Hochwasser : Polder bereiten Probleme

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Der Deichausbau an der Elbe geht noch lange weiter. Untersuchungen sollen Funktionsweise der Polder verbessern.

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23. November 2017, 12:00 Uhr

Im Landkreis Prignitz werden die Hochwasserschutzziele 2021 erreicht sein. Der Deichbau wird jedoch noch länger weitergehen. Das ursprüngliche Ziel, die Anlagen auf 7,45 Meter plus Freibord zu erhöhen, wurde bereits zu 98,5 Prozent erfüllt. Das neue Ziel von 7,99 Meter plus Freibord sei aber erst zu einem Viertel realisiert, sagte Thomas Kuss vom Landesamt für Umwelt am Dienstagabend auf der regionalen Hochwasserschutzkonferenz in Wittenberge.

Die laufenden Arbeiten konzentrieren sich auf den Bereich zwischen Bälow und Wittenberge. So entsteht derzeit ein Schutz für das Werk der Deutschen Bahn AG in Wittenberge, der bis September 2018 fertiggestellt sein soll. Die ebenfalls laufenden Arbeiten zum Schutz des Industriegebietes Süd sollen im Sommer nächsten Jahres abgeschlossen werden. Im nächsten Jahr geht es los mit dem Hochwasserschutz in der Elbstraße Wittenberge, das wird voraussichtlich reichlich zwei Jahre dauern. Der Lindendeich wird ab Spätsommer 2018 ertüchtigt, die Arbeiten erfordern rund ein Jahr Zeit. Die Bauwerke mit einer Länge von etwa 3,2 Kilometern werden rund 5,6 Millionen Euro kosten.

Da der Bund die Schwachstellenbeseitigung in Wittenberge aus dem Nationalen Programm zum Hochwasserschutz gestrichen hat, trägt das Land Brandenburg die Kosten allein. Dadurch werde aber kein Objekt verschoben oder verkleinert, betonte Bernd Lindow von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises.

Die Bauabschnitte 2 und 3 beim Deichbau in Breese mit einer Länge von 2,3 Kilometern und einem Volumen von 12,7 Millionen Euro werden bis Oktober 2018 realisiert. Daran schließt sich sofort die Realisierung des mehr als einen Kilometer langen Abschnitts 3 b an, der zweijährige Arbeiten erfordert. Der Abschnitt 4 soll noch in diesem Jahr fertig werden, so Kuss.

Die Erneuerung des Schöpfwerkes Cumlosen wird im Mai nächsten Jahres fertig, sagte Kuss.

Gebaut wird auch in Bälow und Sandkrug sowie ab Gnevsdorf in Richtung Wittenberge ab 2020/21. Im selben Zeitraum wird auch in Müggendorf der Deich erhöht.

Stärker in den Blick rücken die Polder, betonte Matthias Grafe vom Landesamt für Umwelt. Bei den Havelpoldern gehe es gemeinsam mit den Behörden von Sachsen-Anhalt um die Frage, wie diese optimal gefüllt werden können. Dies gelang beim Hochwasser von 2013 nicht vollständig. Das Wasser konnte nicht in alle Bereiche geleitet werden. Offenbar waren einige Durchbrüche nicht groß genug. Die gewählte Breite von 30 Metern habe wohl nicht ausgereicht, um die vorgesehenen 560 bis 700 Kubikmeter Elbwasser pro Sekunde einlaufen zu lassen, so Grafe.

Auch die Frage, ob die Standorte für die geschlagenen Breschen optimal waren, steht in der Diskussion. Hydraulik-Untersuchungen und Gutachten sollen die Frage nach den optimalen Füllkonzept beantworten. Laufen die Polder wie vorgesehen voll, nehmen sie 270 Millionen Kubikmeter Elbwasser auf und können den Hochwasserscheitel in Richtung Wittenberge um 30 bis 50 Zentimeter reduzieren. Zugleich würde der Druck auf die Deiche deutlich sinken.

Ähnliche Probleme wie bei den Havelpoldern können auch beim Lenzener Polder nicht ausgeschlossen werden. Auch dort wird derzeit untersucht, ob die vorgesehene Einlaufstelle im Nordwesten am Schöpfwerk Baarz ausreicht, um die gesamte Kapazität von 42 Millionen Kubikmetern nutzen zu können. Auch dafür wird ein Hydraulik-Gutachten angefertigt. Ob danach eine zweite Einlaufstelle erforderlich sei, werde sich zeigen, konstatierte Matthias Grafe.

Deutlich schwieriger zu beurteilen und zu lösen sind die Probleme für einen rund 4900 Hektar großen Karthane-Polder. Planungen gehen von einem Fassungsvermögen von 60 Millionen Kubikmetern aus. Doch anders als die beiden bestehenden Anlagen ist dieser Polder nicht schon zu DDR-Zeiten als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen worden.

Gravierender sind andere Faktoren. Auf den Flächen gibt es Ackerland und Verkehrswege, bewohnte Bereiche grenzen an. Auch zum Bahndamm der Strecke Berlin-Hamburg gebe es noch Gesprächsbedarf mit dem Unternehmen, räumte Grafe ein. Eine Flutung des Polders mit Elbewasser würde zu sehr erheblichen Schäden führen. Bei den Planungen müsse abgewogen werden, welche Schäden im Ernstfall größer wären: die an Agrarflächen, Verkehrswegen und Gebäuden im Polderbereich oder diejenigen in Wittenberge, erläuterte Grafe. Ein voll funktionsfähiger Polder könne den Scheitel der Hochwasserwelle direkt vor der Stadt um 20 bis 30 Zentimeter abschwächen.

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