Polizei scheucht Rocker auf

Foto: Rainer Schüler
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01. Juni 2012, 11:08 Uhr

Potsdam | Es wird ungemütlich für die Rockerclubs in der Hauptstadtregion. Nach dem Verbot der Berliner Ortsgruppe der Hells Angels "MC Berlin City" am Dienstag durch Innensenator Frank Henkel (CDU) folgte am Mittwoch eine Polizeiaktion in Potsdam. Rund 200 Polizisten durchsuchten ein Vereinsheim der Hells Angels in der Charlottenstraße und stellten dabei vor allem Waffen sicher.

Axtstiele, Macheten, Pfefferspray sowie eine Schussweste fanden die Beamten bei den 21 Rockern in der Bar. Bei einem 35-Jährigen stellten sie zudem eine größere Menge Bargeld unbekannter Herkunft sicher. Acht Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz wurden aufgenommen.

Brandenburg will offenbar verhindern, dass kriminelle Rocker aus Berlin in das Umland ausweichen und dort ihr Unwesen treiben. "Möglichen Neustrukturierungen der einschlägigen Szene wird Brandenburg nicht untätig zusehen", sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) gestern. Mit dem Einsatz sei ein klares Zeichen gesetzt worden, "dass Brandenburg nicht nur redet, sondern auch entschlossen handelt".

Die Entwicklungen innerhalb der Szene, die offensichtlich "im Fluss" seien, würden weiterhin beobachtet, betonte Woidke. Die Behörden in Brandenburg und Berlin stünden in engem Kontakt. "Brandenburg ist kein Rückzugsraum für Rocker aus Berlin." Einige Rocker hatten dies offenbar gehofft. Anfang der Woche hatte sich die verbotsgefährdete Gruppe der Bandidos "Southside" aufgelöst, um sich danach teilweise den "Hells Angels" in Potsdam anzuschließen. Tatsächlich trafen die Beamten bei der Razzia in Potsdam auch Personen an, "die bis vor kurzem der Berliner Rockerszene zuzurechnen waren", wie es in einer Mitteilung hieß.

Um effektiver gegen kriminelle Rocker vorzugehen, will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich die Länder ermuntern, Rockerclubs schneller zu verbieten. Da bundesweite Verbote noch nicht möglich seien, müsse man sich auf die regional begrenzten Verbote konzentrieren, sagte der CSU-Politiker gestern am Rande der Innenministerkonferenz im mecklenburgischen Göhren-Lebbin. Die kriminellen Strukturen der Banden seien nicht zu unterschätzen.

Der Vorsitzende des Brandenburger Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Schuster, steht der Forderung skeptisch gegenüber. Dafür müssen jedem der Chapter - also den Unterorganisationen - Straftaten nachgewiesen werden, sagte er. Dies sei in der Praxis "äußerst schwierig durchsetzbar", da die Rocker straff organisiert seien und sich gegenseitig deckten.

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