zur Navigation springen

Tierschutz in der Prignitz : Privates Nutria-Paradies

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gerettete Sumpfbiber sind in ihrer neuen Umgebung heimisch / Jeden Tag beschäftigen sie ihre menschliche Mama mehrere Stunden

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 20:00 Uhr

Munter tollen die beiden Nutrias über das grüne Gras, knabbern an Ästen, balgen miteinander oder schwimmen und reinigen sich in der großen Wassertonne. Dass sie das überhaupt können, ist einer Prignitzerin geschuldet, die sich der beiden annahm und anschließend unsere Zeitung kontaktierte.

Rückblick: Im November war es, da entdeckte die Prignitzerin, die aufgrund von möglichen Konsequenzen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, die beiden Jungtiere verlassen von ihrer Mutter an einer Wasserfläche in Muggerkuhl. Hatte sie die Familie mit den insgesamt sechs Jungtieren schon öfter beobachtet, wirkten die Tiere nun verstört. „Der Kleine hat am Ufer gerufen. Wo sonst immer die Geschwister und die Mutter sofort geantwortet haben, war nun nichts mehr zu hören. Da wusste ich schon, dass etwas ganz schlimmes passiert sein musste“, erzählte sie damals. Schnell war klar, dass die Tiere ohne Mutter den Winter nicht überstehen würden, also nahm sich die Tierschützerin der Nutrias an.

„Das ist nun drei Monate her und die beiden haben sich super eingelebt“, erzählt sie. Und gut eingelebt ist wohl noch untertrieben, sieht man sich auf dem extra für die beiden Nutrias eingerichteten Gelände um. Neben einer komplett für ihre Bedürfnisse umgebauter Terrasse, können die Vierbeiner nun über eine Treppe auf eine weitläufige Grünfläche gelangen, mit Ästen spielen, in einer Tonne im Wasser baden oder sich in ihre neu gegrabenen Höhlen verkriechen.

„Das mit der Treppe haben die beiden schnell gelernt. Sie haben ja einen ausgeprägten Bewegungsdrang und nun können sie selbst entscheiden, ob sie drin oder draußen bleiben wollen.“ So ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden mittlerweile nicht nur ein wichtiger Teil im Leben der Retterin geworden sind, sondern auch Namen haben.


Mehrere Stunden Nutria-Zeit pro Tag


„Eine Freundin hat sie Ernie und Bert genannt und seit dem heißen sie auch so.“ Und genau wie ihre Namensvettern, haben auch die jungen Nutrias ganz unterschiedliche Charaktere. „Bert ist schon stärker in der ,Pubertät‘ sage ich mal, steht oft am Zaun und ruft nach Mädchen und ist eher der Bestimmer. Er ist auch etwas größer und ihm fehlt eine Kralle“, schildert die Ersatzmutter.

Und dass sie diese Rolle wirklich verinnerlicht hat, merkt man schnell an ihren Ausführungen: „Die beiden sind eine Vollbeschäftigung. Schon allein was das Essen angeht. Mohrrüben, grüne Gurken, rote Beete oder Salatherzen – je nach Entwicklungsphase haben sie auch einen anderen Geschmack und man muss viel schnippeln. Hinzu kommt das Wechseln des Wassers oder das Reinigen der Anlage. Die beiden sind ja viel draußen und buddeln und schleppen dann auch jede Menge Dreck mit rein – wie kleine Kinder. Da gehen jeden Tag Stunden drauf“, schildert die stellvertretende Nutria-Mama.

Und genau wie kleine Kinder, halten sie ihre Leihmutter ständig in Bewegung. „Sie stehen auf, wenn es hell ist, haben aber schon feste Zeiten. So gegen halb acht sind sie wach, laufen rum und wollen raus. Halb zwölf machen sie dann meist einen Mittagsschlaf – je nach Wetter kann der auch mal zwei Stunden dauern. Nachmittags gibt es dann kein Halten mehr, dann sind sie bei schönem Wetter auch mal lange draußen. Da ich sie zum Schutz nachts noch drin habe, denke ich manchmal, wenn sie um 21 Uhr noch nicht im Bett sind, ,Wollt ihr nicht endlich rein kommen?‘“, schildert sie den gemeinsamen Tagesablauf.

Aber als versierte Nutria-Mama kennt sie auch da bereits ihre Tricks: „Die beiden sind ja sehr neugierig und spielen viel, sind aber auch sehr anhänglich. Wenn der eine schon früher ins Bett will, lasse ich ihn rein, dann kommt der andere meist sehr schnell hinterher.“


Auswilderung wirft Schatten voraus


Jedoch ist der derzeitige Stand nicht von Dauer. „Das sind immerhin Wildtiere und sie sollen auch wieder ausgewildert werden.“ Doch wird bei so viel Nähe der Abschied sicherlich nicht leicht fallen. „Da möchte ich noch gar nicht drüber nachdenken. Sie gehören zur Familie und ich bin jetzt nun einmal die Mama“, erklärt die Prignitzerin. Dennoch soll es Ostern soweit sein.

„Dafür werde ich mir dann ein paar Tage frei nehmen. Das Futter muss umgestellt werden und auch die psychologische Betreuung braucht Zeit“, erzählt sie. Wo Ernie und Bert ausgewildert werden, soll jedoch noch geheim bleiben. Nur so viel wird verraten, die Löcknitz wird nicht weit entfernt sein. Und auch bei diesem wichtigen Schritt ins neue Nutria-Leben wird der Prignitzer die beiden wieder begleiten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen