Neues Biotop in Garsedow : Platz für Uferschwalbe und Co.

Das neue Biotop  ist für so manchen gewöhnungsbedürftig.
Das neue Biotop ist für so manchen gewöhnungsbedürftig.

Zehn Hektar neues Feuchtbiotop bei Garsedow als Ausgleich für Deichbau / Anwohner und Angler sehen Projekt kritisch

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08. März 2016, 05:00 Uhr

Die Arbeiter sind mit ihren Raupen und Baggern abgerückt. Hinterlassen haben sie auf einem zirka zwei Hektar großen Gelände zwischen Karthane und Elbdeich nahe der Brücke eine hügelige Sandlandschaft mit Vertiefungen, in denen sich je nach Pegelstand Wasser sammelt. Jens Martin vom Landesumweltamt spricht von Dünen und Kuppen sowie Flutmulden und Senken, die zahlreichen Tierarten einen adäquaten Lebensraum bieten werden, bis hin zu einem Hügel als Brutstätte für Uferschwalben. Außerdem seien die Bedingungen günstig für die Ansiedelung eines Hartholzauenwaldes. Martin sagt: „Dort wird sich ganz selbstständig langsam ein Waldbiotop etablieren.“

Die zwei Hektar große Fläche gehört zu zehn Hektar neu gestaltetem Lebensraum zwischen Elbdeich und Karthanehafen, zwischen Garsedow und der Hafenbrücke, die das Landesumweltamt in zwei Bauabschnitten als Ersatz schaffen musste. Damit werden die Eingriffe in die Natur und Landschaft kompensiert, die der Deichausbau zwischen Wittenberge und Gnevsdorf zwingend nach sich zieht. „Wir sind zum Ausgleich verpflichtet, Gewässerstrukturen zu schaffen und Auwald zu etablieren“, erklärte Jens Martin bereits im Herbst, als die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt begonnen hatten.

Erste Erfolge in Sachen neuer Lebensraum gab es bereits 2015 zu vermelden. Da hatte der Austernfischer zum zweiten Mal in dem neuen Feuchtbiotop des ersten Bauabschnitts gebrütet. Eine kleine Sensation, denn der hier heimische Vogel ist in der Region mittlerweile eine Rarität.

Petrijünger haben ihre Chancen verpasst

Trotz dieser Entwicklung stehen zahlreiche Wittenberger und Bewohner aus den Elbdörfern der Ausgleichsmaßnahme teils skeptisch, teils ablehnend gegenüber. „Unverständlich für uns Anwohner ist, warum intakte und gepflegte Natur, sprich Wiesen, Tümpel, Kuhlen, landwirtschaftliche Nutzfläche umgegraben werden muss, um ein neues künstlich angelegtes Biotop zu erschaffen“, formuliert die Garsedower Ortsbürgermeisterin Doreen Jeske den Standpunkt zahlreicher Einwohner.

Kritisch sieht auch der Kreisanglerverband Perleberg den Eingriff auf dem Gelände nahe der Hafenbrücke. In einem Schreiben an das Landesumweltamt vom Dezember heißt es beispielsweise, „dass die Art und Weise der Umsetzung dieser Maßnahme eine nicht unbedeutende Beeinträchtigung der Uferbetretung und damit des bestehenden fischereilichen Pachtvertrages mit sich bringt“. Spätestens hier hätte die Behörde die von den Maßnahmen betroffenen Interessens- und Nutzergruppen informieren, im Idealfall beteiligen müssen. Der Anglerverband verweist auf die von Naturschutzbehörden und -verbänden „allzu gern proklamierte Aussage, dass Naturschutzvorhaben eigentlich immer nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn ein Konsens mit den Bürgern erzielt werden kann und er auch wirklich ernst gemeint ist“.

Das Landesumweltamt weist den Vorwurf zurück: „In ihrer Kritik beziehen sich die Angler auf die angeblich fehlende Beteiligung.“ Dazu habe es aber im Zuge des Planfeststellungsverfahrens ausreichend Gelegenheit gegeben.

Bevor am 27. Februar 2012 der Planfeststellungsbeschluss gefasst wurde, lagen die Dokumente öffentlich aus, sei außerdem Trägern öffentlicher Belange, und damit auch den organisierten Anglern, die Möglichkeit eingeräumt worden, sich zu äußern. Aber: „Es gab keine Einwendungen, weder zum Bauvorhaben Deich noch zur A/E-Maßnahme (Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme – d. Red.) am Karthanehafen.“ Erklärend fügt Jens Martin hinzu, dass das umgestaltete Grundstück Eigentum des Landes ist. Der Kreisanglerverband (KAV) sei Pächter des angrenzenden und ebenfalls im Landeseigentum befindlichen Gewässerflurstücks. „Dieses hat etwa 2,6 Kilometer begehbare Uferstrecke. Dem KAV entgehen davon etwa 300 Meter durch die Baumaßnahme.“  

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