zur Navigation springen

Internetbetrug in der Prignitz : Plötzlich war das Konto leer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Familie Besançon aus Klein Gottschow wird Opfer von Interneträubern / Sparkasse mahnt Kunden, stets misstrauisch zu sein

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 20:00 Uhr

Das Ganze Geld ist weg. Kontostand null Euro. Nico Besançon versteht die Welt nicht mehr, als er vor einer guten Woche seinen Kontostand überprüft. „Das Konto war komplett leergeräumt“, berichtet er.

Einen Tag zuvor überweist Nico Besançon seine Miete. Bequem von zu Hause aus, via Onlinebanking. Als er die Transaktion vorbereitet, fordert das Programm ihn auf, mehrere Male eine Transaktionsnummer, kurz TAN, einzugeben, um den TAN-Generator zu synchronisieren. Die TAN-Generatoren haben bei vielen Banken die klassische TAN-Liste in Papierform abgelöst. Bankkarte einstecken und je nach Gerät erscheint die benötigte Nummer ohne weiteres Zutun auf dem Display und kann in das Onlineformular eingegeben werden. „Ich dachte, das hat schon seine Richtigkeit und bin den Anweisungen gefolgt“, sagt Besançon.

Der Schock sitzt tief bei Besançon und seiner hochschwangeren Frau. „Die Miete muss bezahlt werden, unsere drei Kinder brauchen etwas zu essen. Man steht schlagartig mit dem Rücken an der Wand.“ Bei der Polizei hätten sie Anzeige gegen Unbekannt erstattet und die Sparkasse informiert. „Von da hieß es aber, es sei nicht sicher, ob wir das Geld zurück bekommen, und wenn, dann nur gegen eine Gebühr.“

Dem widerspricht Helge Reiter, Pressesprecher der Sparkasse Prignitz. „Diese Gebühr ist ein Missverständnis. Die Sparkasse Prignitz verlangt für Rücküberweisungen in Betrugsfällen kein Geld, immerhin befinden sich die Familien in einer Notsituation.“ Es könne aber sein, dass fremde Geldinstitute, insbesondere ausländische, Gebühren dafür erheben und diese gleich einbehalten, der Rücküberweisungsbetrag also etwas geringer ist. Grundsätzlich habe der Kunde das Recht, eine Überweisung zurückzufordern. „Bis zur Ausführung geht das meist problemlos. Aber wenn der Auftrag ausgeführt, das Geld abgebucht ist, wird es schwierig.“

Der Betrug selbst sei kein Einzelfall, konkrete Zahlen nennt Reiter jedoch nicht. „Die Sparkassen zahlen in einen Haftungsfonds ein, der nach Prüfung gegebenenfalls einspringt, um Betroffenen zu helfen. Denn nur in den seltensten Fällen ist das Geld noch auf dem Zielkonto, wenn wir bei der Bank im Ausland anfragen. Ist es bereits weiter geleitet, geht zurückbuchen nicht.“

Dörte Röhrs, Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord, bestätigt, dass die Chancen, das Geld zurückzubekommen, eher gering sind. „Derartige Transaktionen werden häufig über eine Vielzahl an Auslandskonten abgewickelt, wenn überhaupt lassen sich Mittelsmänner ermitteln, die Drahtzieher bleiben meistens im Dunkeln.“ Die einzig wirksame Methode gegen den auch als „Phishing“ bezeichneten Onlinebetrug sei sorgsamster Umgang mit sensiblen Daten wie Passwörtern und TANs. „Grundsätzlich den eigenen Rechner mit entsprechender Software schützen und misstrauisch sein, wenn Internetseiten zur Dateneingabe auffordern. Im Zweifelsfall das Fenster schließen und die Bank informieren.“

Auch die Sparkasse Prignitz hält ihre Kunden an, wachsam zu sein. „TANs werden nur zur Bestätigung von konkreten Aktionen wie beispielsweise eines einzelnen, nachvollziehbaren Zahlungsvorganges verlangt. Die Aufforderung zur mehrfachen Eingabe sollte die Kunden stutzig machen“, sagt Helge Reiter. Auf ihrer Internetseite informiere die Sparkasse regelmäßig über aktuelle Betrugsmaschen. „Die Kunden sollten sich immer wieder auf den neuesten Stand bringen, damit sie nicht in die Falle tappen“, so Reiter.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen