Unrühmliche Spitzenposition : Prignitzer Polizisten sind oft krank

Prignitzer Polizisten sind öfter beim Arzt als ihre Kollegen.
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Prignitzer Polizisten sind öfter beim Arzt als ihre Kollegen.

Hiesige Ordnungshüter fallen viel häufiger aus als die Kollegen im Nachbarkreis

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28. September 2017, 21:00 Uhr

Die Polizisten in der Region sind deutlich häufiger krank als ihre Kollegen im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin und sie liegen auch über dem Landesschnitt. Das ergab eine „Prignitzer“-Anfrage beim Landesinnenministerium.

Demnach waren Angehörige der Polizeiinspektion Prignitz im vergangenen Jahr durchschnittlich 43 Kalendertage krank geschrieben, in OPR waren es 30,9 und der Landesschnitt lag bei 35,5 Kalendertagen. Auch in den Vorjahren fehlten die Ordnungshüter in der Prignitz deutlich häufiger krankheitsbedingt als die in OPR (2015: 41,5/35,6; 2014: 34,4/31,6 und 2013: 36,8/28,3). Der Altersdurchschnitt liegt auf nahezu identischem Niveau.

Ein Grund für die Situation ist schwer auszumachen, sagt Ingo Decker, Sprecher des Landesinnenministeriums. „Gesicherte Erkenntnisse über die Ursachen von Erkrankungen und damit auch von Fehlzeiten liegen nicht vor. Zu berücksichtigen ist, dass diese immer auch in den privaten Lebensumständen und der individuellen Lebensführung zu suchen sind.“ Außerdem würden aus Datenschutzgründen bei der Krankmeldung weder Art noch Ursache erfasst. Insgesamt arbeiten 154 Bedienstete bei der Polizeiinspektion Prignitz, 188 sind es bei der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin.

Auch der neue Chef der Polizeiinspektion Prignitz, Dieter Umlauf, kennt das Problem des hohen Krankenstandes. „Wenn man neu ist, schaut man sich ja viele Statistiken an. Da sind mir die Werte natürlich auch ins Auge gefallen“, sagt Umlauf im Gespräch mit dem „Prignitzer“. Deswegen habe er dieses Thema auch weit oben auf seiner Agenda. „Ich habe das sehr schnell zur Chefsache gemacht.“ Auch wenn Dieter Umlauf ebenfalls keine konkrete Begründung für die Spitzenposition der Prignitzer Polizisten beim Krankenstand hat, sieht er Erklärungsansätze. „Die Personalsituation ist bei uns eine besondere. Wir haben, vergleicht man die Polizeiinspektionen der Polizeidirektion Nord, die wenigsten Kollegen im Wach- und Wechseldienst und damit wenig Planungsspielräume.“ Von 100 seien derzeit nur 88 Stellen besetzt. Doch jede Schicht muss mit einer Mindestzahl an Polizisten besetzt sein, um die notwendige Anzahl an Streifenwagen auf die Straße zu bekommen. Das heißt, die Belastung wird auf wenige Schultern verteilt. „Wenn dann noch jemand ausfällt, muss ein anderer Kollege wieder ran. Das wirkt sich unter bestimmten Umständen wieder auf dessen Gesundheit aus. Jeder Ausfall zählt bei einem kleinen Personalbestand doppelt“, erklärt Umlauf den Teufelskreis. Aktuell sind 7930 Polizisten in der Mark im Dienst – ein Tiefststand. Für kommendes Jahr sind im Landeshaushalt 8250 Stellen eingeplant. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für Dieter Umlauf. „Ab 1. Oktober bekommen wir drei Absolventinnen der Polizeifachhochschule für den Wach- und Wechseldienst. Als kleinste Dienststelle sind wir da im Rahmen der Personalzuweisungen innerhalb der Polizeidirektion Nord schon überdurchschnittlich berücksichtigt worden. Dafür bin ich unserem Direktionsleiter, Herrn Halle, sehr dankbar“, erklärt Umlauf. Sein Wunsch sei, den Krankenstand auf den Landesdurchschnitt abzusenken. Dieter Umlauf ist jetzt mit seinen Führungskräften im Gespräch und möchte natürlich herausfinden, wo mögliche Ursachen für die krankheitsbedingten Ausfälle liegen. „Die Ausfälle äußern sich meistens in Form von körperlichen Beschwerden und natürlich ist da auch schon mal eine Erkältung dabei. Nicht vergessen möchte ich aber auch psychische Belastungen nach Einsätzen. Das wird dann bei leichteren Fällen im Team besprochen. In schweren Situationen steht unseren Kollegen auch professionelle Hilfe zur Seite.“ Vier Psychologen stehen als Teil des Polizeiärztlichen Dienstes für Beratung und Gespräche bereit.

Darüber hinaus, erklärt Ministeriumssprecher Decker, seien alle Polizisten verpflichtet, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und nach Möglichkeit zu steigern. „Dazu ist beispielsweise jährlich ein Sportleistungstest zu absolvieren. Dieser ist Dienstpflicht und erfolgt in Form eines zwölfminütigen Ausdauerlaufs, bei dem eine maximal mögliche Strecke zurückzulegen ist. Präventionskuren und gesundheitsorientierte Fortbildungen seien freiwillig. 

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