fahrtkosten dazu, da kommt Miete und oftmals die Kinderbetreuung mit ins Spiel und da gilt es, ganz gezielt und komplex zu helfen. Am Ende geht es ums Geld. Wenn eine alleinerziehende junge Frau eine Ausbildung beginnt, darf sie finanziell nicht schlechter gestellt sein als im Hartz IV-Bezug. Das kann über eine Ausbildungsvergütung nicht gelöst werden“, sagte Blechschmidt.

Der Bedarf an Fachkräften und Azubis ist bei den Unternehmen in der Prignitz und dem Ruppiner Land unbestritten hoch. Nun gelte es, alle Akteure und Projektträger zu vernetzen und die Unterstützungsmöglichkeiten zu koordinieren, so Blechschmidt. Das Jobstarter-Projekt des Bundesbildungsministerium ist zumindest für die Pritzwalker Bildungsgesellschaft jetzt schon ein Erfolg, denn so können fünf Mitarbeiter für drei weitere Jahre beschäftigt werden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen