Pilzschädling tötet Gadows Eschen

<strong>Forstlohnunternehmer nutzen das</strong> milde Wetter zum Pflanzen: Ralf Galonska (vorne) bohrt Löcher in den Boden, in die Günther Pump (hinten) junge Roterlen einpflanzt. <fotos>Susann Matschewski</fotos>
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Forstlohnunternehmer nutzen das milde Wetter zum Pflanzen: Ralf Galonska (vorne) bohrt Löcher in den Boden, in die Günther Pump (hinten) junge Roterlen einpflanzt. Susann Matschewski

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10. Januar 2013, 06:37 Uhr

gadow | Den Eschen im Gadower Forst geht es nicht gut. Eine Pilzkrankheit befällt unsere einheimische Baumart. In nicht allzu langer Zeit, vielleicht schon in zwei Jahren, werden 90 Prozent des ursprünglichen Eschenbestandes in Gadow verschwunden sein, vermutet Holger Galonska, Geschäftsführer der größten brandenburgischen Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz mit 5020 Hektar und zuvor langjähriger Oberförster. Schuld sei ein Pilz, der vor rund fünf Jahren aus Osteuropa in deutschen Wäldern Einzug hielt und seither die Existenz der hiesigen Baumart bedrohe. Nicht nur in Deutschland, auch in England, Schweden, Dänemark und Finnland sind 80 bis 90 Prozent der Eschenbestände gefährdet. Umweltschützer bezeichnen es als eine der größten Umweltkatastrophen der vergangenen Jahre.

"Das Absterben geht ganz schnell, innerhalb von zwei, drei Jahren", beschreibt Galonska den Krankheitsverlauf. Der Pilz dringt in den Baum ein und verschließt die Transportgefäße, dadurch stirbt der Baum ab. Schließlich fault die Wurzel ab und der ganze Baum kippt um. Ein Gegenmittel, um den Pilz einzudämmen, gebe es bislang nicht. Inzwischen seien im Gadower Wald kaum noch gesunde Eschen zu finden. Die Förster können nur hilflos zusehen, wie der Pilz immer weiter wütet. "Die befallenen Bäume schlagen wir und forsten die freien Flächen mit anderen Arten auf", erklärt Galonska. Verkaufen könne man das tote Eschenholz nur noch als Industrieholz für die Herstellung von Faser- und Spanplatten, was aber nur einen geringen Erlös bringe. Für teureres Sägeholz sei es unbrauchbar.

90 Hektar Eschen standen noch vor zwei Jahren im Gadower Wald, etwa zwei Prozent des gesamten Baumbestandes. Dann erfolgte der erste Kahlschlag. Im vergangenen Jahr wurden noch einmal 40 Hektar geschlagen, dieses Jahr folgen weitere 20 Hektar. "Durch den Schädlingsbefall haben wir seit 2012 die vierfache Menge geschlagen wie üblich", macht Holger Galonska deutlich. Überall an den Waldwegen liegen große Polter mit totem Eschenholz. Die leeren Flächen werden nun nach und nach mit anderen Baumarten bepflanzt, vor allem Roterle, Feldulme, Bergahorn, Rotbuche, Vogelkirsche und Stieleiche. Die Pflanzarbeit übernehmen Forstlohnunternehmer aus der Region. "Das derzeit milde Wetter ist ideal, normalerweise pflanzen wir um diese Jahreszeit gar keine Bäume", so Galonska.

Der Gadower Wald ist bekannt für seinen Artenreichtum, 250 verschiedene Baum und Straucharten sind dort auf 17 500 Hektar zu finden. Doch ob die Esche auch in Zukunft noch dazugehört, sei ungewiss, so der Experte. "Wir pflanzen jedenfalls keine Eschen nach. Das wäre zwecklos, der Pilz würde auch diese wieder befallen."

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