Perleberg : Positive Standortbestimmung

Blick auf das Podium zum Thema „Strukturen entzerren und Institutionen vernetzen“ mit Moderator Helmut Seidenbusch (Mitte).
Blick auf das Podium zum Thema „Strukturen entzerren und Institutionen vernetzen“ mit Moderator Helmut Seidenbusch (Mitte).

Fachtagung der Lotte Lehmann Akademie bringt neues Netzwerk zur Förderung des Opern-Nachwuchs auf den Weg.

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20. November 2018, 05:00 Uhr

In zwei Dingen waren sich alle Beteiligten der Fachtagung der Lotte Lehmann Akademie einig: Sie alle lobten, dass eine derartige Veranstaltung in Perleberg organisiert wurde. In gleichem Maße kritisierten sie die Politik des Landes, die durch Abwesenheit glänzte. Sie gehört hier eindeutig mit an den Tisch, so der einheitliche Tenor im abschließenden Pressegespräch.

Zwei Tage war die Rolandstadt Gastgeber zahlreicher Experten von Musikhochschulen, Theatern, Agenturen, aus Wirtschaft und Sport, um gemeinsam mit Interessierten über die Nachwuchsförderung Oper im 21. Jahrhundert zu diskutieren.

Frank Hilbricht, Professor an der Universität der Künste in Berlin und Regisseur, brachte es am Ende auf den Punkt: „Wie bekommen wir einen Lotte-Lehmann-Nachfolger gebacken?“, so seine große Abschlussfrage mit Blick auf Lehmanns großes Engagement bei der Nachwuchsförderung. Die Frage bleibt unbeantwortet. Dennoch hat die Fachtagung einiges in Bewegung gebracht. „Wir haben hier eine Vernetzung auf den Weg gebracht“, sagt Helmut Seidenbusch von der Bertelsmann-Stiftung. „Denn so ein Expertenkreis kommt eigentlich nie in dieser Runde zusammen, um sich auszutauschen.“ Und genau diesen in Perleberg erfolgten Erfahrungsaustausch wollen die Teilnehmer nutzen, um das System zu verändern, ein System, „durch das Begabungen verloren gehen“, wie Caroline von Wolff von der Augenklinik Groß Pankow sagte. Sie hatte als Gesprächspartner aus der Wirtschaft an dieser Runde teilgenommen.

„Wir waren hier eine tolle Gruppe an Diskutanten“, fasst Frank Hilbrich das Treffen zusammen. „Es war sehr wertvoll in dieser Konstellation zusammenzukommen. Und wir sind uns in vielen Dingen einig.“ Und jetzt, wo man sich kennengelernt habe, sei in der Zukunft auch ein Zusammenspiel möglich. Er könne sich vorstellen, dass aus der Fachtagung heraus einige Kooperationen entstehen könnten.

Aber auch um Forderung an die Politik aufzumachen. „Kulturpolitik ist gefragt, um sich einmal ein Bild über die Situation zu machen“, so Hilbrich. Es könne nicht sein, dass Schauspieler und Sänger sehr schlecht bezahlt würden.“ Deshalb hoffen alle, dass die Landespolitik bei der nächsten Fachtagung dabei sein wird. Und mit dieser Hoffnung unterstrichen die Experten auch, dass eine solche wieder stattfinden sollte.

Somit war dieses Treffen für Angelo Raciti, den künstlerischen Leiter der Lotte Lehmann Akademie, eine positive Bestandsaufnahme. Frank Hilbrich ist „von der Ernsthaftigkeit der Akademie beeindruckt“. „Es ist ein Partner, mit dem wir weiter zusammen arbeiten sollten.“ Und die Dirigentin, Pianistin und Conferencieuse Ansi Verwey sieht die Perleberger Sommerakademie als eine Chance für junge Sänger, „die sich umorientieren wollen und eine Auszeit brauchen, fernab vom täglichen Theatertrubel“.

Im Brandenburgischen Kulturministerium sei die Absage der Ministerin „durch ein Versehen nicht rechtzeitig rausgegangen“, so Ministeriumssprecher Stephan Breiding gestern auf „Prignitzer-Anfrage. „Ministerin Münch wäre gerne zur Veranstaltung gekommen, insbesondere, weil sie die Lotte Lehmann Akademie als eindrucksvolles Perleberger Kulturprojekt mit überregionaler Strahlkraft sehr schätzt. Leider liefen parallel Sitzungen an denen die Minister Anwesenheitspflicht haben.“

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