Pritzwalk: Marktstraße ist tot

Einsam sieht es nachmittags in der Pritzwalker Innenstadt aus. Thomas bein (4)
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Einsam sieht es nachmittags in der Pritzwalker Innenstadt aus. Thomas bein (4)

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19. September 2012, 07:10 Uhr

Pritzwalk | Es ist Dienstag, 15.15 Uhr. Sonnenschein, 24 Grad. Im Café Ebel sind die Sonnenschirme zusammengefaltet. Nicht einer der zahlreichen Plätze ist besetzt. Gegenüber die alte Marktschänke. Im Biergarten ist jede Menge Platz. Nicht ein Gast sitzt dort. Gerade mal eine Handvoll Passanten schlendert durch die Marktstraße und über den Marktplatz. Einige schauen kurz beim Bäcker rein, kaufen Brot. Man hat viel Platz zum Bummeln in der Pritzwalker Innenstadt und vor allem: seine Ruhe. Geschäftiges Treiben sucht man hier meist vergeblich. Ruhe hatten die Stadtväter einst im Sinn, als sie die Marktstraße zur Fußgängerzone machten. Noch mehr Ruhe brachte die Ortsumgehung. "Man kann es hier vor Ruhe bald nicht mehr aushalten", sagt Gerhold Leue, der einen Jeansladen betreibt. Vor ein, zwei Jahren liefen noch Fußgänger durch die Marktstraße. "Viele hatten Geld in der Tasche, schauten hier, schnupperten dort. Die Marktstraße ist jetzt eigentlich tot", meint Leue.

"Was soll ich sagen? Seitdem Rossmann vergangenen Oktober schloss, ist es richtig schlimm geworden. Ich sage besser nichts, die Wahrheit vertragen viele Leute nicht", reagiert Klaus Sattler. Sein Tabak- und Spirituosengeschäft betreibt er seit vielen Jahre und hat den Niedergang der Innenstadt miterlebt. Und wieder schließt ein Blumengeschäft, dazu der Weinladen. Zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt und in der Marktstraße stehen leer. Kaum jemand findet sich, der einen Neuanfang wagt. Die Innenstadt sollte zur Wohn- und Geschäftsstadt entwickelt werden, hatten sich die Stadtväter vorgestellt. So wurde auch das frühere Stadthotel zu Wohnungen umgebaut und vermietet. Doch Impulse für die Geschäfte gibt es keine.

Die Abgeordneten diskutieren die Aufhebung der Parkgebühren, die Öffnung der Marktstraße für den Verkehr. "Das komm zu spät und dauert viel zu lange", sagt Petra Hammermeister. Sie betreibt ihren Geschenkeladen seit neun Jahren und ist unsicher, ob sie ihren Mietvertrag für das Ladengeschäft verlängern wird.

Immer mehr Märkte und Fachgeschäfte haben sich am - nahe gelegenen - Stadtrand angesiedelt. Da, wo man mit dem Auto am Markt vorfahren kann, wo Discounter und Fachgeschäfte nebeneinander liegen. Besucher finden eine halb verwaiste Innenstadt vor und eine Touristinformation im Museum. "Fremden den Weg dorthin zu erklären, ist nicht einfach", sagt Gabriele Schulz, vom Kinderland-Fachgeschäft.

"Die Situation ist keine typische Entwicklung in Pritzwalk, sondern ist in vielen anderen Städten zu beobachten. Zur Konkurrenz durch die Discounter kommt der Internethandel, der viel Kaufkraft abschöpft", erklärt Ronald Thiel von der Pritzwalker Stadtverwaltung. Er ist erst seit kurzem für die Stadtentwicklung zuständig. "Wir als Verwaltung können keine Wunder vollbringen, sondern nur Impulse geben. Jeder Unternehmer muss Eigeninitiative an den Tag legen", sagt Thiel. Mit einem Citymanagement will die Stadt ihr Zentrum neu beleben. Seit April läuft das Projekt. Erfolge oder Resultate hat keiner der befragten Händler bisher gesehen. "Beim City-Management geht es langsam voran. Wir haben den Leerstand ermittelt, Eigentumsverhältnisse geklärt, sprechen mit Eigentümern über die Vermarktung der Ladenflächen und mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft. Erste Impulse sind Termine für Aktionen im nächsten Jahr", so Thiel.

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