Prignitz verliert beim Spargelanbau

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16. Mai 2011, 07:28 Uhr

Prignitz | Kein anderes Bundesland produzierte in den vergangenen Jahren mehr Spargel als Brandenburg. 2008 erreichte das Land mit 3080 Hektar Spargelanbaufläche den ersten Platz in Deutschland.

Spargel aus dem Westen Brandenburgs ist aber spärlich. Nur zwei Unternehmen aus der Prignitz bieten ihn noch an: Die Prignitz-Frucht Obstproduktion GmbH und die Floradienst GmbH aus Perleberg. Grund: Die Absätze hätten sich verringert, viele Spargelbauern mussten aufgeben.

"Der Druck aus den größeren Anbaugebieten ist sehr groß", sagt Detlef Kamanek von der Prignitz-Frucht Obstproduktion GmbH, die fünf Hektar in Perleberg und weitere fünf bei Babekuhl anbaut, das Edelgemüse direkt vermarktet. Seit mehr als 15 Jahren ist das Unternehmen im Geschäft, doch der "Absatz hat sich drastisch verringert."

Spargelstände gebe es in der Prignitz zwar genug, das Gemüse käme aber zum Teil aus der Altmark und aus dem Großraum Berlin. Bei dieser Konkurrenz setze Kamanek auf Frische, die beim Kunden gut ankäme.

Ähnliche Ansichten vertritt André Freier, Chef der Floradienst GmbH Spargel, die drei Hektar in Perleberg bewirtschaftet. "Die Preise werden gedrückt", sagt auch er. Doch bislang lohne sich das Geschäft mit dem beliebten Gemüse, weil das Unternehmen direkt vom Feld verkaufe. "Wir haben keine Lager- und Kühlmöglichkeiten und deshalb auch nicht diese Kosten", begründet Freier.

Aufgegeben hat der Spargelhof Vettin, der auf 40 Hektar Spargel anbaute und selbst vermarktete. Auch Familie Schneider aus Kuhbier hat ihren Anbau eingestellt.

In Deutschland werden jährlich über 90 000 Tonnen des königlichen Gemüses in der Saison von April bis Ende Juni geerntet und verspeist. Doch nach wie vor gibt es die traditionellen Spargelregionen, in denen besonders viel Stangengemüse wächst. Neben Brandenburg sind Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen führend. Die größte Dichte an Spargelfeldern im Verhältnis zur Gesamtfläche wies zum Zeitpunkt der jüngsten vollständigen Gemüseanbauerhebung 2008 jedoch die Region um das hessische Darmstadt auf. Auf 16,6 Prozent des Stadtgebiets wuchs Spargel. Im umliegenden Darmstadt-Dieburg-Kreis waren es immerhin 14,2 Promille, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes ergaben.

Insgesamt wurde das weiße und grüne Stangengemüse 2008 auf 0,61 Prozent des Bundesgebiets angebaut. Der brandenburgischen Kreis Potsdam-Mittelmark konnte mit 2359 Hektar die deutschlandweit insgesamt größte Anbaufläche vorweisen (9,2 Prozent der Fläche). Dort sorgen wasser- und luftdurchlässige Böden an sonnigen Standorten für gute Ernten. Spätfrost und Nässe sind hingegen Gift für das Gedeihen des Gemüses.

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