Post: Treff bereits 400 Jahre vor Christi

<strong>Die beiden Fundstellen,</strong> die auf das Parchimer Stadttor und die Stadtmauer hindeuten. Dr. Uschmann (vorn) und Student Peter Döhring, bei der Arbeit an je einem Fundort. <fotos>Doris Ritzka</fotos>
Die beiden Fundstellen, die auf das Parchimer Stadttor und die Stadtmauer hindeuten. Dr. Uschmann (vorn) und Student Peter Döhring, bei der Arbeit an je einem Fundort. Doris Ritzka

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30. Juli 2012, 06:11 Uhr

Perleberg | Feldsteine in Kalksandmörtel gefasst - der Fund sieht auf den ersten Blick alles andere als spektakulär aus. Archäologe Dr. Kay-Uwe Uschmann von Archäologischen Grabungs- und Forschungsservice archaeofakt vermutet aber, Am Hohen Ende in rund 1,30 Metern Tiefe auf Reste des alten Parchimer Stadttores gestoßen zu sein und wahrscheinlich auch auf Rudimente der Stadtmauer.

Derzeit werden in diesem Bereich die Versorgungsleitungen saniert, bevor dann der eigentliche Straßenbau folgt. Die Archäologen begleiten dabei das komplette Baugeschehen, so lange es in die Tiefe geht.

Gleich zwei Fundstellen haben Dr. Uschmann und Peter Döhring, Student der Ur- und Frühgeschichte in Berlin, gestern aufzunehmen und zu dokumentieren. Die massiven Feldsteinfunde in besagter Kalksandmörtelfassung, was von sehr hoher Qualität sei, so der Archäologe, sprechen dafür, dass es sich um den Hauptbereich des Stadttores handeln könnte. Der zweite Fund, Backsteine ebenfalls in Kalksandmörtel gefasst, lasse sich bis dato noch nicht eindeutig zuordnen. All das werde jetzt exakt dokumentiert und einem Puzzle gleich zusammengefügt, um daraus dann entsprechende Schlussfolgerungen ableiten zu können. Denn angedacht ist, wie bereits in der Wittenberger Straße, den Standort des alten Stadttores wieder in der farblichen Gestaltung des neuen Straßenpflasters nachzuempfinden. Besagtes Stadttor wurde 1829 abgerissen, da es ein Hindernis für den Verkehr darstellte.

Außer Zweifel aber stehe, Am Hohen Ende ist ein sehr geschichtsträchtiger Bereich. Denn unmittelbar vor der alten Post sei man bereits auf eine sogenannte Kulturschicht gestoßen. "Dabei handelt es sich", so Dr. Uschmann, "um einen Weghorizont", das heißt einen mit Knochen, Holzstückchen und dergleichen befestigten Weg. Das belegen die Funde.

Noch interessanter wird es darunter. Denn in rund 2,40 Metern Tiefe sei man auf zwei urgeschichtliche Gruben gestoßen. Die könne man der Eisenzeit zuordnen. Das heißt, 400 Jahre vor Christi haben sich hier bereits Menschen getroffen, sei dieser Bereich besiedelt gewesen, so Dr. Uschmann. Gefunden habe man Keramik, die aber noch nicht genauer zu datieren sei. "In diesem Bereich wurde die Schmutzwasserleitung, der am tiefsten liegende Versorger, erneuert. So sind wir auf die Gruben gestoßen." Auch sie wurden dokumentiert, dann die neuen Leitungen verlegt und alles wieder geschlossen.

Im Verlauf der Straße Am Hohen Ende rechnen die Archäologen noch mit mehr. "Unter Umständen noch mit zwei Vortoren. Es könnte sich da um eine doppelte Zollstelle gehandelt haben, eine für die Brücke und die zweite für die Stadt", mutmaßt Dr. Uschmann.

Übrigens, Mitarbeiter von archaeofakt Döhner, Schirmer &amp; Uschmann GbR sind derzeit vor allem in Berlin tätig, aber auch in Albanien. Im Zusammenwirken mit dem Deutschen Archäologischen Institut Rom wird hier ein griechisch-römisches Theater, das in den Berg hinein gebaut wurde, teilweise erforscht und stabilisiert.

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