Hochwasser Prignitz : Präziser Schutz vor der Flut

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Landkreis hat seit gestern ein neues Hochwasserschutz-Handbuch / Detailliertes Zahlenwerk hilft künftig dem Krisenstab

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12. März 2015, 20:00 Uhr

Präzise wie nie zuvor kann der Landkreis im Falle eines Elbhochwasser auf die jeweilige Lage reagieren bzw. sich vorbereiten. Grundlage dafür ist das von 2007 aktualisierte Hochwasserschutz-Handbuch, welches gestern an Landrat Torsten Uhe (parteilos) übergeben wurde.

Das Buch bedeutet für den Krisenstab eine völlig neue Arbeitsgrundlage, die auf umfassende und aktualisierte Daten beruht. Das beauftragte weltweit tätige Ingenieurbüro Arcadis hat für seine Analysen die zahlreichen Deichbaumaßnahmen seit 2007 genauso berücksichtigt, wie die Erfahrungen aus dem Hochwasser 2013 mit seinem historischen Pegelrekord von 7,85 Meter in Wittenberge.

„Für 75 Kilometer Deichlänge haben wir die Daten aktualisiert“, sagte Arcadis-Mitarbeiter Dennis Soldner. Geländeprofil, Deichhöhen, Zufahrten, nannte er als Beispiele. In Wittenberge wurden mit den jüngsten Erfahrungen die neuralgischen Punkte Industriegebiet Süd, Rehwischdeich und Veritasgelände völlig neu bewertet. Weitere Schwerpunkte waren beispielsweise der Königsdeich, der Abschnitt Wittenberge-Hinzdorf, Weisens Deich oder das Rückverlegungsgebiet bei Lenzen.

Erstmals konnten für das neue Handbuch die vollständigen Daten des digitalen Höhenmodells verwendet werden, die 2007 noch nicht vorlagen. Alle erfassten und teilweise vor Ort mit Fotodokumentationen überprüften Angaben münden in konkrete Handlungsanleitungen. So können beispielsweise zu bestimmten Deichabschnitten Handouts für die Einsatzkräfte ausgedruckt werden. Insbesondere bei einer fehlenden Ortskenntnis seien die eine wertvolle Hilfe: „Wie komme ich an den Deich, Restdeichhöhe, Böschungsneigung – all diese Informationen enthalten sie“, so Soldner.

Digital sei das Buch so angelegt, dass diese Handouts der jeweils aktuellen Situation angepasst werden. Steigt oder fällt der Pegel, können alle damit verbundenen Informationen ohne großen Aufwand aktualisiert werden. Das war bisher so nicht möglich“, erklärt Soldner.

Ergänzend zu den bereits bestehenden acht Deichbruchszenarien hat das Büro drei neue erarbeitet: Rehwischdeich, Straßendeich Breese, Veritasgelände. Ausgehend von 7,99 Meter am Pegel Wittenberge zeigen sie detailliert, was bei einem Bruch passieren würde, wohin das Wasser läuft. Die Modelle simulieren die Situation jeweils im Stundenrhythmus bis maximal 24 Stunden nach dem Ereignis.

„Für uns ist das die Grundlage für Entscheidungen, welche Straßen evakuiert werden müssen“, sagt Landrat Uhe. Beim Hochwasser 2013 habe es in diesem Punkt noch erhebliche Unsicherheiten im Krisenstab gegeben.

Das Handbuch sei ebenfalls eine Arbeitsgrundlage für andere Bereich der Kreisverwaltung, zum Beispiel für das Veterinäramt oder die Denkmalbehörde. Sie könnten an den Karten ablesen, wo eventuell Tierbestände oder Denkmale vom Wasser bedroht sind und können dann den Krisenstab gezielt um Hilfe bitten.

Laut Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Katastrophenschutz, habe die Prignitz als einziger Landkreis in Brandenburg ein solches Handbuch. Die Kosten sollen sich im unteren fünfstelligen Bereich bewegen. „Hochwasserschutz ist jeden Euro wert“, kommentierte der Landrat. 

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