Biogas im Fokus : Problem eingekreist: Runde zur Biogasanlage

Protest in Helle: Hier kreuzen sich nicht nur drei überregionale, touristische Radwege, sondern auch  die Wege der schweren Transporte zu insgesamt drei Biogasanlagen, darunter zu der  in Neudorf.
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Protest in Helle: Hier kreuzen sich nicht nur drei überregionale, touristische Radwege, sondern auch die Wege der schweren Transporte zu insgesamt drei Biogasanlagen, darunter zu der in Neudorf.

Kritikpunkte zur Anlage Neudorf kamen auf den Tisch / Bebauungsplan wird geändert

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11. Juli 2014, 12:00 Uhr

In die Problematik Biogasanlage Neudorf kommt Bewegung. So das Fazit von Renate Groenewegen-Rauter, Vorsitzende des Bauausschusses der Groß Pankower Gemeindevertretung. Sie nahm, neben vielen anderen Verantwortlichen sowie mehreren Mitgliedern der Bürgerinitiative „Stoppt die Umweltbelastungen durch Biogasanlagen in der Prignitz“ (BI) vorgestern an einer Gesprächsrunde teil, die die Gemeindeverwaltung anberaumt hatte.

Strittig sind im Raum Neudorf, Klein und Groß Langerwisch sowie Helle vor allem zwei Themen: Zum einen die Güte des Trinkwassers, speziell in Klein Langerwisch, wo Lieselotte Fortmann in unmittelbarer Nachbarschaft zur industriell betriebenen Biogasanlage die Radler-Oase betreibt – das Domizil aber im November 2013 wegen schlechter Trinkwasserqualität schließen musste. Zum anderen das mit der Anlage im Zusammenhang stehende starke Verkehrsaufkommen in einem touristisch attraktiven Umfeld.

Was Letzteres betrifft, so habe sich die Lage bereits entspannt, wie Renate Groenewegen-Rauter und Halldor Lugowski, Bauamtsleiter der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), gestern auf Nachfrage des „Prignitzers“ bestätigten. Die Transporteure würden Leerfahrten weitgehend vermeiden, zudem wurde von Traktoren auf Lkw umgestiegen, es werde langsamer und umsichtiger gefahren.

Zur Trinkwasserqualität in Klein Langerwisch wolle man sich zeitnah noch einmal in kleinerer Runde verständigen, so Halldor Lugowski. Alle bisher in Erwägung gezogenen Lösungen hätten sich als finanziell, technisch und hygienisch nicht umsetzbar erwiesen, räumt er ein. Möglicherweise käme man hier aber mit einer größeren Brunnentiefe weiter, ergänzt der Bauamtsleiter, ohne einem Ergebnis vorgreifen zu wollen.

Generell sei es so, dass es für die große Biogasanlage in Neudorf natürlich einen geltenden Bebauungsplan gebe, allerdings einen mit vielen Ausnahmegenehmigungen. Im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages soll die Bebauungsplanung geändert werden. Der Aufstellungsbeschluss sei bereits gefasst, so Halldor Lugowski. Der Plan diene nicht einer Erweiterung der Anlage. „Es geht nicht darum, etwas Neues zu schaffen, sondern Vorhandenes neu darzustellen“, macht er deutlich. Im Planverfahren werde es dann auch eine öffentliche Auslegung geben und im Rahmen der Bürgerbeteiligung eine Einwohnerversammlung. Das Ganze soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Auch Lieselotte Fortmann spricht von einer friedlichen, konstruktiven Atmosphäre, in der die Gesprächsrunde in Groß Pankow verlief. Letztlich befriedigend seien die Ergebnisse für sie aber nicht, wie sie gestern unserer Redaktion gegenüber äußerte. Es gebe beispielsweise keine schlüssige Begründung für ein Detonationsgeräusch am Vormittag des 22. April, das sie und andere Anlieger auf ein Vorkommnis in der Biogasanlage zurückführen. „Das wird verharmlost“, kritisiert Fortmann. Der Vorfall sei vom Landesumweltamt geprüft worden, so Halldor Lugowski. Man kam zu dem Ergebnis, dass sich in der Biogasanlage keine Explosion des beschriebenen Ausmaßes ereignet haben könne. Die BI verweist zudem auf die Verschmutzung des Flusses Kümmernitz. Hier sollen Beprobungen seitens der unteren Wasserbehörde erfolgen, so Lugowski. Die BI moniert auch das Einbringen von Hühnermist in die Anlage. Laut EU-Recht sei das untersagt, Deutschland erlaube es aber auf Basis einer nicht EU-konformen Regelung.

Klar ist, dass die Biogasanlage weiter für Gesprächsstoff sorgen wird. Ein erster, wichtiger Schritt zu Klärung zahlreicher Probleme wurde mit der Gesprächsrunde indes gegangen.

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