zur Navigation springen

Seltener Fund in Wittenberge : Plötzlich sitzt da ein Kamm-Molch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wittenberger findet mitten in der Stadt auf seiner Kellertreppe eine streng geschützte Amphibie

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 20:45 Uhr

Alexander Beiche hat vor der Kellertür seines Hauses in der Bahnstraße an der Einmündung Schillerstraße einen ungewöhnlichen Fund gemacht. Er entdeckte einen Kamm-Molch. Die Amphibie steht unter sehr strengem Schutz des deutschen wie auch des EU-Rechts.

„Klein, schwarz, ungewöhnlich, das waren meine ersten Eindrücke“, sagt Frank Beiche und erzählt von dem Tierchen, das er auf seiner Kellertreppe fand. „Mein nächster Gedanke: Das ist eine Eidechse.“ Beiche sah sich das Tierchen genauer an. „Nein, eine Eidechse war es nicht. Mit denen kennen wir uns etwas aus. Bis zum Abriss der alten Markthalle neben unserem Haus gab es hier nämlich Eidechsen, auch Zauneidechsen“, so Beiche. Der achtjährige Filius der Familie hätte sich sehr dafür interessiert.

Artgerecht verpackt, brachte Beiche den Kamm-Molch zu dessen neuem Lebensraum.
Artgerecht verpackt, brachte Beiche den Kamm-Molch zu dessen neuem Lebensraum. Foto: Barbara Haak
 

Beiche bekennt: „Ich bin kein Grüner, kenne mich nicht so gut aus.“ Aber Natur und Umwelt lägen ihm schon am Herzen. Deshalb hat er das Tier auf der Kellertreppe auch nicht einfach ignoriert, sondern erst einmal, wie er sagt, sicher verwahrt. „Dann habe ich gegoogelt und angefangen zu telefonieren.“ Wer konnte helfen? Beiche fand einen Ansprechpartner beim NABU in Potsdam, konnte schließlich mit einem Amphibienfachmann Kontakt aufnehmen. Diesem schickte Beiche ein Foto. Die Antwort: Es ist ein Kamm-Molch. Der hatte – wahrscheinlich auf der Suche nach einem tauglichen Winterquartier oder weil er irgendwo aufgestört worden war – versucht, in Beiches Kellern zu gelangen.

Frank Giese von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreisverwaltung bestätigt im Gespräch mit dem „Prignitzer“, dass sich Kamm-Molche auf der Suche nach Überwinterungsquartieren, wenn sich nichts anderes findet, auch in feuchte Gewölbe zurückziehen. Giese betont gegenüber der Redaktion den sehr hohen Schutzstatus von Kamm-Molchen. Ebenso Andreas Hagenguth. Der Naturschutzsachverständige identifizierte auf „Prignitzer“-Bitte das von Beiche fotografierte Tier „einwandfrei als Kamm-Molch, der streng geschützt ist“.

Eine Antwort darauf, wo der Kamm-Molch vor Beiches Keller herkommt und ob in dem Bereich noch Artgenossen leben, gibt es derzeit nicht. Fakt ist nur, dass auf der Fläche der abgerissenen Markthalle unmittelbar neben dem Haus von Familie Beiche derzeit Material vom Straßenbau in der Bürgermeister-Jahn-Straße gelagert wird. An der Bürgermeister-Jahn-Straße selbst existieren auf einer Seitenfläche Überreste eines unterirdischen Gewölbes.

Alexander Beiche gibt, als er die Geschichte dem „Prignitzer“ erzählt, unumwunden zu, „dass ich nicht wusste, was ich nun tun sollte“. „Ich konnte das Tier doch nicht einfach zwischen das Baumaterial setzen.“ Hilfe erhielt er von der Unteren Naturschutzbehörde. „Ich habe dort nachgefragt. Man sagte mir, ich soll den Molch hinter Möbel-Schulz aussetzen.“ Dort ist, so die Naturschutzbehörde, im Zuge des A 14-Baus ein neuer Lebensraum für Amphibien entstanden. Lob gibt es von der Behörde für das sehr umsichtige Verhalten des Wittenbergers. Auf die Frage, warum er sich überhaupt so viel Mühe machte, sagt Beiche: „Es ist ein Stück Natur. Und die muss man auch für seine Kinder bewahren.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen