Perleberg : Pritzwalker Straße: Rennpiste für Lkw

Hauptverkehrsader Pritzwalker.
Hauptverkehrsader Pritzwalker.

Anlieger der Straße fühlen sich allein gelassen / Polizei laserte daraufhin

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19. August 2015, 12:00 Uhr

Die Bewohner der Pritzwalker Straße können ein Lied davon singen, wie Heinz Pauli in der Einwohnerfragestunde einer Stadtverordnetenversammlung sagte. Die Laster rauschen mit Tempo 60 durch die Straße, in den Vitrinen klappern die Gläser, die Fassaden bekommen immer mehr Risse und sich bei offenem Fenster zu unterhalten, das sei kaum möglich. Denn die Häuser stehen nur etwa zwei Meter von der Straße entfernt. Trotz Umgehungsstraße fahren etliche Lkw immer noch durch die Stadt und nehmen so den Weg über die Pritzwalker Straße.

Viele Möglichkeiten aktiv zu werden, sieht die Stadt nicht, wie Bauamtsleiter Hagen Boddin einräumte. Denn für einen sogenannten Lärmaktionsplan, wo es vor allem um Maßnahmen geht, den Lärm einzudämmen, müssen täglich 8000 Fahrzeuge diese Straße frequentieren. Auf diese Anzahl komme man nicht. Die Straße ist für den öffentlichen Verkehr zugelassen, jeder habe damit das Recht, sie zu nutzen. Den Asphalt zu erneuern, wäre eine Möglichkeit, die aber so schnell nicht passieren werde.


Keine nennenswerten Überschreitungen


Für die Laster gibt es in der Pritzwalker Straße allerdings eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, betonte Heinz Pauli. Die wenigsten halten sich daran, und niemand kontrolliere es. Die Polizei nahm die Kritik auf, kontrollierte mehrfach zu unterschiedlichen Zeiten, auch zwischen 7 und 8 Uhr. Das Ergebnis: Keine nennenswerten Überschreitungen der Geschwindigkeit. Der schnellste Lkw wurde mit 38 km/h gemessen, der schnellste Pkw mit 54 km/h (50 km/h erlaubt). Dass die Straße trotz Umgehung von vielen Lastern als kürzester Weg bevorzugt werde, das belegte hingegen die Messung des Statistikgerätes der Stadt, betont Robert Kazmierczak vom Ordnungsamt. Auch wenn jene bereits aus dem Jahre 2010 stamme, so spiegele sie das alltägliche Verhalten der Kraftfahrer wider, denn jene nehmen das Gerät nicht wahr. Innerhalb einer Woche registrierte das Statistikgerät 1115 Lkw und 497 Lastzüge. Ein Grund, dass die Geschwindigkeit damals für jene auf 30 km/h hier herabgesetzt wurde.

Doch die Lösung des Problems ist das nicht, denn Kontrollen rund um die Uhr sind nicht möglich. Und den Lkw-Verkehr gänzlich hier zu verbieten, gehe auch nicht, „auch wenn wir es gern hätten, denn die Lkw tuten unseren Straßen wahrlich nicht gut“, so Kazmierczak. Aber es handelt sich bei der Pritzwalker um eine Hauptverkehrsstraße, die von der Baulast für einen solchen Verkehr zugelassen ist. Eine entsprechende Eingrenzung wäre nicht zu rechtfertigen.

Also müssen die Anwohner weiter mit den gefühlten Geschwindigkeitsüberschreitungen und dem wachsenden Lkw-Verkehr leben? „Wir werden demnächst unser Statistikgerät erneut in der Straße aufstellen, die Ergebnisse der Polizei und der unteren Verkehrsbehörde übermitteln“, versichert der Ordnungsamtsmitarbeiter. Doch helfen können sich die Anwohner eigentlich nur selbst, in dem sie auf der Straße parken. „Das dürfen sie nicht nur, sie schaffen damit zugleich eine natürliche Barriere.“ Der Verkehr werde abgebremst und die Straße vielleicht für die Brummis auf Dauer unattraktiv.

Stattdessen werde aber eher auf dem Bürgersteig geparkt, was, wenn nicht ausdrücklich ausgeschildert, verboten ist. Zudem werde damit ein trügerisches Bild vermittelt. Denn vielfach reiche die Fahrbahnbreite, wenn halbseitig geparkt werde, nicht aus, dass zwei Fahrzeuge problemlos aneinander vorbei kommen. Dann hilft oftmals nur noch eine Vollbremsung. Zugleich blockiert der Pkw den Gehweg, zwingt Fußgänger womöglich noch auf die Fahrbahn.

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