Platznot: Windräder ausgebremst

Kleinower wollen möglichst wenig Windräder.
Kleinower wollen möglichst wenig Windräder.

Statt fünf bekommt Kleinow vielleicht nur drei Anlagen / Pollobahnhof wieder bewohnt – gesetzliche Abstandsregel greift

von
12. Januar 2016, 10:29 Uhr

Ihren Unmut über die geplanten Windräder können Kleinows Bürger nun auch offiziell äußern. Die Gemeindevertretung Plattenburg hat Montagabend auf ihrer Sitzung in Kleinow beschlossen, den Vorentwurf für den geplanten Windpark öffentlich auszulegen. Wann die vierwöchige öffentliche Auslegung beginnt, wird bekannt gegeben, sagte Bürgermeisterin Anja Kramer.
Geplant sind fünf neue Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils 200 Metern rund um Kleinow. Erst Anfang 2015 hatte die Gemeindevertretung eine Veränderungssperre für das Baugebiet beschlossen. Das heißt, dass in einem Zeitraum von zwei Jahren keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden dürfen und die Kommune Herr des Verfahrens zur Bauplanung bleibt. Das bedeutet bis 2017 hätte die Kommune noch Zeit, ihren Bebauungsplan vorzulegen. Entsprechend verärgert sind Kleinower, dass die Gemeinde jetzt schon tätig wird.
Die Verwaltung machte deutlich, dass es sich lediglich um einen Vorentwurf handle, zu dem jeder Bürger schriftlich Stellung nehmen könne.
Die Situation ist kompliziert. Das Windgebiet ist zwar im Regionalplan von 2003 ausgewiesen, aber in der aktuellen noch nicht rechtskräftigen Fassung gibt es kein Windgebiet mehr. Das würde bedeuten, sobald der neue Regionalplan Rechtskraft erlangt, würde kein Baurecht mehr bestehen. Bis es so weit ist, dürfen Windkraftanlagen bis zu 500 Meter an die Wohnbebauung heran gebaut werden.
Doch auch das ist schwierig. Knackpunkt ist der alte Pollobahnhof im Kreuzungsbereich der Kreisstraße nach Kleinow direkt an der B 5. Hier hatte es vor gut einem Jahr gebrannt. Außerdem soll Vandalismus das Gebäude beschädigt haben. „Wir müssen durch die Bauaufsichtsbehörde prüfen lassen, ob dieses Gebäude noch als Wohngebäude geeignet ist und als solches eingestuft werden kann“, sagt die Verwaltung. Nur dann gelten auch hier die 500 Meter.

Die Investoren würden den Bahnhof wohl gerne verschwinden lassen. Sie sollen dem Eigentümer lukrative Kaufangebote unterbreitet haben. Eigentümer des Gebäudes ist Siegfried Ryll und der überraschte in der Sitzung alle Anwesenden: „Ich möchte Ihnen nur mitteilen, dass ich in dem Gebäude seit geraumer Zeit wohne. Das heißt, ich bin dort eingezogen und habe in der letzten Woche meinen Hauptwohnsitz dort in der Gemeindeverwaltung angemeldet. Das sollten Sie eigentlich wissen“, sagte Ryll.

Damit hat er Fakten geschaffen und die Frage, ob es sich um ein Wohngebäude handelt, ist beantwortet. Damit wäre wohl nur noch Platz für drei statt der fünf Anlagen.

Außerdem, so die Kritik aus Reihen der Einwohner, wurde im Vorfeld ein Weiher auf einem Feld zugeschoben, um das Biotop zu vernichten und so keine weiteren Mindestabstände zum Biotop einhalten zu müssen. Dieser Vorgang wurde bei der Naturschutzbehörde des Landkreises aufgenommen und bestätigt. „Wenn wir als normale Bürger so etwas tun würden und erwischt werden, wären wir verpflichtet, das Biotop wieder herzustellen. Hier passiert gar nichts, höchstens die Auflage, an anderer Stelle für Ausgleich zu sorgen“, so unter anderem die Kritik einiger Einwohner. In dem Weiher soll die unter Schutz stehenden Rohrweihe genistet haben.
Parallel zum kommunalen Planungsverfahren hat die Projektentwicklungsgesellschaft UKA aus Cottbus zwei Bauanträge für das Windgebiet gestellt. Einen mit drei Anlagen und einen zweiten für weitere zwei Anlagen. Nach Bundesimmissionsschutzgesetz muss die Kommune eine Stellungnahme dazu abgeben. Die Abgeordneten lehnten diese Bauanträge ab, da sie dadurch selbst in ihrer Bauplanung eingeschränkt würden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen