DAK legt Report vor : Prignitzer sind seltener krank

Zahl der Erkrankungen geht zurück, weniger Krankschreibungen.

svz.de von
17. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Arbeitnehmer aus der Prignitz waren 2012 seltener und auch nicht so lange krank geschrieben, wie in den Jahren zuvor. Mit 4,8 Prozent hatte die Region einen niedrigeren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (4,9 Prozent). Das geht aus dem jetzt vorgelegten DAK-Gesundheitsreport 2013 hervor.

„Der sinkende Krankenstand ist ein positives Signal“, kommentiert Benjamin Wiersch Bezirksleiter der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. Der größte Rückgang war mit 44,3 Prozent bei den Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände zu verzeichnen.

23,6 Prozent weniger Fehltage gab es bei Herz-Kreislauferkrankungen. 8,6 Prozent weniger Ausfalltage gab es aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenleiden, die aber weiterhin Platz 1 belegen. Bei den Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis stiegen die Fehltage hingegen um 7,3 Prozent.

Arbeitnehmer und Betriebe seien gleichermaßen gefordert, damit sich dieser positive Trend fortsetzt. „Durch ein gezieltes Gesundheitsmanagement können Unternehmen selbst dazu beitragen, dass der Krankenstand bei ihren Beschäftigten sinkt. Ansätze bieten zum Beispiel die Themen Ernährung, Entspannung und Bewegung“, sagt Wiersch. Die DAK arbeitet im Kreis mit mehreren Unternehmen zusammen, betreibt unter anderem beim CJD und der Prignitzer Chemie aktives Gesundheitsmanagement.

Einen Schwerpunkt setzt die Krankenkasse 2013 mit einer neuen Aufklärungskampagne über die Auswirkungen von Stress im Job: Eine aktuelle Langzeitanalyse für Brandenburg zeigt, dass in den vergangenen zwölf Jahren die Fehltage bei psychischen Erkrankungen um 151 Prozent gestiegen seien. Gleichzeitig gingen die Krankschreibungen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen deutlich zurück. Daraus zu schlussfolgern, dass psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch sind, sei laut DAK aber zu einfach. Nach Einschätzung von Experten nehmen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen vor allem zu, weil Betroffene und Ärzte inzwischen anders mit seelischen Leiden umgehen. „Viele Arbeitnehmer werden heute mit einem psychischen Problem krankgeschrieben, während sie früher zum Beispiel mit der Diagnose chronische Rückenschmerzen arbeitsunfähig gewesen wären“, erklärt Anke Gerloff, Leiterin des DAK Servicezentrums Perleberg.

Auch der steile Anstieg von „Burnout“ in jüngster Zeit müsse relativiert werden. So trete bei Fehltagen zum Beispiel die Diagnose Depression acht Mal häufiger auf. 2012 haben die Ärzte in Brandenburg nur bei jedem 500. Mann und jeder 200. Frau ein „Ausbrennen“ auf der Krankschreibung vermerkt.

„Burnout ist offensichtlich kein Massenphänomen“, betont Gerloff. „Es ist eine Art Risikozustand und keine Krankheit.“ Der Begriff sei aber durch viele Medienberichte positiver besetzt und sozial akzeptierter als eine Depression. Laut Studie der DAK-Gesundheit sind auch berufliche Telefonate außerhalb der Arbeitszeit sehr viel weniger verbreitet, als die öffentliche Debatte vermuten lässt.

In Brandenburg geben zum Beispiel 62 Prozent der Beschäftigten an, dass sie noch nie außerhalb der Arbeitszeit von Kollegen angerufen wurden. 70 Prozent der Befragten bekommen nach Feierabend auch keine E-Mails. Allerdings steige mit dem Ausmaß an Erreichbarkeit auch das Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken. Jeder vierte Beschäftigte, der ständig erreichbar ist, leide unter einer Depression.

Die in die Studie einbezogenen Ärzte sehen in Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten eine Ursache für mehr Krankschreibungen mit psychischen Diagnosen, heißt es im Report. Aus Sicht der Mediziner gebe es für nicht so leistungsfähige Mitarbeiter immer weniger Platz in der Arbeitswelt. Ferner führe fehlender sozialer Rückhalt außerhalb der Arbeitswelt zu mangelnder Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Beschwerden.

Die DAK hat rund 228 000 Versicherte im Land Brandenburg, davon rund 18 000 im Landkreis Prignitz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen