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Seit Jahren geschlossene Arztpraxis in Brüssow ist wieder offen : Pole ist Landarzt in der Uckermark

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Heide Schmidt fährt öfter mal rüber, von ihrem Wohnort ins zwei Kilometer entfernte Klockow (Uckermark). Die 71-jährige Ärztin besucht dann ihre frühere Praxis, die seit Sommer ein polnischer Arzt leitet.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 07:57 Uhr

Brüssow | Heide Schmidt fährt öfter mal rüber, von ihrem Wohnort ins zwei Kilometer entfernte Klockow (Uckermark). Die 71-jährige Ärztin besucht dann ihre frühere Praxis, die seit Sommer ein polnischer Arzt leitet. "Ich habe kürzlich mal eine Stunde im Wartezimmer gesessen", berichtet Schmid. "Ich freue mich immer, wenn ich meine Patienten sehe." Auch zu ihrem Nachfolger, Marcin Florczak aus Stettin (Szczecin), hat sie ein gutes Verhältnis. Nach Klockow hat der Pole in dieser Woche auch noch die Praxis in Brüssow, die vier Jahre leer stand, übernommen. Beide Dörfer liegen "hoch oben" in der Uckermark, nah an der Grenze zu Mecklenburg- Vorpommern; ein strukturschwacher Landstrich mit vielen älteren Menschen und Hartz-IV-Empfängern. Schmidt engagierte sich dort 37 Jahre als Landärztin - zuletzt in Klockow - und ist glücklich, einen Nachfolger gefunden zu haben. "Ich habe sogar etwas länger gearbeitet, bis er alle notwendigen Unterlagen beisammen hatte", verrät sie. "Es wäre für mich furchtbar gewesen, zu gehen, ohne dass die Leute versorgt sind."

Auch in Brüssow herrscht Erleichterung. "Es ist wichtig für den Standort und vor allem für die Versorgung der älteren Bürger", sagt Amtsdirektor Detlef Neumann. Ein zweiter Arzt im Ort konnte nicht alle Patienten der aufgegebenen Praxis übernehmen. Ländliche Regionen in der Mark sind bekannt für ihren Ärztemangel. Etwa 100 bis 120 Hausarztsitze stehen im Land Brandenburg leer, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg. Im Schnitt seien etwa 23 Prozent der Hausärzte 60 Jahre oder älter, sagt Sprecher Ralf Herre. Bei den Fachärzten sehe es etwas besser aus.

"In Deutschland ist die Medizin sehr gut organisiert", sagt der neue Landarzt Marcin Florczak. Seine Arbeit gefalle ihm gut. "Die Patienten sind nett und angenehm, ich bin zufrieden." Eigentlich wollte der 40-Jährige gern in Berlin arbeiten, doch ist das zu weit von Stettin entfernt, wo seine Frau mit dem Baby wohnt. Er fand die Stelle in der Uckermark und pendelt täglich.

Die Praxen gehören zur Medizinischen Versorgungszentrum Prenzlau GmbH, einem Unternehmen im GLG-Verbund, der wiederum gute Verbindungen zur Berliner Charité hat. Die GLG - Gesellschaft für Leben und Gesundheit GmbH ist nach eigener Einschätzung das größte Gesundheitsunternehmen im Nordosten Brandenburgs. Träger sind die Landkreise Barnim und Uckermark und die Stadt Eberswalde. Der Internist betont: "Für mich ist es wichtig, dass ich mich entwickeln kann." Er wolle sich zum Kardiologen und Angiologen ausbilden lassen und seine Doktorarbeit beenden. Ärztemangel spüren auch Krankenhäuser. Deshalb musste die Schwedter Kinderklinik für ein halbes Jahr dichtmachen und konnte erst vor kurzem wieder öffnen. Durch eine Werbekampagne von Gesundheitsministerium, Vertretern aus Wirtschaft, Lokalpolitik und Vereinen gelang es, Ärzte, auch aus dem Ausland, zu holen. Entlang der deutsch-polnischen Grenze gebe es Krankenhäuser, in denen fast ein Drittel der Ärzteschaft aus dem Ausland stamme, berichtet Herre. "So eine Dimension ist es im ländlichen Bereich nicht, auch weil die Situation eine andere ist." In der eigenen Praxis müsse sich der Arzt mit Personal und Patienten fließend verständigen können. "Da kommt es auf die Feinheiten der Sprache an." Im Krankenhaus habe er ein Team um sich. Herre erwähnt auch Qualifikationshürden. Ein ambulant tätiger Mediziner müsse einen Facharzt-Abschluss haben, sagt er. "Die Anerkennung in Deutschland ist schwierig." Oftmals seien Nachprüfungen notwendig, was zwei bis drei Jahre dauern könne. "Deshalb gehen ausländische Ärzte zumeist in Krankenhäuser." Dort könnten sie sich über Jahre weiterbilden.

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