Proben für den chemischen Ernstfall

<strong>Ein solcher Schutzanzug</strong> ist Pflicht bei einem Einsatz mit Chemikalien. Nach dem Kontakt mit der Substanz muss er verbrannt werden. <foto>Susann Matschewski</foto>
Ein solcher Schutzanzug ist Pflicht bei einem Einsatz mit Chemikalien. Nach dem Kontakt mit der Substanz muss er verbrannt werden. Susann Matschewski

svz.de von
27. Juli 2012, 04:46 Uhr

Dallmin | Donnerstagabend, 18.19 Uhr: Bei den Feuerwehren in Karstädt, Kribbe, Premslin, Glövzin, Groß Warnow und Blüthen geht ein Alarm ein. Der Notruf kommt aus dem Stärke- und Veredlungswerk Dallmin. Als die Wehren eintreffen, stellt sich heraus: Nichts ist passiert, der Alarm war nur ein Test.

"Wir stellen als erstes fest, wieviele Wehren eintreffen und wieviele Führungskräfte und Atemschutzträger in den Einsatzwagen sind", erläutert Kar städts Wehrführer Hartmut Gerloff den Sinn der Alarmierung, während er am Werkseingang steht und die ankommenden Fahrzeuge und Kameraden zählt. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: Sechs Wehren mit insgesamt zwölf Atemschutzträgern treffen ein. Erst jetzt beginnt der eigentliche Grund für die Alarmierung: Ein Ernstfall wird simuliert.

Ein Anzug schützt vor gefährlichen Chemikalien

"Wir üben heute die technische Hilfeleistung mit Gefahrgut", erläutert Ger loff. Gefahrgut steht in diesem Fall für das Auslaufen von möglicherweise hochgiftigen Flüssigkeiten - ein Unfall, wie er überall dort passieren kann, wo mit chemischen Substanzen gearbeitet wird, eben auch im Dallminer Stärke- und Veredlungswerk. "Für Unglücksfälle dieser Art gibt es eine speziell festgeschriebene Vorgehensweise", erklärt Lars Wirwich. Der Wittenberger ist Leiter der Gefahrguteinheit des Landkreises Prignitz, die in schwierigen Fällen zum Einsatzort gerufen wird. "Die Kameraden halten sich dabei an die GAMS-Regel, also Gefahrenerkennung, Absperren, Menschenleben retten, Spezialkräfte alarmieren", so Wirwich.

Weil die giftige Flüssigkeit nicht auf die Haut gelangen und eingeatmet werden darf, verfügen die Feuerwehren über so genannte Chemikalienschutzanzüge. Bei der Unfallsimulation soll das An- und Ausziehen der grünen Anzüge geübt werden. Das ist schwieriger, als es zunächst aussieht. Für beides benötigt der Anzugträger eine helfende Hand. "Das Anziehen ist dabei noch unproblematisch, komplizierter ist es, wieder herauszukommen", so Lars Wirwich. Denn der Anzug ist nach seinem Einsatz kontaminiert und muss daher von innen nach außen ausgezogen werden, wird praktisch umgekrempelt. Derjenige, der im Anzug steckt, darf diesen dabei nur von innen anfassen, der Helfer hingegen darf ihn nur von außen berühren. "Es dürfen auch nur Kameraden mit Atemschutzgeräten den Anzug tragen", betont Wirwich. Auch sei die Schutzkleidung nur für Chemikalien geeignet, radioaktive Strahlen beispielsweise könne sie nicht abhalten.

Ist der Unfallort abgesperrt und befinden sich keine Menschen mehr in unmittelbarer Nähe zu der entweichten Flüssigkeit, haben die "Männer in Grün" die Aufgabe, die Art der Chemikalie zu bestimmen und den Konzentrationsgrad zu messen. Auch das wird am Stärkewerk geübt. Dazu kommt das Gasmessgerät der Freiwilligen Feuerwehr Wittenberge zum Einsatz. "Für Fabriken wie die hier in Dallmin gibt es Listen, auf denen alle Substanzen aufgeführt sind, mit denen im Werk gearbeitet wird. Das erleichtert das Bestimmen der Chemikalie", erklärt Lars Wirwich. Wenn die Art der Substanz feststeht, muss sie beseitigt werden. Die Kameraden simulieren bei der Übung dazu einen Trockenschaumangriff. Bei größeren Mengen werde laut Wirwich allerdings eine Spezialfirma alarmiert.

In der Prignitz gab es bislang noch keinen Einsatz dieser Art. "Aber die Kameraden wissen im Falle eines Falles genau, was sie zu tun haben", so Hartmut Gerloff.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen