Prignitz ist Spitze bei Ökostrom

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18. November 2010, 07:27 Uhr

Prignitz | Der Landkreis Prignitz ist deutschlandweit Spitzenreiter bei der Erzeugung alternativer Energien und produziert zum Beispiel mehr Strom als Nordfriesland mit dem Windpark in der Nordsee.

Im vergangenen Jahr speisten insgesamt 900 Anlagen aus Wind, Biomasse, Solarenergie, Gas, und Wasserkraft knapp 1,1 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz ein. Das entspricht 204 Prozent des Primärenergieverbrauchs in der Prignitz, denn der lag 2009 bei einer guten halben Milliarde Kilowattstunden.

Um die Folgen des weiteren Ausbaus der Energieanlagen auf Wirtschaft, Infrastruktur, Umwelt und Bevölkerung zu erfassen, soll ein Energiekonzept für die Prignitz erstellt werden. Der Wirtschaftsausschuss des Kreistages befürwortete auf seiner Sitzung in Pröttlin eine Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung im Dezember, Fördermittel für die Erarbeitung eines solchen Konzept zu beantragen.

"Der hohe Anteil alternativ erzeugter Energie kommt uns in der Prignitz nicht zugute", machte Edelgard Schimko, Leiterin des Geschäftsbereichs II der Kreisverwaltung, auf der Sitzung einen Widerspruch deutlich. Denn mit 811, 905 und 971 Euro liegen die Stromkosten für einen durchschnittlichen Haushalt in Pritz walk, Perleberg und Wittenberge weit über dem, was in Berlin (672 Euro), Stuttgart (707) Dresden (804) oder Hamburg (667) zu zahlen ist.

Als einen Grund nannte sie die hohen Netzausbaukosten, die regional auf die Verbraucher umgelegt werden und den Strompreis in die Höhe treiben. "Diese Lasten müssen solidarisiert, also bundesweit von allen getragen werden. Dafür muss es klare gesetzliche Regelungen geben, denn die Klimaziele sind Bundesziele", stellte Schimko klar.

Mit dem angestrebten Energiekonzept, das eingebunden werden soll in ein Gesamtkonzept der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel, sei zu analysieren, "wie viel alternative Energie die Prignitz noch verträgt", so Schimko. "Wir sind auf gar keinen Fall gegen deren Erzeugung, wollen aber, dass der Ist-Stand berücksichtigt wird", hieß es mit Verweis auf die bundesweite Spitzenposition der Prignitz. Ist doch hier das Landesziel, bis 2020 einen Anteil von 20 Prozent des Primärverbrauchs durch erneuerbare Energien zu gewinnen, bereits mehrfach übererfüllt. Doch gibt es kaum Eigenversorgung, und das Hauptproblem der Speicherung ist bundesweit noch nicht erforscht. Ein weiterer Ausbau würde noch mehr Netzausbaukosten, zunehmende Verkehrsbelastungen durch Biogasanlagen, die Gefahr von Monokulturen - die Maisanbaufläche hat sich seit 1999 auf 24 000 Hektar verdoppelt - und Störungen der Kulturlandschaft mit sich bringen.

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