Prignitzer Lehrer protestieren in Potsdam

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05. März 2013, 06:30 Uhr

Prignitz / Potsdam | Mehr als 1000 Pädagogen aus dem Schulamtsbereich Perleberg werden sich heute im Anschluss an Personalversammlungen auf den Weg nach Potsdam machen. Dort ist am Nachmittag ein Protestmarsch mit Start vor dem Dienstsitz von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) geplant, zu dem insgesamt rund 8000 Lehrer erwartet werden. Das kündigt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an. "Wir wollen unseren Forderungen aus dem Herbst vergangenen Jahres Nachdruck verleihen", sagte gestern Personalratsvorsitzender Frank Klakow im Gespräch mit dem "Prignitzer".

Zu wenig Lehrer, Stundenausfall, Vertretungen, Klassenverlegungen an eine andere Schule, pensionierte Kollegen werden ersatzweise zurück geholt - über diese und ähnlich gelagerte Probleme berichtete der "Prignitzer" in den zurückliegenden Wochen mehrfach. "Uns geht es vordergründig um bessere Arbeitsbedingungen, weniger um finanzielle Forderungen", macht Frank Klakow deutlich. Die Lehrer- und Personalräte Brandenburgs hatten 2012 eine Potsdamer Erklärung verfasst und riefen bereits am 22. November zu Personalversammlungen auf. Rund 2000 Pädagogen nahmen seinerzeit aus dem Bereich des Perleberger Schulamtes, zu dem die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel gehören, teil. Die Versammlung fand damals in Neustadt/Dosse statt. Heute sind die Zusammenkünfte ab 13 Uhr in Neuruppin am Schinkel-Gymnasium sowie in Hennigsdorf am Oberstufenzentrum. Anschließend, so Frank Klakow, gehe es weiter in die Landeshauptstadt. Allein 600 Kollegen seien aus Prignitz und Ostprignitz-Ruppin bei der Demonstration vertreten. Die Betreuung der Schüler sei - im Unterschied zum November 2012 - heute ab der dritten Stunde weitestgehend flächendeckend abgesichert.

Jeder Lehrer dürfe an Personalversammlungen teilnehmen, der Rechtsanspruch ist im Personalvertretungsgesetz formuliert, so Klakow. Die anschließende Demonstration in Potsdam finde in der Freizeit der Lehrer statt. Es handele sich also heute nicht um einen Streik, wie mitunter fälschlicherweise verlautbart wurde. Die märkischen Lehrergewerkschaften drohen indes mit einem Arbeitskampf bis zu den Landtagswahlen Ende 2014, wenn sich Arbeitsbedingungen und Entlohnung bis dahin nicht spürbar verbessern. "Wir verlangen 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr für 800 bis 1000 neue Lehrer", sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs in Potsdam. Um der Überalterung zu begegnen, müssten zusätzlich noch einmal 1200 neue Stellen geschaffen werden.

Die Landesregierung habe sich bisher nicht einen Millimeter bewegt. "Wie sollen sich junge Leute für Brandenburg entscheiden, wenn Kollegen in Bayern oder Baden-Württemberg schon beim Einstiegsgehalt bis 520 Euro mehr bekommen?", fragte Katrin Wiencek vom Philologenverband. Lehrer im Land müssten zudem im Schnitt bis zu 47 Stunden in der Woche arbeiten. "Viele sind am Ende", stellt Hartmut Stäker vom Brandenburgischen Pädagogen-Verband klar. Vier Prozent der Lehrerschaft seien dauerkrank, die Vertretungsreserve betrage nur drei Prozent.

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