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Naturschutz : Pläne für Wald und Schlosspark

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Biosphärenreservat stellt Zwischenergebnisse zur FFH-Gebietsplanung in Gadow vor / Anwohner bestätigen Willen zur Kooperation

von
erstellt am 28.Jul.2015 | 22:00 Uhr

Europäische Naturschutzrichtlinien umsetzen und dabei die Belange der Bürger und des Denkmalschutzes einbeziehen – vor dieser schwierigen Herausforderung steht die Biosphärenreservatsverwaltung um Leiter Dr. Sven Rannow derzeit bei der Ausarbeitung der FFH-Managementpläne im Rahmen des Projektes Natura 2000. Für das Naturschutzgebiet in Gadow haben die Experten jüngst ihre Konzepte vorgestellt und mit den Anwohnern vor Ort diskutiert.

„Anfang 2015 lag der Plan öffentlich aus, um den Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Materie auseinanderzusetzen“, sagt Sven Rannow. Im März seien Einwände der Bürger auf einer Diskussionsveranstaltung zur Sprache gekommen. „Die Debatte war kritisch und konstruktiv, und wir haben die Meinungen und Argumente sehr ernst genommen. Darauf aufbauend hat sich unser Kuratorium zusammengesetzt und sehr genau geprüft, welche Einwendungen Berücksichtigung finden, an welchen Punkten wir noch nacharbeiten müssen und wie wir möglichst vielen Parteien gerecht werden können, ohne die Naturschutzziele zu verfehlen.“


Zusammenarbeit mit den Bürgern wichtig


Ohne die Bürger vor Ort sei ein solches Verfahren überhaupt nicht möglich, betont Rannow. „Das ist unschätzbares Fachwissen, denn wir schauen von außen drauf, die Bürger leben mittendrin in dem Gebiet, über das wir reden. Der Prozess der FFH-Planung soll und muss ein Dialog sein.“

Das Naturschutzgebiet Gadow umfasst eine Fläche von 411 Hektar, davon sind 263 Hektar Wald, 135 Hektar Wiesen und Staudenflur und neun Hektar Gewässer. Der Rest entfällt auf Siedlungs. und Grünflächen. 79 Prozent der Flächen sind im Eigentum einer Naturschutzstiftung.

Einer der zentralen Punkte der Planung ist, den Laubwaldanteil zu erhalten und zu entwickeln. „Aktuell liegt der Anteil an naturschutzfachlich wertvollen Laubwäldern hier bei rund 30 Hektar, davon 15 Hektar Buche und 13,6 Hektar Stieleiche, insgesamt also zehn Prozent des gesamten Waldes im Naturschutzgebiet. Perspektivisch streben wir eine naturschutzorientierte Entwicklung weiterer Laubwaldfläche an.“

Diese, betont Rannow, solle aber nicht auf Kosten vorhandener Bestände erfolgen. „Immer wieder wurden von einem Kahlschlag im Douglasienbestand gesprochen, aber das stimmt nicht. Wir wollen diese Art lediglich in einigen laubholzgeprägten Bereichen im Rahmen einer normalen forstlichen Nutzung reduzieren.“

Im Fokus der Waldplanung im Naturschutzgebiet stehe auch die Einrichtung einer Kernzone, die künftig wirtschaftlich nicht mehr genutzt und Flora und allein Fauna überlassen werden soll. „Auch hier geht es darum, im Dialog mit den Anwohnern eine Lösung zu finden, die Naturschutz- Erholungsinteressen gleichermaßen entspricht.“


Lösungen für die Gewässer


Ein zweiter, großer Komplex, der im Rahmen der Natura-Planung angegangen werden soll, ist der Gadower Schlosspark. Dieser soll möglichst denkmalgerecht wiederhergestellt werden. „An einen Park sind natürlich andere Anforderungen zu stellen als an ein klassisches Naturschutzgebiet“, sagt Rannow. In dieser Angelegenheit werde man sich auf die Vorarbeit von Studierenden aus Berlin stützen, die den Park drei Monate lang aus landschaftsarchitektonischer und denkmalpflegerischer Sicht betrachtet und entsprechende Zukunftskonzepte entwickelt haben. So sei es im 19. Jahrhundert durchaus üblich gewesen, verschiedenste Gehölze aus aller Herren Länder in einem Schlosspark zusammen zu tragen. „Aus Naturschutzsicht ist das nicht schön, aber wenn man ein Denkmal erhalten will, muss man damit umgehen“, so Rannow.

Auch bei den Gewässern im Park bestehe Handlungsbedarf, da die Teiche vielfach verschlammt seien, erklärt der Experte. „Die hier ins Gespräch gebrachte Anhebung des Grundwasserstandes hat manche Bürger auf die Barrikaden gebracht, dabei war das nur ein Vorschlag, wie das Problem gelöst werden könnte. Wir werden keine Maßnahmen einleiten, die für nasse Keller sorgen und so die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, gegen uns aufbringen.“ Bei dem Gesprächstermin im Schloss haben man viele der Bedenken bereits zerstreuen können.

Im nächsten Schritt will die Biosphärenreservatsverwaltung den Bericht der Studentengruppe analysieren und ein Konzept für den Park entwickeln. „Das Projekt würde ich gern in den nächsten zwei bis drei Jahren angehen“, sagt Rannow, verweist aber darauf, dass so etwas Zeit, Personal und Geld brauche. „Der Park ist ja einst auch nicht von jetzt auf gleich entstanden, sondern hat sich über gut 200 Jahre entwickelt.“


Gadower bestätigen guten Dialog


Tatsächlich scheinen die Wogen in Gadow nach der jüngsten Zusammenkunft geglättet. „Es wurden viele Missverständnisse ausgeräumt“, sagt Holger Galonska, Anwohner in Gadow und Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz und betont, dass die Naturschützer auf die Gadower zugegangen sind und eine offene Diskussion angeregt haben.

„Natürlich sind wir nicht mit allem einverstanden, was hier geplant ist, aber das Biosphärenreservat ist an einem Dialog interessiert, und den wollen wir auch.“

Galonska sieht insbesondere die Tatsache, dass in der Kernzone künftig überhaupt keine Waldwirtschaft mehr betrieben werden soll, kritisch. „Das kommt einem Betretungsverbot gleich, da man dann der Verkehrssicherungspflicht als Waldbesitzer nicht mehr nachkommen kann.“

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