Windkraft : Prignitzer Firma stellt Lichtermeer ab

Mit Probebohrungen werden derzeit die erforderlichen Daten für ein Bodengutachten zusammengetragen.
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Mit Probebohrungen werden derzeit die erforderlichen Daten für ein Bodengutachten zusammengetragen.

Belastungen für Anwohner sinken – Naturschutzaspekte werden mit dieser neuen Technik berücksichtigt

svz.de von
28. Juni 2016, 12:00 Uhr

Ein Radarturm entsteht bis September neben dem Eingang zum Waldlehrpark. Dort begannen erste Bohrungen für die Errichtung eines 43 Meter hohen Gittermastes. Zunächst werde die Tragfähigkeit des Bodens über ein Gutachten geprüft, um die Fundamente exakt berechnen zu können, sagte der Geschäftsführer der Firma QV Lux, Albrecht Graf Wilamowitz-Moellendorff. Der Mast nimmt ein Radar zur Luftraumüberwachung des dänischen Herstellers Terma auf. Etwa zwölf Kilometer in jeder Richtung können Fluggeräte in Höhen von 70 bis 300 Metern geortet werden.

Die Firma QV Lux mit Sitz auf Gut Krampfer will mit dem Pilotprojekt in der Region die technischen Voraussetzungen schaffen, um die Warnbeleuchtung von bis zu sechs umliegenden Windparks nachts zu unterdrücken. Diese sollen ab September schrittweise aufgeschaltet werden. Dabei geht es um Anlagen in den Bereichen Schrepkow, Klein Woltersdorf, Kuhsdorf/Kuhbier, Sadenbeck und Schönhagen. Auch das Planungsgebiet Krampfer-Reckenthin befindet sich in Reichweite.

„Der Weg zu dem Projekt wurde im Vorjahr durch die Änderung der betreffenden allgemeinen Verwaltungsvorschrift geöffnet“, sagte Albrecht Graf Wilamowitz-Moellendorff. „Unser Pilotprojekt wird vom Land Brandenburg und den Behörden vor Ort unterstützt. Um die Möglichkeit zu nutzen, muss sichergestellt werden, dass die Warnbeleuchtung sofort aufflammt, wenn ein Fluggerät, beispielsweise ein Rettungshubschrauber, in diesen Bereich einfliegt.“

Das dänische System rechnet dabei die Windkraftanlagen mit ihren drehenden Rotorblättern als angezeigte Objekte heraus, so können auch mehrere Windparks überwacht werden.


System funktioniert nur bei neuen Anlagen


Die Beleuchtung wird nicht abgeschaltet, sondern nur unterdrückt. Wiederholt sich das entsprechende Signal nicht alle zwei Sekunden, flammt die Beleuchtung wieder auf. Wird ein Fluggerät entdeckt, werden die Lichter ausschließlich auf dessen Kurs aktiviert.

Der Geschäftsführer sieht Vorteile in wegfallenden Blinklicht-Belastungen für Anwohner und Aspekten des Naturschutzes. Das Licht ziehe Insekten an, denen Vögel auf der Nahrungssuche folgten und in den Bereich der Rotoren kommen können. Das System könne so die Akzeptanz für Windkraftanlagen in der Bevölkerung erhöhen. Es kann aber nur für neue Anlagen genutzt werden, eine Umrüstung älterer sei technisch kaum möglich. QV Lux will die Systeme vorrangig in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt aufbauen.

Neben neuen Windparks setzt das Unternehmen auf Repowering-Projekte, den Ersatz von Altanlagen durch neue, leistungsfähigere. Dabei sinkt die Zahl der Windräder, aber die Gesamtleistung steigt deutlich. Zudem sind neue Anlagen, weil langsamer laufend, auch leiser. Vorbereitet wird ein Repowering-Projekt derzeit in Karstädt.  

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