Glyphosat : Pro und kontra Glyphosat

Der Wirkstoff wird seit Jahrzehnten auch in der Prignitz eingesetzt.
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Der Wirkstoff wird seit Jahrzehnten auch in der Prignitz eingesetzt.

Pflanzenschutzmittel? Ackergift? – Die Diskussion geht, vor dem Hintergrund der EU-Zulassung, auch an der Prignitz nicht vorbei

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29. Juni 2016, 03:45 Uhr

Egal, wann und wie die EU-Kommission entscheidet: Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat steht momentan mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit, auch in der Prignitz.

Der Bürgerverein Groß Warnow sowie die Kreisverbände des BUND und von Bündnis 90/Grüne hatten vor wenigen Tagen zu einem Vortrag der Autorin Dr. Ute Scheub zum Thema „Ackergifte“ eingeladen. Aktueller Anlass auch hier die mehrfachen Anläufe der EU-Kommission, die Ende Juni auslaufende Europa-Zulassung von Glyphosat durch die EU-Staaten verlängern zu lassen. Ute Scheub geht davon aus, dass die Kommission die Zulassung um 18 Monate hinauszieht, dass es dann aber aus Vorsorgegründen wohl keine weitere Zulassung in der Europäischen Union mehr geben wird, berichten Bärbel Treutler und Jürgen Randau.

Fakt ist, dass der Wirkstoff auf den Äckern in der Prignitz seit Langem und großflächig eingesetzt wird. Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz e. V., zitiert den Gelehrten Paracelsus: „Beim Gift kommt es auf die Dosis an.“ Sie räumt zugleich ein, dass es für die Landwirte natürlich immens wichtig sei, Risiken genau untersuchen zu lassen, um selbst alles richtig abzuwägen. Welche Dosis beim Unkrautvernichter Glyphosat als gefährlich oder ungefährlich gilt, darüber streiten sich indes die Gelehrten. Laut einem unlängst veröffentlichten Bericht der Internationalen Krebsforschungsagentur, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, ist Glyphosat wahrscheinlich krebserregend. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kam hingegen zu dem Schluss, dass Glyphosat – sofern sachgemäß dosiert – kein erhöhtes Risiko darstellt.

Es geht also um die Dosis, wie es Christina Stettin bereits einräumte. „Wir wollen nicht als Umweltzerstörer abgestempelt werden, sondern wir möchten unsere Nutzpflanzen schützen“, bricht sie eine Lanze für die Landwirte der Region und fragt zugleich, ob es tatsächlich besser wäre, das Mittel zugunsten anderer, vermutlich noch giftigerer und noch weniger untersuchter Wirkstoffe zu verbieten.

Der übergroße Anteil der Landwirte in der Prignitz, da ist sich Christina Stettin sicher, setzt diesen und andere Wirkstoffe verantwortungsbewusst und so sparsam wie möglich ein. Die entsprechenden Kontrollen seien streng und funktionieren. Anwender müssten einen Sachkundenachweis erbringen und diesen auch stets aktuell halten. „Pflügen und eggen allein reichen zur Unkrautbekämpfung nicht aus“, stellt Stettin klar, sagt aber andererseits auch, dass viele Agrarbetriebe von der pfluglosen Bodenbearbeitung wieder abgerückt seien, also schon auch mechanisch versuchen, die Äcker unkraut- und schädlingsfrei zu halten. Dass alle Bauern auf ökologische Landwirtschaft umschwenken – für die Chefin des Prignitzer Verbandes eine charmante Vorstellung, „aber reine Theorie.“

Naturschützer sehen die Sache etwas dezidierter, wie auch in der eingangs erwähnten Vortragsveranstaltung deutlich wurde: Dr. Ute Scheub hält die Wirkung von Ackergiften längerfristig für verheerend. Sie würden Beikräuter vernichten, die Nahrungsmittel für nützliche Insekten seien, töteten Insekten, die Nahrungsquelle für Vögel und Amphibien sind, andere Kräuter und Insekten würden resistent, so dass immer mehr Wirkstoffe eingesetzt werden müssten – wie bei einer Rüstungsspirale. Erforderlich, so Scheub, sei hingegen eine „enkeltaugliche“ Landwirtschaft.

Wie bei jeder Verbotsdiskussion, geht es wohl auch dieses Mal um das kleinere Übel: die mögliche Gesundheitsgefahr oder mögliche große Ernteausfälle. Letzteres, so Christina Stettin, sei bei einem Glyphosat-Verbot garantiert.

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