Englisches Theater in Perleberg : Piraten entern das Atrium

Mit Treasure Ireland (Teil 3 der Schatzinsel) waren v. l.Eddie Roberts, Simon Edmonds und Francesco de Gennaro dieses Mal zu erleben.
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Mit Treasure Ireland (Teil 3 der Schatzinsel) waren v. l.Eddie Roberts, Simon Edmonds und Francesco de Gennaro dieses Mal zu erleben.

Seit 25 Jahren gastiert englisches Theater The Play Group in der Oberschule mit bühnenreif inszeniertem britischen Humor

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09. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Die Fotowand im Atrium der Friedrich-Gedike-Oberschule ist lang. Bildmotive und Texte berichten aus vielen Jahren der Zusammenarbeit mit der englischen Theatergruppe „The Play Group“. Inzwischen feiert man Silberhochzeit. Für Redakteurin Doris Ritzka die Gelegenheit, mit dem künstlerischen Dreigestirn Eddie Roberts, Simon Edmonds und Francesco de Gennaro sowie Englischlehrerin Kornelia Reuschel, die von Anbeginn das Projekt begleitet, ein wenig aus der Schule zu plaudern.

Wie kam die Play Group von Italien in die Prignitz? Nun sagt bitte nicht mit dem Zug.
Kornelia Reuschel: Stimmt aber. Doch begonnen hat alles kurz nach der Wende bei einer Fortbildung für den Englischunterricht. Mit dabei damals noch John, Eddis Vater. Daraus geworden ist eine echte Freundschaft. Die Schauspieler, die sonst in Italien leben und in ihrem eigenen Theater auftreten, kommen seither jedes Jahr im Anschluss an ihre Berlin-Tournee zu uns nach Perleberg, schauen sich die Region an – und spielen inzwischen vor 2500 Schülern und auch einen Abend für die Öffentlichkeit.
Simon Edmonds: Übrigens, wir spielten vor den Lehrern damals Aschenputtel auf italienisch. Geht das auch auf englisch, wurden wir gefragt. Typisch Lehrer, denn das Stück war dafür nicht gedacht und nicht gemacht. Aber mit Spaß klappt Unmögliches.

Es gab aber noch ganz andere Herausforderungen, oder?
Eddie Roberts: Unsere Requisiten. Sie waren einfach, zumeist Marke Eigenbau oder aber wir haben einfach improvisiert. Finde mal einen Kristallschuh für Aschenputtel und noch dazu in unserer Größe.

Und, habt Ihr einen gefunden?
Eddie Roberts: So kann man es auch sagen. Aschenputtel verlor halt einen Skistiefel.

Stichwort Bühnendeko. Die war anfangs recht spartanisch.
Simon Edmonds: Wie in einem IKEA-Theater – leicht und packbar. Denn angereist sind wir anfangs mit dem Zug. Und abgeholt hat uns Koni. Es war Winter, Schnee lag und da stand sie mit einem großen Lächeln, einem kleinen Fahrrad und wir mit unseren 100 000 Taschen. Gott sei Dank war es nicht weit bis zum „Effi“.

Wieso bis zum „Effi“?
Kornelia Reuschel: Damals hatten wir noch keinen eigenen, geeigneten Raum an der Schule.

Erinnern Sie sich noch an ihre erste Inszenierung in Perleberg?
Eddie Roberts: Das war „Carnival of the animals“ (Karneval der Tiere).

Wie machen Sie das bloß, dass Englischmuffel zu Fans werden?
Simon Edmonds: Wir sind eben einfach nur eine verrückte Truppe, die mit Mimik und Gestik, vor allem aber mit ganz viel Spaß seinem Publikum die Sprache näher bringen will. Theater ist ein starkes Kommunikationsmittel.
Francesco de Gennaro: Wir machen jeden Raum zum Theater, lassen die Sprache einfach leben.

Und dabei spielt der englische Humor eine tragende Rolle.
Eddie Roberts: Mit Spaß lernt es sich einfacher. Ohne geht für uns gar nichts auf der Bühne. Manchmal allerdings auch unfreiwillig.

Zum Beispiel?
Simon Edmonds: 2010 spielten wir die Schatzinsel. 7.30 Uhr war die erste Vorstellung. Eddi probierte zum Frühstück Toffis und prompt landete sein Stiftzahn auf dem Tablett. Bei jedem „S“ und „F“ machte der Zahn sich wieder selbstständig. Doch irgendwie passte das zu seiner Piratenrolle. Allerdings konnten wir selbst kaum vor lachen spielen, wenn er sich seinen Zahn wieder zurecht rückte. Und der fiel dann auch noch runter und wir suchen ihn auf allen Vieren auf der Bühne. Damals haben wir übrigens den Perleberger Rock 'n' Roll-Zahnarzt kennen gelernt. (Simon meint Dr. Uwe Steuer).

Seit 25 Jahren immer wieder eine neue Inszenierung. Wer hat da die zündende Idee?
Eddie Roberts: Wir und unser Regisseur Vincenzo Musicô macht daraus ein Drehbuch. Masken und Bühnenbild sind inzwischen auch vom Profi. Die müssen vor allem strapazierfähig sein, spielend 300 Aufführungen aushalten. Beim „The Ghost of Canterville“ war das Bühnenbild aus Holz. Urplötzlich geriet die ganze Fassade in Bewegung und fiel auf den Schauspieler.

Und?
Francesco de Gennaro: Die schönsten Gags schreibt nun mal das Leben selbst. Wir hatten die Lacher und das Publikum sofort auf unserer Seite.
Simon Edmonds: Ich sage nur Sherlock Holms. Eine Schreckschusspistole entpuppte sich da als ausgesprochen kriminell. Sechs Schuss steckten im Revolver. Drei sollten ins Leere gehen, der vierte treffen. Fünf waren allerdings Rohrkrepierer, als niemand mehr damit rechnete, ging der sechste los. Mir standen die Haare zu Berge und es verschlug mir fast die Sprache. Ich bin ein Unsterblicher bekam ich vor Lachen nur noch raus.

Dreieinhalb Monate im Jahr ist die Play Group auf Tournee vor allem in Italien aber auch in Deutschland. Ist das italienische Publikum anders, als das deutsche?
Simon Edmonds: Auf jeden Fall. Die Deutschen hören besser zu, möchten aber weniger mitspielen. In Italien ist es umgekehrt.

Darf man getrost sagen, Glückwunsch zur Silberhochzeit und auf weitere 25 Jahre?
Simon Edmonds: So lange man uns sehen will, fällt uns auch was ein. Ein Schauspieler geht nicht in Rente, der stirbt auf der Bühne. Und bei uns gibt es da hundertprozentig was zu lachen.

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