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Ärger im Ernstfall : Problem im Notfall: Gaffer behindern Helfer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Immer wieder kommt es vor, dass Verkehrsteilnehmer bei Unglücken die Retter gefährden

Wenn Schaulustige Einsatzkräfte behindern, kann das zu einem Problem werden, vor allem für die Verletzen, die Hilfe brauchen. Beim Verkehrsunfall am vergangenen Donnerstag auf der B 5 klagte die Feuerwehr über fehlende Rücksichtnahme.

Zwei Pkw waren am Abzweig Karstädt zusammengestoßen, es gab drei Verletzte. „Bei Ankunft des ersten Feuerwehrfahrzeuges am Unfallort mussten die Kameraden aufpassen, dass sie beim Aussteigen aus dem Fahrzeug auf der Kreuzung nicht überfahren werden“, sagt Beate Mundt, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehren Karstädt. Rücksichtslos hätten sich Kraftfahrer an der Unfallstelle vorbei gedrängelt. „Bei manchen Pkw konnte man nur den Kopf schütteln. Die haben einfach die wartende Schlange überholt“, schildert eine andere Augenzeugin ihre Beobachtung auf unserer Facebookseite.

Auch die Wittenberger Feuerwehr kennt solche Situationen, wie Pressesprecher Norman Rauth bestätigt: „Leider gehören Behinderungen durch Schaulustige und leichtsinnige Kraftfahrer zum Alltag der Rettungskräfte.“ Rauth verweist auch darauf, dass die Neugierigen gerade bei Verkehrsunfällen Menschen gefährden. Um diesem Phänomen Herr zu werden, muss die Feuerwehr eine ganze Gruppe – neun Mann = die Besatzung eines Standardeinsatzfahrzeuges – dafür einsetzen, um die Einsatzstelle gegen Schaulustige zu sichern und um auch die Persönlichkeitsrechte der Unfallopfer zu schützen. „So müssen wir immer wieder beobachten, dass Autofahrer, die an der Unfallstelle vorbeigeleitet werden, bremsen dort ruckartig ab, halten sogar an, um zu gucken,“ weiß Norman Rauth. „Motorradfahrer nutzen Verkehrsleitkegel als Slalomgelegenheit, Kraftfahrer fahren mit überhöhter Geschwindigkeit an der Unfallstelle vorbei oder diskutieren mit den Einsatzkräften, weil sie kein Verständnis für die Sperrmaßnahmen haben. “

Der Wittenberger Feuerwehrsprecher könnte die Liste noch lange fortsetzen. Er hat auch schon Gaffer erlebt, die sich mit einem Fernglas ausgerüstet im Wald 20 Meter hinter der Einsatzstelle positionierten, um das Geschehen zu beobachteten. „Eine Zeit lang war es sogar Mode, in der Nähe der Wache zu warten und im Einsatzfall den Fahrzeugen hinterher zu fahren“, so Rauth. Dafür hat er kein Verständnis. Ebenso wenig, wenn Rettungskräfte, wie in der Silvesternacht geschehen, mit Raketen beschossen werden.

„Unsere Rettungskräfte kommen mitunter verzögert zum Einsatzort, weil die Kraftfahrer die Sondersignale nicht richtig wahrnehmen und ihrer Pflicht, freie Bahn zu schaffen, nicht nachkommen“, ist der stellvertretende Kreisbrandmeister, Volker Lehmann, über dieses Verhalten verärgert. Wütend ist er auch über einige Zeitgenossen, die statt Erste Hilfe zu leisten, noch vor dem Einsatz der Rettungskräfte Bilder mit entsprechenden Kommentaren ins Netz stellen.

Die Polizei greife selten ein, die Strafe ist gering. „Wenn wir zu einem Unglücksfall eilen, geht es vor allem um Hilfe für die Verletzten. Selbst wenn Schaulustige die Anfahrt behindern, werden die Beamten aus Zeitgründen nur in den seltensten Fällen eingreifen“, erklärt Pressesprecherin Dörte Röhrs. Bei groben Verstößen könnten sich die Kollegen jedoch die Kennzeichen merken bzw. notieren und später eine Anzeige fertigen. Die Paragrafen 11 und 38 der Straßenverkehrsordnung regeln das korrekte Verhalten und das Bilden einer Rettungsgasse auf den Autobahnen. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit und werden mit 30 Euro geahndet, informiert Dörte Röhrs.

 
 

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erstellt am 19.Jun.2017 | 21:00 Uhr

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