Pianistin Helga Teßmann ist tot

<fettakgl>Pianistin Helga Teßmann</fettakgl> wie viele sie kennen und in Erinnerung behalten werden: Lebenslustig und stets adrett.; Die Aufnahme mit drei ihrer Schülerinnen entstand vor knapp vier Jahren im Seniorenpflegezentrum in der Perleberger Ackerstraße.
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Pianistin Helga Teßmann wie viele sie kennen und in Erinnerung behalten werden: Lebenslustig und stets adrett.; Die Aufnahme mit drei ihrer Schülerinnen entstand vor knapp vier Jahren im Seniorenpflegezentrum in der Perleberger Ackerstraße.

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15. Januar 2013, 06:28 Uhr

Karthan | Ganz gleich, wo oder wen man fragt: Der Schock sitzt tief. Die Frau, die Montag früh beim Brand eines Wohnhauses im Bad Wilsnacker Ortsteil Karthan starb, ist die Pianistin Helga Teßmann (wir berichteten gestern). Schwer zu ertragen ist das Unglück für viele ihr nahe stehende Menschen, nicht zuletzt auch für ihren langjährigen Grundstücksnachbarn Thomas Wickel. Er war der Letzte, der sie lebend sah. Im Nachthemd habe sie in ihrer Garage gestanden und um Hilfe gerufen. Als Thomas Wickel die 112 alarmiert hatte und zurück kam, war Helga Teßmann wieder ins Haus gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt schlugen bereits Flammen aus den Fenstern - Rettung unmöglich. Die inzwischen eingetroffenen Feuerwehrleute versuchten alles, mussten jedoch aufgeben. Erst Montagnachmittag fand man sie tot in der Küche bzw. dem, was von dem Raum übrig geblieben war.

Als überaus lebenslustig beschreibt Thomas Wickel die Nachbarin und Freundin der Familie. Regelmäßig trafen sich die Nachbarn zu Spieleabenden. Die 74-Jährige hatte einen großen Freundeskreis, darunter Mitarbeiter der Wilsnacker Elbtalklinik, wie Verwaltungsdirektorin Simone Struck bestätigt. "Wir hatten sie bis zum Jahresende mit Auftritten eingeplant. Das reißt ein Loch ins System. Wir werden Zeit brauchen, um das zu verarbeiten."

Nicht nur Simone Struck fragt sich, weshalb Helga Teßmann, nachdem sie sich bereits ins Freie gerettet hatte, noch einmal in ihr brennendes Haus zurücklief. "Sie war so taff, so klar mit ihren 74 Jahren. Warum hat sie das gemacht?" Auch die vor Ort recherchierenden Polizisten können nur mutmaßen. Im Haushalt, so Thomas Wickel, lebten zwei Katzen, die die Pianistin innig liebte. Dennoch sei fraglich, ob sie deswegen zurückgegangen ist. Die Tiere sind seit dem Brand verschwunden.

Tief betroffen ist eine enge künstlerische Begleiterin Helga Teßmanns - Pianistin Konstanze John aus Dahlewitz. "Ihr tragischer Tod ist unfassbar und riss sie aus einer ihrer glücklichsten Lebensphasen, denn wir hatten gemeinsam noch so viel vor und sie auch eine schwere Krankheit gerade fast überwunden", schrieb sie gestern in einer E-Mail an die "Prignitzer"-Redaktion. "Wenn sie ans Mikrofon trat und ihre Stimme erhob, umgab sie eine feine Aura. Sie erzählte frei - Heiteres und Tragisches - in ihren Rollen war sie unübertrefflich. Sie zog die Menschen mit ihrer Ausstrahlung in ihren Bann", so Konstanze John. "Es war glückliche Fügung, die mich mit Helga Teßmann zusammenbrachte. Wir gestalteten seit 2006 insgesamt acht musikalisch-literarische Programme über bedeutende Musikerpersönlichkeiten und erfreuten damit uns sowie unser Publikum. So auch wieder vergangenen Samstag, als uns die Menschen nach dem Konzert in Bad Suderode mit stehenden Ovationen dankten. Es war einer ihrer brillantesten Abende." Beide Künstlerinnen verbanden gemeinsame Wurzeln im Erzgebirge und die Leidenschaft für die Musik. "Sie war stets Vorbild, wurde von ihren Schülern und vielen Kollegen sehr verehrt. In ihnen allen hat sie ihre Spuren hinterlassen", verdeutlicht die Pianistin. Auch Bad Wilsnacks Bürgermeister Dietrich Gappa trauert. "Immer, wenn wir uns trafen, führten wir sehr nette, bereichernde Gespräche." Ihr Wissen, dass sie stets dezent-fachlich wiedergab, und ihre Präsenz als Künstlerin werden fehlen, so Gappa.

Von offizieller Seite noch nicht bestätigt, aber sehr wahrscheinlich war ein im Haus befindlicher Ofen-Abzug die Ursache für den verheerenden Brand. Durch die Hitze im Abzug soll sich ein Holzbalken entzündet haben.

Konstanze John versucht, Trost zu spenden. "In unserem Programm Seit ich ihn gesehen … zitierte Helge Teßmann einen Brief von Johannes Brahms an Joseph Joachim nach dem Tode von Clara Schumann: Und wenn sie von uns gegangen ist, wird nicht unser Gesicht vor Freude leuchten, wenn wir ihrer gedenken, der herrlichen Frau, derer wir uns ein langes Leben hindurch haben erfreuen dürfen. Sie immer mehr zu lieben und zu bewundern, so nur trauern wir um sie."

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