Polizist holt Tochter mit Dienst-Pkw ab

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07. Mai 2012, 07:15 Uhr

Wittenberge | Gegen einen Beamten der Polizeiinspektion Prignitz läuft eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Anlass sind Ereignisse auf dem Wittenberger Bahnhof am 27. April.

Der 27. April war ein Freitag. Nachmittags gegen 17.15 Uhr hatte David Leu auf dem Bahnhof zu tun. "Was ich dort erlebte, hat mich verblüfft und dann richtig geärgert", sagt der junge Mann. Deshalb hat er nach eigenen Worten nicht nur die Polizeiinspektion in Perleberg informiert, sondern den Vorfall auch öffentlich gemacht über die Zeitung.

Was ist geschehen?

David Leu beobachtete nach eigenen Worten an besagtem Nachmittag einen Polizeiwagen mit zwei Beamten an Bord, der vor dem Bahnhof stand. Daran wäre eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn die Polizisten im Dienst auch hier nach dem Rechten schauen. Weshalb hätten die Beamten dann aber nicht gehandelt, obwohl ein VW mit OHV im Nummernschild mehr als zehn Minuten auf dem Behindertenparkplatz stand, fragt sich Leu. Die jungen Leute in dem Wagen wollten augenscheinlich ein Mädchen vom Zug abholen. Er habe in dem VW keinen Behindertenparkausweis gesehen, schildert der Leser seine Beobachtung.

Wirklich erstaunt sei er dann aber gewesen, so Leu weiter, als auch in den Polizeiwagen ein Mädchen stieg, das mit dem Zug angekommen war.

Taxifahrer erinnern sich an Wortwechsel

Augenscheinlich wundert er sich nicht allein. Denn ein Taxifahrer hätte den Polizisten zugerufen: "Das ist doch eigentlich unser Job." Der Polizeibeamte habe geantwortet: "Man wird ja wohl noch seine Tochter abholen dürfen." Taxifahrer, die an jenem Freitag gegen 17 Uhr am Bahnhof standen, bestätigtem im Gespräch mit dem "Prignitzer" diesen Wortwechsel. Er sei ihnen auch deshalb so gut in Erinnerung geblieben, weil sie wegen des Verdienstes auf jede Fahrt angewiesen sind.

Der "Prignitzer" fragte bei der Polizeidirektion Nord in Neuruppin nach: Hat der Beamte recht, wenn er meint, er dürfe seine Tochter doch mal mit dem Streifenwagen abholen.

Eine konkrete Auskunft zu diesem Vorfall gibt es noch nicht. Aber grundsätzlich, so der erfuhr der "Prignitzer" gestern aus der Pressestelle, seien Privatfahrten nicht gestattet. Diese Auskunft erfolgte ohne Bezug auf den Vorfall am Wittenberger Bahnhof. Auf diese Feststellung legt die Pressestelle wert.

Zu dem Vorkommnis am 27. April hat laut Pressesprecherin Ulrike Glanz von der Polizeidirektion Nord die Inspektion in Perleberg eine Dienstaufsichtsbeschwerde aufgenommen, "die zur Bearbeitung an den Stabsbereich Recht der Polizeidirektion Nord abgegeben wurde". Wie Ulrike Glanz schreibt, wurden nach Aufnahme der Dienstaufsichtsbeschwerde erste Prüfungen vorgenommen. Die Polizeisprecherin schreibt: "Der handelnde Polizeibeamte wurde ermittelt." Er habe sich teilweise zu den Vorhaltungen geäußert. Auf die Frage des "Prignitzers", mit welchem Ergebnis das geschah, bestätigte Ulrike Glanz ihre schriftlichen Auskünfte an die Redaktion: "Der Ermittlungsstand ist noch offen." Damit lasse sich auch noch nicht sage, ob sich für den Beamten disziplinarische Konsequenzen aus dem Vorfall ergeben.

Der "Prignitzer" wird die Angelegenheit im Auge behalten.

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