Restaurierung in Rühstädt abgeschlossen : Prachtvolle 2,06 Meter

Mit vereinten Kräften bringen Restauratorin Andrea Grund (M.), Gordon Thalmann von der Denkmalpflege (l.) und Pfarrer Norbert Merten (hinter Thalmann), den Beschlag an. Rühstädts Bürgermeisterin Heike Warnke freut sich über das gelungene Projekt.
Mit vereinten Kräften bringen Restauratorin Andrea Grund (M.), Gordon Thalmann von der Denkmalpflege (l.) und Pfarrer Norbert Merten (hinter Thalmann), den Beschlag an. Rühstädts Bürgermeisterin Heike Warnke freut sich über das gelungene Projekt.

Der vergoldete Sargdeckelbeschlag von Friedrich Wilhelm von Grumbkow erstrahlt nach Restaurierung in neuem Glanz

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16. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Ein kleines Schmuckstück ist nun wieder in die Rühstädter Kirche zurückgekehrt: der Beschlag des Sargdeckels von Friedrich Wilhelm von Grumbkow. Die Verzierung hing seit vielen Jahren im Inneren des Gotteshauses an der Wand nahe der Kanzel.

Doch der Zahn der Zeit nagte an dem gravierten und vergoldeten Kupferblech. Es musste restauriert werden. „Der Beschlag war einfach unansehnlich“, bringt es Rühstädts Bürgermeisterin Heike Warnke auf den Punkt. Die Diplom-Restauratorin Andrea Grund aus Klein Grabow bei Krakow am See nahm sich der Sache an. „Der Beschlag wies eine aktive Korrosion auf“, berichtet sie, während sie auf einige Fotos deutet. Der Laie sieht dunkle, teilweise grünliche Flecken, wo eigentlich das vergoldete Kupfer schimmern sollte.

Etwa ein halbes Jahr arbeitete Andrea Grund an dem 2,06 Meter langen Objekt. Sie brachte ein mikrokristallines Korrosionsschutzwachs auf. Doch vorher musste sie eine farblose Lackschicht entfernen, mit der der Sargdeckelbeschlag überzogen worden war. „Das ist wahrscheinlich bei der Umbettung aus der alten Gruft unter der Kirche in den Anbau gemacht worden“, vermutet die Restauratorin. Dieser Gruftanbau befand sich an der Nordwand und musste während der Renovierung 1961/62 abgerissen werden. „Die Feuchtigkeit zog ins Mauerwerk und drohte die Kirchenwand zu beschädigen“, berichtet Heike Warnke. Die sterblichen Überreste von Grumbkows und seiner Frau Sophia Charlotta wurden auf dem Friedhof beigesetzt.

Der Beschlag wurde damals in die Kirche gebracht und an der Wand befestigt. Darauf zu sehen ist unter anderem das Wappen von Grumbkows – ein Schild mit einem Pfeil – und eine Inschrift, die die Ämter und Posten des Verstorbenen aufzählt. „Hochbestallter General-Feld-Marschall“, „wirklichergeheimer Etats und Kriegsrath“, „Oberster über ein Regiment zu Fuß“ und auch „Ritter des Russisch-Kayserlichen Ordens Sanct Andrae“ war der gebürtige Berliner, der am 4. Oktober 1678 das Licht der Welt erblickte und und am 18. März 1739, ebenfalls in Berlin, starb. Der Überlieferung nach wurde Friedrich Wilhelm von Grumbkow für seine Intrigen von vielen gehasst und gefürchtet. Doch der Minister und engste Berater des Soldatenkönigs, Friedrich Wilhelm I., war für diesen unverzichtbar. Zum Dank für sein Engagement erhielt von Grumbkow vom Monarchen im Jahr 1719 das Gut Rühstädt, das er maßgeblich gestaltete. So ließ er das dreiflügelige Schloss mit Park und einem Obelisken errichten. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Kirche eine Patronatsloge und einen Turm hat. Seine Frau Sophia Charlotta stiftete dem Gotteshaus aus ihren eigenen Mitteln die Wagner-Orgel.

Bezahlt hat die etwa 1000 Euro teure Restaurierung die Kirchengemeinde. „Der Betrag beinhaltet eine Voruntersuchung, die Restaurierung und einen Bericht“, erklärt Pfarrer Norbert Merten. Nach wenigen Minuten war der Sargdeckelbeschlag an der Wand angebracht. „Jedes Stück, das man restauriert, ist etwas Besonderes“, sagt Andrea Grund. Für die Kirchengemeinde hat sie noch einen wichtigen Pflegehinweis. „Bitte nur trocken, am besten mit einem Staubwedel, an den Beschlag gehen. Kein Wasser verwenden.“

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