Debatte in Perleberg : Plädoyer für neue Recyclinganlage

Hier werden im Kieswerk an der Reetzer Chaussee sogenannte Gesteinkörnungen gebrochen.
Hier werden im Kieswerk an der Reetzer Chaussee sogenannte Gesteinkörnungen gebrochen.

Gespräch mit Steffen Schmelzer, Prokurist und Gesellschafter des Kieswerks, zu Vorbehalten und Befürchtungen der Anlieger

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03. Mai 2017, 05:00 Uhr

Perleberg Der Bau einer Recyclinganlage in der Reetzer Chaussee, in der auch Bauschutt geschreddert wird, ist raus aus dem Verfahren zur 5. Änderung des Flächennutzungsplanes. So das mehrheitliche Votum der Stadtverordnetenversammlung im Februar. Dennoch nutzte Prokurist und Gesellschafter des Kieswerks, Steffen Schmelzer, im Hauptausschuss die Gelegenheit, um darzustellen, dass das Unternehmen im Vorfeld durchaus seine Hausaufgaben gemacht hat.  Redakteurin Doris Ritzka traf sich mit ihm.

Warum dieser erneute Vorstoß?
Steffen Schmelzer: Unser Projekt wurde nicht abgelehnt, sondern in die 6. Änderung verschoben. Es bestehe noch Rede-, Klärungsbedarf vor allem in den angrenzenden Ortsteilen, war die Begründung. Übrigens, die Ausschüsse hatte unser Vorhaben alle passiert.

Warum in der Stadtverordnetenversammlung dann dieser Sinneswandel?
Die Frage müssen die Abgeordneten beantworten. Ich kann und will nur versuchen, Missverständnisse aufzuklären und zeigen, dass wir Fragen beantworten und Bedenken sehr ernst nehmen.

Stein des Anstoßes ist die Umverlegung und damit zugleich der Neubau einer Recyclinganlage in der Kiesgrube.
Das ist das Ergebnis. Eigentlich geht es hier um einen Behördenwechsel, konkret vom Bergbauamt zum Landesumweltamt.

Wie ist das zu verstehen?
Die jetzige Anlage steht auf dem Areal, das unter das Bergbaurecht fällt. Hier wollen wir weiter Kies abbauen. Der Platz der neuen wird aus dem Bergbaurecht herausgenommen. Hier ist alles abgebaut. Damit ist die Entscheidungsbehörde das Landesumweltamt.

Warum soll die neue Anlage überhaupt Bauschutt wie Ziegel recyceln?
Wir haben 55 Mitarbeiter, alle ausnahmslos aus der Region, und derzeit mit dem Deichbau in Breese und der A 14 zwei Großprojekte. Die werden wir aber nicht immer haben. Wir müssten dann mindestens 20 Mitarbeiter entlassen. Durch den Ausbau der Recyclinganlage und das Herstellen von Tragschichten, stärken wir unser weiteres Standbein. Mehr noch, der Ausbau ist für uns existenziell, um Schwankungen der Kiessandsparte abfangen zu können. In diesem Fall dann mit Abriss und Recycling von Rohstoffen.

Vorbehalte gibt es in Groß Buchholz, Groß Linde und Lübzow dahin gehend, dass so faktisch durch die Hintertür ein Gewerbegebiet geschaffen werde. Denn wenn der Kiesabbau nach 50 Jahren oder mehr beendet ist, könnte theoretisch hier weiter recycelt werden.
Das ist aber nicht unser Ansinnen. Damit man sieht, dass wir es ernst damit meinen, ist unser Angebot, die Recyclinganlage an den Kiesabbau zu koppeln und das im Grundbuch zu verankern. Kurz gesagt, so lange Kies abgebaut wird, werden auch Tragschichten hergestellt und recycelt. Anschließend erfolgt die Renaturierung wie im Rahmenbetriebsplan verankert.

Trifft eine solche Befristung nicht die Entscheidungsbehörde  im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes?
Schon, aber hier haben die Bürger dann kein Mitspracherecht mehr.  Wir wollen jedoch zeigen, dass wir um einen Konsens bemüht sind.

Weiterer Knackpunkt: Von den Bürgern der genannten Ortsteile wird durch die Anlage eine höhere Lärmbelästigung befürchtet.
Mit der Umverlegung der Anlage entfernen wir uns 670 Meter weiter von Groß Linde und Lübzow. Die neue Anlage, die sich übrigens auf  gleicher Höhe wie die alte befinden wird,  steht hinter unserem Bürogebäude hin zur Reetzer Chaussee. Zu Groß Buchholz verändert sich entfernungsmäßig so nichts. Zur Straße hin haben wir bereits einen Erdwall. Diesen werden wir noch aufschütten und mit weiterer Bepflanzung einen zusätzlichen Schallschutz schaffen.

Die Bedenken gehen auch in Richtung mehr Transporte durch die neue Anlage.
Wenn es hoch kommt sind es ein bis zwei Lkw täglich mehr. Aber eben auch nur, wenn beide Projekte, sprich Kiesabbau und die Herstellung mineralischer Recyclingbaustoffe entsprechend nachgefragt sind, so dass sie parallel laufen.

Sie sprachen, davon, dass Sie bereits im Vorfeld ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Dazu stehe ich auch. Sämtliche notwendigen Voruntersuchungen einschließlich zum Artenschutz  sind gelaufen und keine Behörde äußerte Bedenken. Vielmehr befand man den Standort als geeignet.

Und wie geht es weiter?
Es wird einen Termin mit den Ortsvorstehern aus Groß Buchholz, Groß Linde und Lübzow geben, wo wir versuchen, mögliche Bedenken und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Als Mittler fungiert hier das Perleberger Ingenieurbüro IGP. Und dann hoffen wir, dass unser Projekt in der 6. Änderung des Flächennutzungsplanes mit dabei ist, damit wir dann den Antrag nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz einreichen können.

Danke für das Gespräch

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