zur Navigation springen
Der Prignitzer

24. November 2017 | 05:09 Uhr

Prignitzer meiden Döner

vom

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2013 | 07:57 Uhr

Prignitz | "Erst BSE, dann Gammelfleisch, schließlich Vogelgrippe, Ehec-Gurken und nun Pferdefleisch. Jedes Jahr gibt es einen neuen Skandal", beklagt Asar Khalid-Elnaji, Betreiber des Dönerladens Habibi in der Perleberger Straße in Wittenberge. Normalerweise sei sein Imbiss zur Mittagszeit gut besucht. Vor allem Arbeiter kommen dann zum Essen. Doch seit etwa zwei Wochen ist die Nachfrage nach den gefüllten Brottaschen stark zurück gegangen, berichtet Khalid-Elnaji. Schuld daran sei der Pferdefleischskandal.

"Alle Dönerläden in der Gegend haben Probleme durch diese Sache. Wir machen im Moment 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz", so Asar. Vor 14 Jahren hat er sich der gelernte Kfz-Mechaniker auf Döner spezialisiert. Seitdem achte er besonders auf die Qualität des Nahrungsmittel.

Als Moslem würde der gebürtige Palästinenser aus religiösen Gründen selber kein Pferdefleisch essen. Dass sein Döner-Spieß ausschließlich aus Kalbsfleisch besteht, sei daher eine Herzensangelegenheit für ihn: "Ich stehe mit meinem Namen dafür, dass in meinen Produkten kein Pferdefleisch und auch kein Schweinefleisch steckt", bekundet er. Seine Spieße kämen aus Berlin von einem muslimischen, türkischen Schlachtbetrieb. Zwei Mal die Woche würden dort durchs Gesundheitsamt Kontrollen durchgeführt werden, erklärt Asar. "Die Hygienebedingungen in der Dönerverarbeitung sind sehr streng. Ich vertraue meinem Lieferanten", sagt er.

Orhan Aydin vom Zaza-Grill in Perleberg berichtet ebenfalls von weniger Kundschaft: "Der Pferdeskandal hat uns fertig gemacht", sagt er. Seit vier Jahren betreibt er den Dönerladen. "Die Leute haben Angst. Was die Medien berichten, ist eine Katastrophe", so seine Meinung. Dabei seien seine Kalbs- und Hähnchen-Spieße eindeutig frei von Pferdefleisch versichert er. Erst vor zwei Monaten habe er die Produktionsstätten in Berlin besichtigt. "Wir vertrauen der Firma und essen auch selber das Fleisch", so Aydin. Außerdem soll der Lieferant durch das Gesundheitsamt kontrolliert worden sein. Pferde-DNA wäre nicht gefunden worden, nennt Aydin das Ergebnis.

Auch der Döner-Spieß im Dilan-Grill in Perleberg ist frei vom Ross, beruhigt der Inhaber Seuket Taskiran. Der Moslem hatte aufgrund der Schlagzeilen seit Tagen selber kein Fleisch mehr gegessen. Zu groß sei seine Verunsicherung gewesen, denn: "Man steckt nicht drin", gibt er zu. Vor zwei Tagen hätte er die Garantie von seinem Berliner Zulieferer bekommen, dass nur Kalb verarbeitet wurde. Seither ist er wieder Fleisch. Nun hofft er, dass auch das Vertrauen der Gäste zurück kommt. Seitdem das Thema Pferdefleisch durch die Medien geht, gehen bei ihm weniger Döner über die Ladentheke.

Das griechische Restaurant "Pegasus" in Perleberg ist ebenfalls durch den Skandal betroffen. Die Inhaberin Christina Iosi sidou berichtete, es würden etwas weniger Gäste kommen, als üblich. Dabei versichert sie, beziehe das Lokal nur reines Fleisch vom Lieferanten. "Hauptsächlich verarbeiten wir Schweinefleisch, Ziege und Lamm. Pferdefleisch würde man da erkennen", sagt Iosisidou Das in vielen Gerichten verwendete Hack, stelle das Restaurant selber her.

Keine Einbuße durch den Skandal vermeldet der Betreiber des Imbiss "Döner-Perleberg", Hayri Ilksoy. "Wir haben zum Glück keine Probleme. In Berlin sieht das ganz anders aus. Aber ich frage mich, wieso diese Skandale immer wieder auftreten. Wollen die die Dönerläden kaputt machen?", fragt er verärgert.

Auch der Döner-Imbiss am Bahnhof in Wittenberge vermeldet keinen Rückgang an Kundschaft. "Viele Leute nehmen das nicht so ernst und machen eher einen Spaß draus", berichtet Inhaber Mohamad el-Jalil. So sei bei ihm schon ein Döner mit Pferdefleisch bestellt worden. Das gebe es natürlich nicht, versichert er. "Pferd kommt bei uns nicht in den Döner. Das wurde von unseren Zulieferern bescheinigt." Genau wie seine Kollegen hofft er, dass das Thema bald in Vergessenheit gerät. Doch die Dönerbetreiber sind sich sicher, fasst Asar Khalid-Elnaji zusammen: Der nächste Skandal kommt bestimmt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen