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SEK-Einsatz in der Prignitz : Polizei nimmt Bewaffneten fest

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wegen Stromabschaltung: Reckenthiner verschanzte sich mit Familie im Haus, drohte mit Messer – und twitterte über das Geschehen.

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 20:00 Uhr

Ausnahmezustand in der 100-Seelen-Gemeinde: Ein Rettungs- und mehrere Einsatzwagen der Polizei bestimmten gestern das Bild in Reckenthin. Dort nahm ein achtköpfiges Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei den 54-jährigen René S. fest. Dem Mann, der wegen Bedrohung bereits polizeibekannt ist, sollte der Stromanschluss gesperrt werden, wogegen er sich wehrte. „Ein Mitarbeiter des Energieversorgers und ein Gerichtsvollzieher baten um polizeiliche Unterstützung, weil der Mann schon früher aggressiv geworden war“, erklärte Polizeisprecherin Dörte Röhrs gegenüber dem „Prignitzer“.

Als die Männer gestern Morgen gegen 8 Uhr in der Reckenthiner Straße ankamen und in das Haus wollten, bedrohte der Bewohner sie mit einem Messer und verschanzte sich mit seiner Frau und den sechs Kindern. „Er sagte, dass jeder verletzt wird, der in sein Haus will“, so Röhrs. Nach Informationen des „Prignitzers“ soll der Mann unter anderem geschrien haben: „Wenn ihr den Strom abstellt, ist der Kühlschrank aus. Das ist Mord!“ Daraufhin wurden Verhandlungsspezialisten und das SEK aus Potsdam angefordert. Ein Rettungs- und mehrere Einsatzwagen der Polizei waren vor Ort. Der Bereich rund um die Kirche wurde abgesperrt.

René S. soll der sogenannten Reichsbürgerbewegung angehören. Diese erkennt den Staat und seine Institutionen nicht an und weigert sich, amtlichen Bescheiden zu folgen. Noch während des Einsatzes soll der Mann über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärt haben: „Die Terroreinheiten sind in Position und warten nur darauf eine deutsche Familie zu erledigen“.

Nach stundenlangen Gesprächen konnte der 54-Jährige gegen 13 Uhr dazu gebracht werden, zur Haustür zu kommen, wo er – ohne Widerstand zu leisten – festgenommen wurde. Ob in dem Haus Schusswaffen gefunden wurden, konnte Röhrs nicht sagen. Es seien zumindest keine angemeldet. „Zum Glück wurde niemand verletzt“, so Dörte Röhrs.

Dem schloss sich Thomas Brandt, Bürgermeister der Gemeinde Groß Pankow, zu der Reckenthin gehört, an. „Ich danke den Einsatzkräften für ihr umsichtiges Handeln.“ S. sei in der Gemeinde als sogenannter Problembürger bekannt. Laut einer Nachbarin sei er vor mehreren Jahren in den Ort gezogen und pflege keine Kontakte zu anderen Einwohnern. „Man sieht immer nur die Kinder. Sie sind aber sehr freundlich und grüßen“, sagte die Frau gegenüber unserer Redaktion. Gegen René S. wird nun wegen Nötigung ermittelt.

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