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Polnische Arbeiter machen Bogen um Brandenburg

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erstellt am 27.Feb.2012 | 10:06 Uhr

Frankfurt | Die seit Mai 2011 geltende Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht östlichen EU-Staaten hat bisher keine wesentlichen Auswirkungen auf den Brandenburger Arbeitsmarkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen Ländern sei bis Januar 2012 lediglich um 850 gestiegen, sagte Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) gestern auf einer deutsch-polnischen Tagung in Frankfurt (Oder). Damit seien jetzt über 6 000 Arbeitnehmer aus Osteuropa - hauptsächlich aus Polen - in Brandenburg beschäftigt.

"In vielen Fällen erwiesen sich mangelnde Sprachkenntnisse als Hemmnis für eine Beschäftigung", sagte Baaske. Zudem gingen polnische Arbeitskräfte wegen der dort höheren Löhne eher nach Süd- und Westdeutschland. "Wir wünschen einen intensiven Austausch über die Grenze hinweg", sagte Baaske. Ein gemeinsamer Arbeitsmarkt solle zur Normalität werden. Das müsse aber gut organisiert werden. Brandenburg erhofft sich vor allem Zuwachs bei Fachkräften. "Mangelberufe" sind nach Angaben des Ministeriums insbesondere Ärzte, Apotheker und Krankenschwestern, aber auch Pädagogen und Ingenieure.

Allerdings gibt es auch in Polen zu wenig Fachleute. Brandenburg und die angrenzende Woiwodschaft Lubuskie hatten vor 14 Monaten zu dem Thema eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet. Sie stellte fest, dass die Zahl der Arbeitsangebote aus Deutschland in Polen stark gestiegen sei. Auch das polnische Interesse an einer Tätigkeit im Nachbarland sei groß, hieß es. Es werde aber nicht in die Tat umgesetzt.

Wer sich in Polen für eine Beschäftigung in Deutschland interessiere, habe zumeist eine niedrige Qualifikation und keine Sprachkenntnisse. So hatte es dort im Nachbarland vor Mai 2011 Ängste vor einem Exodus von Fachkräften gegeben. Diese Befürchtungen hätten sich aber nicht bewahrheitet, sagte der Vize-Marschall (Vize-Regierungschef) der Nachbar-Wojewodschaft Lebuser Land, Maciej Szykula. "Wir wollen uns nicht gegenseitig Fachkräfte abwerben, sondern uns austauschen und den gemeinsamen Arbeitsmarkt entwickeln", betonte Baaske. Um die Chancen dafür auszuloten, war im Dezember 2010 eine gemeinsame Arbeitsgruppe Brandenburgs mit dem Lebuser Land gegründet worden.

Wichtig sei noch mehr Information für polnische Interessenten, aber auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, sagte der Minister. Die Arbeitsgruppe beschloss gestern zudem eine intensivere Kooperation in der Berufsausbildung.

Baaske bekräftigte seine Forderung nach einem bundesweiten Mindestlohn. "Lohndrückerei darf es nicht geben, seriöse Unternehmen dürfen nicht durch schwarze Schafe benachteiligt werden", sagte er.

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